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Ärger wegen neuer Air Force One Was steckt hinter Trumps Drohungen gegen Boeing?

Air Force One
Air Force One: Die aktuellen 747 Präsidenten-Maschinen sind schon seit den frühen Neunzigerjahren im Einsatz 
© Picture Alliance
Donald Trump knöpft sich den Luftfahrtriesen Boeing vor: Der künftige US-Präsident fordert, die neue Air Force One abzubestellen. Der Preis sei zu hoch, die Kosten "außer Kontrolle". Doch womöglich steckt noch mehr hinter der Drohung.

Der US-Flugzeughersteller Boeing hat den Zuschlag für den Bau einer neuen US-Präsidentenmaschine erhalten - doch nun droht Donald Trump mit der Stornierung des Auftrags. "Boeing baut eine brandneue 747 Air Force One für künftige Präsidenten, aber die Kosten sind außer Kontrolle, mehr als vier Milliarden Dollar", twitterte der designierte US-Präsident am Dienstag. "Streicht die Order!". Beim Eintreffen im Trump Tower in New York sagte Trump Reportern: "Wir wollen, dass Boeing viel Geld verdient - aber nicht so viel Geld." Der Preis sei lächerlich.

Das Pentagon hatte Boeing im Januar mit dem Bau der neuen Air Force One beauftragt. Die neuen Jumbojets vom Typ 747-8 sollen die alternden 747-Jets ablösen. Diese wurden einst vom früheren US-Präsidenten Ronald Reagan bestellt und seit den frühen 1990er Jahren im Einsatz. Allerdings hatte der Airbus-Rivale zunächst nur einen Anfangsvertrag erhalten. Damit sollte ein Plan ausgearbeitet werden, der zeigt, wie die zwei Maschinen im vorgesehenen Kostenrahmen allen Anforderungen entsprechen können.

Boeing besorgt über Trumps Beziehungen zu China

Die Kritik an Boeing könnte noch einen anderen Hintergrund haben, als die angeblich horrenden Kosten der neuen Air Force One. Kurz vor dem Seitenhieb gegen den Flugzeugbauer veröffentlichte die US-Zeitung "Chicago Tribune" einen Artikel, der sich mit einem möglichen Konflikt zwischen Trumps künftigen Handlungen und Boeings Interessen auf dem chinesischen Markt beschäftigt. Darin werden besorgte Äußerungen des Boeing-Vorstandsvorsitzenden Dennis Muilenburg bezüglich der zukünftigen US-Wirtschaftspolitik zitiert. Der Autor des Artikels schrieb dazu: "Eine launische Trump-Regierung (…) dürfte die Staatskunst des Boeing-Chefs prüfen, vor allem in den Geschäften mit China." China ist für den US-Flugzeugbauer ein enorm wichtiger Absatzmarkt geworden.

Ärger wegen neuer Air Force One: Was steckt hinter Trumps Drohungen gegen Boeing?

Schon im Wahlkampf hatte Trump immer wieder gegen Chinas Finanzpolitik gepoltert. Unlängst brüskierte er die Regierung in Peking zusätzlich, als er durch ein Telefonat mit der taiwanesischen Präsidentin Tsai Ing-wen, eine Jahrzehnte alte diplomatische Regel in den Beziehungen zwischen China und den USA brach.

Ebenfalls am Morgen des Trump-Tweets gab es Berichte über eine mögliche Produktion von F-14- und F-16-Kampfjets in Indien, die 1000 Arbeitsplätze dorthin verlagern würde. Neben der Firma Lockheed Martin sei auch Boeing daran beteiligt.

Kaum Alternativen zu Boeing am Markt

Bei Boeing zeigte man sich ob der Trump-Kritik zunächst perplex und erbat sich Bedenkzeit. Später veröffentlichte der Konzern dann ein Statement, in der der bislang mit der Regierung vereinbarte Vertragswert für die Planung der neuen Air Force One mit 170 Millionen Dollar (159 Mio Euro) angegeben wird. Es gehe zunächst darum herauszufinden, wie die besten Flugzeuge für den Präsidenten und zugleich der beste Nutzen für die US-Steuerzahler erreicht werden könnten, heißt es in der Boeing-Mitteilung.

Es blieb zunächst unklar, auf welche Quellen sich Trumps Preisangabe bezieht. Die US-Regierung hatte den Finanzrahmen des Programms zur Entwicklung und zum Bau der neuen Maschinen mit bis zu drei Milliarden Dollar angegeben. Sollte der Kauf scheitern, so blieben kaum Alternativen. Nach Einschätzung von Marktbeobachtern käme für das komplexe Projekt sonst nur Airbus infrage, aber ein Auftrag von solchem nationalen Sicherheitsinteresse dürfte kaum an den europäischen Konkurrenten gehen. Ob Trump selbst die neuen Flugzeuge jemals nutzen können wird, ist ungewiss, da das Pentagon frühestens 2023 mit ihnen plant. Das wäre zum Ende einer zweiten Amtszeit als Präsident.

Privatjet statt Air Force One

Trump, der im Januar ins Weiße Haus einzieht, fliegt bislang mit einer eigenen Boeing vom Typ 757, auf der in großen Buchstaben sein Name steht. US-Medien spekulierten nach der Twitter-Attacke, dass der New Yorker Immobilienmogul es als Präsident vorziehen könnte, weiterhin seinen Privatjet zu nutzen. Dagegen dürften Geheimdienste und Verteidigungsministerium allerdings etwas haben. Die Präsidentenmaschinen stehen besonders im Fokus der nationalen Sicherheit und sollen mit modernsten Kommunikationstechnologien und Anti-Raketen-Vorrichtungen ausgerüstet werden.

Vor dem für einen designierten US-Präsidenten äußerst ungewöhnlichen Angriff auf Boeing hatte Trump sich bereits andere US-Konzerne vorgeknöpft. Mit dem Klimaanlagenhersteller Carrier machte er nach andauernder Kritik einen Deal, im Gegenzug für Steuernachlässe auf die Verlagerung von Jobs nach Mexiko zu verzichten. Später drohte Trump Unternehmen generell, es werde nicht ohne "Konsequenzen" bleiben, die USA zu verlassen. Den Autobauer Ford will Trump überzeugt haben, ein Werk in den USA zu belassen. Das Unternehmen hatte jedoch nie Pläne für eine Verlagerung ins Ausland angekündigt.

amt DPA AFP

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