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Grenze zu Mexiko: Alexandria Ocasio-Cortez besucht mit Delegation Flüchtlingslager: Frauen sollen aus Toilette trinken

Nach ihrer massiven Kritik an den US-Flüchtlingslagern an der Grenze zu Mexiko hat US-Demokratin Alexandria Ocasio-Cortez mit Parteikollegen die Camps besucht. Was sie zu sehen bekam, hat die Delegation fassungslos und wütend gemacht.

Video: US-Abgeordnete kritisiert: Illegale Migranten müssen aus Toiletten trinken

Der Vergleich der US-amerikanischen Flüchtlingslager an der Grenze zwischen den USA und Mexiko mit den Konzentrationslagern der Nazis hat der jungen US-Demokratin Alexandria Ocasio-Cortez massive Kritik eingebracht. Ein 93-jähriger Holocaust-Überlebender, der die 29-Jährige zu einem Besuch der Gedenkstätte des KZ Auschwitz einlud, forderte in US-Medien, AOC - wie sie auch kurz genannt wird - sollte aus dem Kongress entfernt werden, da sie "Anti-Semitismus, Hass und Dummheiten" verbreite. Doch die Neu-Abgeordnete bleibt bei ihrer Auffassung. Erst recht, nachdem sie am Montag (Orstzeit) mit einer Delegation der Demokraten ein Auffanglager in Texas besucht hat. Nicht nur Ocasio-Cortez zeigte sich danach entsetzt über die Zustände.

"Wenn du Wasser willst, dann trink doch aus der Toilette." Das habe ein Wachmann an der Grenze einer durstigen Frau gesagt, die die demokratische Delegation während ihres Besuchs getroffen hatte, twitterte die kalifornische Abgeordnete Judy Chu. Das sei dasselbe Wachpersonal, das gewählten Mitgliedern des Kongresses angedroht habe, sie mit Burritos zu bewerfen. Chu spielte damit auf einen Bericht von "ProPublica" an, demzufolge Grenzbeamte in einer geheimen Facebook-Gruppe entsprechend gedroht, Witze über den Tod von Migranten und geschmacklose Bildmontagen gepostet hätten, die Ocasio-Cortez beim Oralsex in einem der Lager zeigen sollen.

Ocasio-Cortez kommentierte gegenüber Reportern wutentbrannt die Aufforderung, aus der Toilette zu trinken: "Das haben die gesagt, obwohl sie wussten, dass Kongress-Abgeordnete da sind. Das halten die also für ein vorzeigbares Verhalten!" Ihre Beschwerde bei den Vorgesetzten sei aber auf taube Ohren gestoßen, twitterte die Demokratin. Auch, was das aggressive und sexuell provozierende Verhalten ihr gegenüber betreffe. Die Wachleute stünden unter Stress und würden daher manchmal überreagieren, habe es geheißen, so die Politikerin. Rechenschaft müssten diese nicht ablegen. "Ich habe jetzt das Innere dieser Einrichtung gesehen", bilanzierte AOC in einem weiteren Tweet - wohl nicht zuletzt in Richtung ihrer Kritiker.

Alexandria Ocasio-Cortez: "Kein Kind sollte zum Wohl eines anderen leiden"

In einem Statement vor Journalisten fasste die Kongress-Abgeordnete ihre Eindrücke vom Besuch zusammen: "Was wir heute gesehen haben, war unzumutbar. Kein Kind sollte jemals von seinen Eltern getrennt werden. Kein Kind sollte jemals von seiner Familie getrennt werden. Keine Frau sollte jemals eingepfercht werden, wenn sie keinem anderen menschlichen Wesen ein Leid zugefügt hat. Sie sollten Wasser bekommen und ihnen sollten die grundlegenden Menschenrechte gewährt werden. Und der Gedanke, dass wir zwischen Menschen wählen müssten, ist eine falsche Vorstellung. Kein Kind sollte jemals zum Wohl eines anderen leiden. Diese Argumentation werde ich niemals akzeptieren."

Der texanische Abgeordnete Joaquin Castro berichtete ebenfalls via Twitter von seinen Eindrücken - vor allem aus dem Flüchtlingslager von El Paso. "Viele [Frauen] berichteten, sie hätten sich seit 15 Tagen nicht waschen können. Einige wurden von ihren Kindern getrennt, manche wurden schon seit 50 Tagen festgehalten. Andere beschwerten sich, sie hätten keine Medizin bekommen, auch nicht gegen Epilepsie", berichtete er. In einer Zelle seien Kubanerinnen festgehalten worden, einige davon Großmütter, - mit einer Stahl-Toilette, aber ohne fließendes Wasser, um zu trinken oder sich wenigstens die Haare zu waschen. "Unser Grenzschutzsystem ist kaputt", resümierte Castro, "und ein Grund dafür, dass es so kaputt bleibt, ist, dass es geheim gehalten wird. Das amerikanische Volk muss sehen, was hier in seinem Namen geschieht."

Die Visite der Demokraten in den Auffanglagern fand vor dem Hintergrund statt, dass US-Präsident Donald Trump ein Gesetz unterzeichnet hat, das 4,6 Milliarden US-Dollar (4,04 Milliarden Euro) für die Bekämpfung der humanitären Krise an der Grenze zu Mexiko bereitstellt. Bei der Unterzeichnung im Weißen Haus sagte Trump am Montag, nun müssten Demokraten und Republikaner im Kongress sich auf ein Gesetz zur Grenzsicherung einigen, "und wir können das Problem an unserer Grenze ganz lösen". Die Zahl der illegalen Grenzübertritte sei in der vergangenen Woche gesunken. Trump dankte Mexiko dafür. Mexiko hat Tausende Soldaten an die Grenzen zu Guatemala und zu den USA geschickt.

Nach dem republikanisch dominierten Senat hatte am vergangenen Donnerstag auch das mehrheitlich demokratische Repräsentantenhaus das Paket mit den Milliardenhilfen verabschiedet. Die Entwicklung gilt als Niederlage für die demokratische Vorsitzende des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi. Sie wollte der Regierung eigentlich strengere Auflagen bei der Unterbringung von Migrantenkindern auferlegen, konnte sich dabei aber nicht gegen die Republikaner und einige Mitglieder ihrer eigenen Partei durchsetzen. 

Alexandria Ocasio-Cortez spricht bei einer Veranstaltung des "National Action Network", eine Bürgerrechtsorganisation.

Quellen: Alexandria Ocasio-Cortez, Judy Chu, Joaquin Castro"The Hill", "NowThisNews", "Pro Publica", DPA