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Ägypten: 14 Tote am vierten Jahrestag des Aufstands gegen Mubarak

Mubaraks Sturz führte zu den ersten freien Wahlen in Ägypten. Der Wahlsieger Mursi wurde kurz darauf von der Armee entmachtet, die nun über das Land herrscht und jeden Protest mit Gewalt erstickt.

In Ägypten sind die Kundgebungen zum vierten Jahrestag des Aufstands gegen den damaligen Präsidenten Husni Mubarak von Gewalt überschattet worden

In Ägypten sind die Kundgebungen zum vierten Jahrestag des Aufstands gegen den damaligen Präsidenten Husni Mubarak von Gewalt überschattet worden

Krawalle mit zahlreichen Toten haben den vierten Jahrestag des Volksaufstandes in Ägypten geprägt: Bei Protesten gegen die Regierung wurden mindestens 14 Menschen getötet. Allein in der Hauptstadt Kairo wurden am Sonntag nach Angaben des Gesundheitsministeriums zwölf Demonstranten getötet, in Alexandria sei ein weiterer Protestteilnehmer erschossen worden. Nach Angaben des Innenministeriums erschossen zudem Demonstranten in Kairo einen Polizisten, elf weitere Beamte seien verletzt worden.

Zu schweren Zusammenstößen kam es in Kairo insbesondere zwischen der Polizei und islamistischen Demonstranten. Aber auch gegen laizistische Regierungsgegner gingen die Sicherheitskräfte massiv vor. Im Stadtzentrum setzte die Polizei scharfe Munition und Tränengas gegen hunderte Menschen ein, die sich auf dem Tahrir-Platz - dem Zentrum des Volksaufstands von 2011 - versammeln wollten.

Der in Alexandria erschossene Demonstrant hatte nach Polizeiangaben zuvor das Feuer auf die Beamten eröffnet. Diese hätten das Feuer erwidert und den Mann tödlich getroffen. Drei weitere Protestierende wurden demnach bei dem Vorfall verletzt. Bei den Demonstranten handelte es sich vor allem um Anhänger des vom Militär gestürzten islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi. Landesweit wurden nach offiziellen Angaben bei den Demonstrationen am Sonntag 150 Menschen festgenommen

Militär an der Macht

Bereits am Samstagabend hatte es im Zentrum von Kairo einen Protestmarsch linker Demonstranten gegeben, bei dem es ebenfalls zu Zusammenstößen mit der Polizei kam. Eine 34-jährige Demonstrantin sei durch Schrotkugeln getötet worden, teilte das Gesundheitsministerium mit.

Nach Angaben von Protestteilnehmern wurden die Kugeln von der Polizei abgefeuert, um die Menge auseinanderzutreiben. Den Demonstranten zufolge setzte die Polizei auch Tränengas ein und nahm den Chef der Partei Sozialistische Volksallianz sowie fünf junge Parteimitglieder fest.

Mit den Kundgebungen wurde an den Beginn der Revolte am 25. Januar 2011 erinnert. Der Aufstand führte im Februar 2011 zum Sturz des langjährigen Staatschefs Husni Mubarak. Das nordafrikanische Land kommt seitdem nicht zur Ruhe. Der Mitte 2012 erste frei gewählte Präsident Ägyptens, der Islamist Mohammed Mursi, wurde nach einem Jahr im Amt vom Militär gestürzt, das daraufhin die Macht übernahm.

Seitdem gehen die Behörden mit aller Härte gegen Anhänger der Mursi nahe stehenden islamistischen Muslimbruderschaft vor. Zudem greifen die Behörden verstärkt gegen linke und säkulare Oppositionelle durch, die zwar den Sturz Mursis guthießen, aber auch den Nachfolger Abdel Fattah al-Sisi kritisieren. Die Sicherheitskräfte hatten gewarnt, an dem Jahrestag gegen jeglichen Protest "entschlossen" vorzugehen.

Islamisten terrorisieren Polizei

In Kairo waren am Sonntag viele Straßen menschenleer, auf Hauptstraßen standen Polizisten mit Maschinenpistolen Wache. Der Tahrir-Platz wurde von gepanzerten Armeefahrzeugen abgeriegelt. Unweit davon konnten sich Anhänger von Präsident al-Sisi am Sonntagmorgen ungehindert versammeln. Sie hielten ägyptische Fahnen hoch und riefen "Es lebe Ägypten".

Islamistische Demonstranten steckten jedoch ein Wachhäuschen der Polizei in Brand. Bei der Explosion eines Sprengsatzes im Osten Kairos wurden nach Angaben des Innenministeriums zudem zwei Polizisten verletzt. Zu dem Anschlag bekannte sich die Dschihadistengruppe Adschnad Misr, die bereits am Freitag einen Anschlag auf die Polizei verübt hatte.

ivi/AFP / AFP