Alliierte Keine Hoffnung auf baldiges Kriegsende


Die Alliierten scheinen sich mit einer langen Kriegsdauer abgefunden zu haben. Weitere 100.000 US-Soldaten sollen den Marschbefehl in die Golfregion erhalten haben.

Ohne Hoffnung auf ein rasches Ende ist der Irak-Krieg in die zweite Woche gegangen. US-Präsident George W. Bush antwortete nach einem Treffen mit dem britischen Premierminister Tony Blair ausweichend auf die Frage nach der Dauer des Krieges: "Das ist keine Frage des Zeitplans, es ist eine Frage des Sieges. Wir haben nur ein Ziel im Sinn: den Sieg."

100 000 zusätzliche Soldaten

Die USA wollen im April über 100 000 zusätzliche Soldaten auf irakischem Boden einsetzen. Das berichteten US-Medien am Donnerstag unter Berufung auf Pentagon- Beamte. Eine offizielle Bestätigung des Verteidigungsministeriums gab es aber zunächst nicht. Bereits am Mittwoch war bekannt geworden, dass weitere 30.000 Soldaten ihren Marschbefehl erhalten haben, darunter die wegen ihrer High-Tech-Ausrüstung berühmte 4. Infanteriedivision aus Fort Hood (Texas).

Sie sollte ursprünglich von der Türkei aus in den Norden Iraks einmarschieren, blieb dann aber daheim, da die Türkei sich nicht als Aufmarschgebiet zur Verfügung gestellt hatte. Die Infanteristen sollen nun nach Kuwait geflogen werden.

Den Medienberichten zufolge gehören zu den für April geplanten Verstärkungen auch die in Bad Kreuznach (Rheinland-Pfalz) stationierte 1. Panzerdivision. Außerdem sollten Kavallerieeinheiten aus den USA in die Kriegsregion geschickt werden. Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hatte in den vergangenen Tagen wiederholt erklärt, etwaige Verstärkungen seien von vornherein im Kriegsplan vorgesehen gewesen und bedeuteten kein «neues Element».

Nordfront im Kurdengebiet

Im kurdischen Norden Iraks eröffneten Fallschirmjäger am Donnerstag eine weitere Front. Rund 1.000 Soldaten der 173. Luftlandebrigade sprangen auf ein Flugfeld bei Baschur ab, 50 Kilometer nordöstlich der Stadt Erbil. Abgesichert wurde ihr Einsatz von Luftangriffen auf irakische Stellungen. Die Soldaten richteten einen Stützpunkt ein, um den Nachschub von weiteren Soldaten und Material vorzubereiten.

Mehrere Tote bei Luftangriffen

Bei Luftangriffen auf den Großraum Bagdad kamen nach Berichten von Augenzeugen erneut mehrere Menschen ums Leben. Im Süden der irakischen Hauptstadt wurde demnach ein Wohnblock von Angestellten der Behörde für Rüstungsindustrie getroffen. Auch im Stadtzentrum war eine schwere Explosion zu hören, nachdem am Vortag 14 Menschen bei einem Luftangriff ums Leben gekommen waren. Die US-Streitkräfte wiesen die Verantwortung dafür zurück und erklärten, der Vorfall müsse sorgfältig geprüft werden.

Angeblich 350 tote Zivilisten

Die irakische Regierung warf den Alliierten vor, wahllos zivile Ziele anzugreifen und dabei auch Streubomben einzusetzen. Seit Beginn des Krieges hätten in der Zivilbevölkerung landesweit 350 Menschen ihr Leben verloren, mehr als 3.650 seien verletzt worden, sagte Gesundheitsminister Omid Medhat Mubarak in Bagdad.

Gefechte nahe Nassirijah

Die vordersten Einheiten der US-Truppen lieferten sich am Donnerstag Gefechte mit irakischen Kräften außerhalb der Stadt Kerbela, 80 Kilometer südwestlich von Bagdad. Bei Kämpfen nahe der südirakischen Stadt Nassirijah werden nach US-Angaben zwölf Soldaten vermisst. Weitere 14 seien in den vergangenen 24 Stunden bei Kämpfen mit Einheiten der irakischen Armee verwundet worden, berichtete der US-Sender CNN am Freitag unter Berufung auf US-Militärsprecher. Nördlich von Nasirija habe es in der Nacht schwere Luftangriffe und Artilleriefeuer auf irakische Stellungen gegeben, berichtete ein dpa-Fotograf, der das 3. Leichtgepanzerte Aufklärungsbataillon der US-Marineinfanterie begleitet. Auf US-Seite habe es Verluste gegeben.

