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Brennende Botschaften: UN verurteilt Übergriffe in Belgrad

Im serbischen Belgrad sind die Proteste gegen die Unabhängigkeit des Kosovo eskaliert: Demonstranten haben die dortige US-Botschaft angezündet. Auch die Vertretungen von Deutschland, Großbritannien und Kroatien wurden angegriffen. Der UN-Sicherheitsrat verurteilte die Übergriffe.

Am Rande der Großdemonstration gegen die Unabhängigkeit des Kosovos in der serbischen Hauptstadt Belgrad ist es zu schweren Ausschreitungen gekommen. Mehrere tausend Randalierer steckten die US-Botschaft in Brand, demolierten die kroatische Vertretung und beschädigten die Gebäude der Botschaften von Großbritannien und der Türkei. 150 Menschen wurden bei Zusammenstößen zwischen der Polizei und Demonstranten verletzt.

Auch die deutsche diplomatische Vertretung wurde angegriffen. Fensterscheiben gingen zu Bruch, berichteten Augenzeugen. Eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes in Berlin bestätigte, dass Sachschaden entstand. Es seien aber keine Demonstranten in das Gebäude eingedrungen. Die Vertretungen von Großbritannien und Kroatien wurden ebenfalls angegriffen. Örtliche Medien sprachen zudem von den Vertretungen Bosniens und der Türkei als Ziel von Protesten. Auch ausländische Banken und Filialen von McDonald's sollen betroffen gewesen sein.

Nach den gewalttätigen Ausschreitungen ist in der Belgrader US-Botschaft eine verkohlte Leiche in dem Gebäude gefunden worden. Es handelte sich vermutlich um einen Demonstranten, sagte der Sprecher der US-Botschaft, William Wanlund, dem Fernsehsender CNN. Er sei vermutlich in ein von Randalierern gelegtes Feuer geraten, sagte Wanlund weiter. Das State Department in Washington bestätigte den Fund der Leiche. Laut serbischen Medien war die Leiche so stark verbrannt, dass eine Identifizierung nicht möglich sei. Nach US-Angaben war das gesamte US-Personal der Botschaft in Sicherheit.

UN verurteilt Übergriffe

Der UN-Sicherheitsrat in New York kam noch am Abend zusammen und verurteilte die Übergriffe. Diplomatische Vertretungen seien internationalen Vereinbarungen zufolge unantastbar, hieß es. Die Bemühungen serbischer Sicherheitskräfte zur Wiederherstellung der Ordnung würden allerdings gewürdigt.

Serbiens Außenminister Jeremic sagte, die Übergriffe seien bedauerlich. "Sie schädigen das Ansehen Serbiens im Ausland, sie spiegeln nicht das kollektive Gefühl des serbischen Volkes wider." Es habe sich offensichtlich um "organisierte Gruppen von Vandalen" gehandelt. Allerdings stehe Serbien derzeit unter Spannung. "Die Atmosphäre ist kurz vor dem Überkochen." Das Volk sei mit dem Verlust einer Provinz konfrontiert, die es als Wiege der Nation ansehe.

Brennende Müllcontainer

Die meist jugendlichen Gewalttäter raubten zwei ausländische Bankfilialen aus und plünderten ein Kaufhaus. Im gesamten Zentrum brannten Müllcontainer, zahlreiche Kioske wurden kurz und klein geschlagen. Wenigstens zwei Dutzend Autos brannten ebenso wie eine Straßenbahn und fünf Linienbusse. Der öffentliche Nahverkehr wurde eingestellt. In dutzenden Geschäften wurden die Schaufenster eingeschlagen und Waren gestohlen. Spezialeinheiten der Polizei waren erst mit Verzögerung angerückt. Sie drängten die Randalierer mit massivem Einsatz von Tränengas in die Seitenstraßen ab.

Deutschland dringt derweil auf einen raschen Aufbau von Streitkräften im Kosovo. Verteidigungsminister Franz Josef Jung sagte bei einem Treffen mit seinen EU-Kollegen im slowenischen Brdo: "Das heißt, dass dann das Kosovo selbst in der Lage ist, für seine Sicherheit zu sorgen." Deutschland werde beim Aufbau der sogenannten Kosovo Security Force gemeinsam mit den Nato-Partnern helfen. "Da sind wir in der Abstimmung." Ernste Sicherheitsprobleme sieht der Minister in der ehemals serbischen Provinz nicht. "Insbesondere durch die Unterstützung der KFOR hat man die Lage im Griff." Jung war zuvor in der Kosovo-Hauptstadt Pristina mit der Führung des Landes zusammengekommen.

"Wir brauchen den Kfor-Einsatz"

Derzeit sei es unabdingbar, dass die 16.000 Mann starke von der Nato geführte Kfor-Truppe in dem Land bleibe. "Kfor hat für Stabilität gesorgt", sagte Jung. "Wir brauchen weiterhin den Einsatz von Kfor. Ich kann jetzt nicht sagen, dass es eine besondere Bedrohungslage gibt."

Nach den Übergriffen gegen die US-Botschaft in Belgrad forderte Washington die serbischen Behörden auf, die diplomatische Vertretung zu schützen. Die US-Regierung sei mit den entsprechenden Stellen im Kontakt, damit Serbien seine internationalen Verpflichtungen erfülle, sagte der Sprecher des US- Außenministeriums, Sean McCormack. Die USA waren unter den ersten Ländern, die die Unabhängigkeit des Kosovos anerkannten.

Am späten Nachmittag hatten rund 200.000 Serben im Zentrum Belgrads friedlich gegen die Unabhängigkeit des Kosovos demonstriert. Die meisten Teilnehmer an dem Protest vor dem serbischen Parlament waren Schüler und Studenten, die ebenso wie viele Beschäftigte extra für diese Demonstration einen freien Tag bekommen hatten. "Es gibt keine Macht, keine Drohung und keine Strafe", die Serbien zur Aufgabe seiner ehemaligen Provinz bringen könnte, sagte der serbische Regierungschef Vojislav Kostunica. Er beschuldigte die USA und Europa, sie wollten Serbien zwingen, "seine eigene Erniedrigung zu unterschreiben". In Mitrovica im Norden des Kosovos demonstrierten ebenfalls mehrere tausend Serben.

DPA/Reuters / DPA / Reuters