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US-Bundesstaat Oklahoma "Ich kann nicht atmen", ruft der Festgenommene, bevor er stirbt. "Das ist mir egal", sagt der Polizist

Sehen Sie im Video: Neu veröffentlichte Videos zeigen Polizeieinsatz gegen Derrick Scott – wenig später ist er tot.
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Das jetzt von der Polizei veröffentlichte Video erinnert an die Aufnahmen von George Floyd: In Oklahoma City ruft ein Mann im Mai 2019 bei seiner Festnahme: "Ich kann nicht atmen". Wenig später ist er tot.

In Oklahoma City im US-Bundesstaat Oklahoma sorgt ein Video von einem Polizeieinsatz gegen einen Afroamerikaner im Mai 2019 für Wirbel. Die Behörden haben die Aufnahmen aus der Bodycam der beteiligten BeamtInnen öffentlich gemacht, nachdem die lokale Black-Lives-Matter-Bewegung dies gefordert hatte, wie US-Medien berichten. Das Video zeigt die Festnahme des 41 Jahre alten Derrick Ollie Scott, der bei dem Polizeieinsatz das Bewusstsein verlor und kurz darauf im Krankenhaus für tot erklärt wurde.

Scott läuft vor der Polizei davon

Auf dem Filmmaterial ist zu sehen, wie drei BeamtInnen Scott zu Boden drücken und festhalten. Mehrfach ist zu hören, wie der 41-Jährige um seine Medizin bittet und fleht: "Ich kann nicht atmen! Ich kann nicht atmen! Bitte helft mir!"

"Das ist mir egal", antwortet ein Polizist, während er und zwei Kolleginnen versuchen, Scott Handschellen anzulegen. "Sie können sehr gut atmen", hört man ein paar Minuten später eine Beamtin sagen. Dann nehmen die Einsatzkräfte Scott eine Pistole ab, die er in seiner Hosentasche bei sich trug.

Auslöser des Vorfalls war nach Angaben der Polizei von Oklahoma City ein Anruf in der Notrufzentrale: Dort sei gemeldet worden, dass ein Afroamerikaner mit Menschen streite und dabei mit einer Waffe herumfuchtele. Das Video zeigt, wie Scott von der Polizei angesprochen und gefragt wird, ob er irgendwelche Waffen bei sich trage. Nach kurzem Zögern läuft der 41-Jährige davon. Wenige Sekunden später wird er von einem Beamten eingeholt und zu Boden gerissen.

Mehrere Minuten lang scheint Scott auf den Aufnahmen nicht mehr zu reagieren. "Er tut, als wäre er bewusstlos", hört man eine Polizistin sagen. Laut der Zeitung "The Oklahoman" hielten die BeamtInnen den Festgenommenen etwa 13 Minuten lang am Boden fest, während sie auf die Ankunft von Rettungskräften warteten. Dabei kontrollierten sie auch seinen Puls. Etwa eine Stunde nach seiner Festnahme wurde Scott in einem Krankenhaus für tot erklärt.

Die Autopsie führte dem US-Nachrichtensender NBC zufolge als Todesursache eine kollabierte Lunge an. Die Polizeiaktion habe nicht zu einem "tödlichen Trauma" geführt, so der Bericht. Mehrere "signifikante" Faktoren hätten zu Scotts Tod beigetragen, darunter die physische Restriktion, kürzlicher Methamphetamin-Konsum, Asthma, ein Emphysem und eine Herzerkrankung. Die Todesart wurde demnach als "unbestimmt" aufgelistet.

Polizei verteidigt Vorgehen der BeamtInnen

Eine Untersuchung des Vorfalls durch die Bezirksstaatsanwaltschaft von Oklahoma County habe die drei BeamtInnen von jeglichem Fehlverhalten freigesprochen, teilte Captain Larry Withrow vom Oklahoma City Police Department nach Veröffentlichung des Videos mit. Die Aussage "das ist mir egal" führte er auf die "Hitze des Konflikts" zurück. "Sicherlich kann das etwas sein, was ein Beamter sagt", erklärte Withrow. "Verstehen Sie einfach - die Beamten kämpfen zu diesem Zeitpunkt mit jemandem."

Die Techniken, die bei Scotts Festnahme eingesetzt worden seien, entsprächen dem, was PolizistInnen bei ihrer Schulung beigebracht werde, um das Risiko, Verdächtige zu verletzen zu minimieren, versicherte Withrow. Zudem hätten die BeamtInnen Scott, nachdem er über Atembeschwerden geklagt habe und sie ihn unter Kontrolle gebracht hätten, in eine "Erholungsposition" gedreht, sofort medizinische Hilfe gerufen und begonnen, seinen Gesundheitszustand zu überwachen.

"Ich weiß nicht, wie sie noch mehr hätten tun können, um den Verdächtigen zu überwachen oder seine Gesundheit zu wahren", sagte Withrow.

Lokale Aktivisten und Scotts Verwandte sehen das völlig anders. "Es fehlt der Fokus auf Menschlichkeit und Anstand", beklagte Pastor T. Sheri Dickerson von Black-Lives-Matter-Bewegung in Oklahoma City. Und Derrick Scotts Mutter Vickey Scott sagte dem "Oklahoman": "Ich glaube, es war eines der unmenschlichsten Dinge, die ich je gesehen habe. Sie haben nichts für ihn getan. Sie haben ihn behandelt, als wäre er ein Tier. Er versuchte, zu Atem zu kommen. Er versuchte zu atmen, und sie ignorierten ihn die ganze Zeit, als ob er nichts wäre."

Der Fall von Derrick Scott erinnert an den Tod von George Floyd. Der 46-Jährige starb am 25. Mai in Minneapolis bei einem brutalen Polizeieinsatz. Ein weißer Beamter hatte ihm sein Knie fast neun Minuten lang in den Nacken gedrückt, obwohl Floyd mehrfach flehte, ihn atmen zu lassen.

mad

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