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Bürgerkrieg in Syrien: Ahmadinedschad sieht noch Chancen auf Frieden

Er gilt nicht gerade als geschickter Diplomat, dennoch hofft Irans Präsident Ahmadinedschad, dass das Syrien-Treffen in Teheran den Bürgerkrieg beenden kann. Derweil eskaliert die Schlacht um Aleppo.

Der Bürgerkrieg in Syrien tobt immer heftiger, in der Metropole Aleppo läuft eine blutige Offensive des Assad-Regimes, doch Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad sieht noch Chancen für einen Frieden. Er hoffe, dass sowohl das Syrien-Treffen an diesem Donnerstag in Teheran als auch das islamische Gipfeltreffen nächste Woche in der saudischen Stadt Mekka eine Chance seien, "doch noch eine friedliche und interne Lösung für Syrien zu finden", zitierte die Nachrichtenagentur Isna am Mittwochabend den Präsidenten. Zu dem Treffen in Teheran sind nach Angaben der iranischen Regierung mehrere Außenminister der Region und auch darüber hinaus vertreten, "die bezüglich Syrien eine realistische Einstellung haben".

"Militärische Konfrontationen im Syrien-Konflikt machen die Lage jeden Tag nur komplizierter", sagte Ahmadinedschad, dessen Land hinter dem Regime in Damaskus steht. Wenn alle daran arbeiteten, dass sich Regierung und Opposition in Syrien an einen Tisch setzen, könne es zu Frieden und einem Ergebnis zugunsten des syrischen Volkes kommen.

Ahmadinedschad warnte die Führer in Saudi-Arabien, die die bewaffneten Aufständischen in Syrien unterstützen, vor einer Dominanz der USA. "Weil sie die Macht der islamischen Länder verhindern wollen, beinhaltet der neue Plan der Amerikaner im Nahen Osten politische Veränderung in vielen Ländern, darunter auch in Saudi-Arabien."

"Entscheidungsschlacht um Aleppo hat begonnen"

In der seit Wochen umkämpften Geschäfts- und Handelsmetropole Aleppo haben die Truppen von Machthaber Baschar al-Assad unterdessen eine neue und möglicherweise entscheidende Großoffensive gestartet. "Die Entscheidungsschlacht um Aleppo hat begonnen", sagte Abu Omar al-Halebi, ein Kommandeur der Aufständischen, am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur (DPA) am Telefon.

Über die Lage in der Stadt gibt es widersprüchliche Berichte: Das syrische Staatsfernsehen meldete, die Armee habe bedeutende Geländegewinne gemacht und das strategisch wichtige Viertel Salaheddin unter ihre Kontrolle gebracht. "Unsere Streitkräfte haben den Terrorgruppen schwere Verluste zugefügt", zitierte die amtliche Nachrichtenagentur Sana einen Armeevertreter. Ein Angehöriger der Sicherheitskräfte in Damaskus erklärte, nachdem der Armee die Einnahme der beiden Hauptstraßen gelungen sei, sei das restliche Verteidigungssystem der Rebellen unerwartet schnell zusammengebrochen.

"Jede Minute schlagen Dutzende Granaten ein"

Die Aufständischen dementierten umgehend. Es habe "barbarische und wilde Angriffe" gegeben, die Armee habe aber nicht die volle Kontrolle errungen, sagte ein Offizier der oppositionellen Freien Syrischen Armee (FSA). Nachdem sie Verstärkung durch 700 Kämpfer aus angrenzenden Vierteln erhalten hätten, sei es ihnen gelungen, drei der fünf Straßenzüge zurückzuerobern, die sie an die Armee verloren hatten.

Die Regimetruppen hatten in den vergangenen Tagen eine Vielzahl von Soldaten vor Aleppo zusammengezogen und zusätzliche Artilleriewaffen in Stellung gebracht. Nach Angaben von Aktivisten in Aleppo prasselten Granaten wie Regen auf Gebiete unter der Kontrolle der Aufständischen. "Jede Minute schlagen Dutzende Granaten ein und das grollende Geräusch der Panzer hallt durch die ganze Stadt", sagte ein syrischer Aktivist.

Satellitenbilder zeigen 600 Einschlagkrater

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International kritisierte den Einsatz schwerer Waffen in den Wohngebieten von Aleppo. Die Organisation veröffentlichte Satellitenbilder aus der nordsyrischen Metropole, die 600 Einschlagkrater zeigen, die von schwerkalibrigen Artilleriegranaten stammen. Amnesty werde auch künftig alle Angriffe auf die Bevölkerung genauestens dokumentieren, sagte der Amnesty-Experte Christoph Koettl. "So können die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden."

Die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth, die am Mittwoch ein Flüchtlingslager in der türkischen Grenzprovinz Hatay besuchte, warnte vor einer weiteren Verschärfung des Syrienkonflikts entlang religiöser Linien. Es sei ganz offensichtlich, dass der Konflikt auf dem Weg zu einem Stellvertreterkrieg sei. "Es droht, dass es zu einer Ethnisierung kommt, zu einer Eskalation entlang der Religionen", warnte sie.

Roth forderte zugleich mehr internationale Hilfe für syrische Flüchtlinge. Nach Angaben syrischer Aktivisten sind inzwischen etwa 250.000 Syrer ins Ausland geflüchtet, etwa eine Million Menschen seien Binnenvertriebene des Bürgerkrieges. In der Türkei haben derzeit knapp 50.000 Menschen Unterschlupf gefunden.

mad/DPA/AFP / DPA