Rumsfeld hofft auf Aufstand in Basra

Bei Basra, im äußersten Süden des Landes, zerstörten Flugzeuge und Artilleriestellungen der Alliierten 14 irakische Panzer, die über Nacht einen Ausbruchsversuch aus der seit einer Woche belagerten Stadt unternahmen. Die Lage für die 1,3 Millionen Einwohner blieb weiter kritisch. Etwa 2000 Zivilisten hätten versucht, aus der belagerten Stadt zu fliehen, berichtete das BBC-Fernsehen unter Berufung auf britische Militärquellen bei Basra. Sie seien von irakischen Soldaten beschossen worden. Die britischen Streitkräfte hätten daraufhin das Feuer erwidert. US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld äußerte in einer Anhörung vor dem Washingtoner Senat die Hoffnung auf einen groß angelegten Aufstand schiitischer Regimegegner in Basra.

Britischer Oberst: Basra noch nicht unter Kontrolle

"Basra ist ganz klar nicht im entferntesten in unserer Hand", sagte der britische Oberst Chris Vernon dem Nachrichtensender Sky News. Es sei darum zurzeit unmöglich, die Stadt mit Hilfsmitteln zu versorgen.

Der "Schlüssel" zur Stadt sei es, die Baath-Partei und die unter ihrer Kontrolle operierenden irregulären Kämpfer "auszuradieren". Das Rote Kreuz und andere Hilfsorganisationen befürchten eine humanitäre Katastrophe in Basra, wenn dort nicht so schnell wie möglich die Versorgung der Einwohner mit Wasser und Lebensmitteln sichergestellt wird.

Der irakische Informationsminister Mohammed Sajjid el Sahhaf sagte, allein in Basra seien seit Beginn der Militäroffensive 659 Zivilisten verletzt und 116 getötet worden.

Ein britischer Militärsprecher sagte dem amerikanischen Fernsehsender CNN, dass an diesem Freitag ein erstes Schiff mit Hilfslieferungen in der von alliierten Truppen eingenommenen südirakische Hafenstadt Umm Kasr eintreffen werde. Die Ankunft hatte sich verzögert, weil Seeminen gefunden worden waren.

Das irakische Fernsehen berichtete am Abend, Staatschef Saddam Hussein sei mit Vertretern seiner Baath-Partei, Beratern und seinem Sohn Kusai zusammengetroffen. Dabei habe er die irakischen Streitkräfte aufgerufen, die "Erschöpfung" der alliierten Soldaten auszunutzen.

Unterdessen hat der irakische Verteidigungsminister General Sultan Haschim Ahmed hat den Invasionstruppen einen blutigen Straßenkampf zur Verteidigung der Hauptstadt Bagdad angekündigt. «Bagdad wird uneinnehmbar für den Feind sein», sagte der Minister am Donnerstag in der Hauptstadt vor Journalisten. Er machte deutlich, dass den Elitetruppen der Republikanischen Garde dabei eine besondere Rolle zukommen werde.

Angreifer "müssen den Preis zahlen"

Der Verteidigungsminister erklärte: «Ich wäre nicht überrascht, wenn der Feind in fünf bis zehn Tagen Bagdad teilweise eingekreist hätte.» Die Angreifer hätten die Kapazitäten dazu, nicht aber zum Einmarsch in die Stadt selbst. Für die irakischen Truppen gehe es darum, den Angreifern möglichst hohe Verluste zuzufügen, «damit diese den Preis zahlen müssen».

"Schwere Verluste"

Nach Angaben des Ministers ist der Vormarsch der amerikanisch-britischen Truppen etwa 140 Kilometer vor Bagdad zunächst gestoppt. Die Soldaten der Koalition seien auf dem Weg Richtung Norden nicht über die Ortschaft El Hajj nördlich von Nasirija hinausgekommen. Auch im Städte-Dreieck Kerbela, El Hilla und Nadschaf seien diese nicht vorangekommen. «Der Feind hat an allen Verteidigungsabschnitten schwere Verluste erlitten», sagte der Minister. Die Angreifer versuchten weiter, alle Städte zu umgehen.

Langer Krieg erwartet

Der Minister äußerte sich überzeugt, dass im Irak ein langer Krieg bevorstehe. «Unsere Politik ist es, den Feind bis zum Ende und überall zu bekämpfen», sagte er. «Wenn die Schlacht nicht binnen zehn Tagen entschieden wird, kann sie in zwei Monaten entschieden werden», sagte der Militärchef.


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