HOME

Region um Afrin: Türkei beginnt offenbar Militäroffensive in Nordsyrien

Das Militär der Türkei startete nach Medienberichten seinen Angriff auf die Kurdengebiete im Norden Syriens. Die Offensive könnte das Verhältnis zwischen Ankara, Washington und Moskau schwer belasten.

Die türkische Armee hat offenbar mit ihrer seit Tagen angekündigten Militäroffensive gegen kurdische Milizien in Nordsyrien begonnen.

Das meldet unter anderem die Nachrichtenagentur Reuters. Laut kurdischer Volksverteidgungseinheit sind in grenznahen Dörfern Dutzende Geschosse von türkischer Seite aus eingeschlagen. Der türkische Verteidgungsminister bestätigte nach Angaben von Reuters im Sender AHaber, dass der Beschuss der Beginn des Einsatzes sei. Die Soldaten hätten die Grenze zum Nachbarland jedoch noch nicht überschritten. "Alle Terror-Netzwerke und -Elemente in Nord-Syrien werden ausgelöscht. Es gibt keinen anderen Weg", zitiert die Agentur den Minister.

Berichte über Verletzte oder Tote nach den Angriffen liegen bislang nicht vor. Die Kurdenmiliz YPG hatte angekündigt im Falle eines türkischen Angriffs in der Region um die Großstadt Afrin erbitterten Widerstand zu leisten.

Türkei hatte mit Militäroffensive gedroht

Die Regierung in Ankara hatte in den vergangenen Tagen immer wieder mit einer Militäroperation im Norden Syriens gedroht und an der Grenze Panzer und Truppen zusammengezogen. Staatspräsident Erdogan sprach davon, die "südliche Grenze vom Terror säubern" zu wollen. Die Türkei sieht in der Miliz YPG den syrischen Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und bekämpft sie.

Komplex wird die Lage im türkisch-syrischen Grenzgebiet durch die Tatsache, dass die US-Regierung mit kurdischen Milizen zusammenarbeitet, um die Terroristen vom selbsternannten Islamischen Staat zurückzudrängen. Der Angriff der Türkei auf das Nachbarland dürfte die Beziehungen zwischen Washington und Ankara weiter belasten.

Auch die türkischen Zusammenarbeit mit Russland im syrischen Bürgerkrieg könnte durch die Konfrontation mit den Kurden gefährdert werden. Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu hat inzwischen anerkannt, dass es notwendig sei, sich mit Russland abzusprechen, um Zwischenfälle zwischen türkischen und russischen Kampfflugzeugen in der Region Afrin zu vermeiden.

Das Auswärtige Amt in Berlin rief die türkische Regierung laut Reuters zur politischen und militärischen Zurückhaltung auf.

wue/mit DPA- und AFP-Material