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Bürgerkrieg in Syrien: Aleppo erlebt heftige Gefechte

18 Monate nach dem Beginn des Aufstandes gegen das syrische Regime erreichen die Kämpfe um Aleppo einen blutigen Höhepunkt. China und Russland blockieren weiterhin eine UN-Resolution.

Der Kampf um die strategisch wichtige Metropole Aleppo im Nordwesten Syriens könnte in die entscheidende Phase getreten sein: Nach der Ankündigung eines Großangriffs der syrischen Rebellen tobten in der Stadt am Freitag laut Aktivisten und Einwohnern bislang beispiellose Kämpfe. Die Vereinten Nationen und die Arabische Liga warnten vor einem Flächenbrand.

Die Truppen von Machthaber Baschar al Assad gingen in mehreren anderen Provinzen am Freitag mit Artillerie und Milizen gegen die Aufständischen vor. Am Vormittag zählten Aktivisten bereits 41 Tote.

Sie meldeten, in der Stadt Deir as-Saur seien am frühen Morgen 19 Männer von Angehörigen der Schabiha-Miliz öffentlich hingerichtet worden. Soldaten der Armee hätten dabei zugesehen. Unter den Opfern sei der junge Ingenieur Mohammed Fajad al-Askar, der zu den Koordinatoren des zivilen Widerstandes in der Stadt gehört habe. Am Vortag sollen landesweit etwa 160 Menschen ums Leben gekommen sein.

UN rechnet mit 700.000 Flüchtlingen

Nach dem Beginn einer Offensive der Rebellen am Donnerstag hätten zunächst nur "in einer oder zwei Straßen eines Stadtviertels" Gefechte stattgefunden, sagte Rami Abdel Rahman, Leiter der in London ansässigen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, der Nachrichtenagentur AFP. Am Freitag habe es dann aber Kämpfe "an mehreren Fronten" gegeben, die in dem bisherigen Konflikt "beispiellos" seien. Auch Einwohner Aleppos berichteten von heftigen Gefechten. Sie sagten ebenfalls, deren Härte sei bisher "ohne Beispiel".

Nach Angaben eines desertierten Offiziers waren auf Seiten der Rebellen "tausende" Kämpfer im Einsatz. Seit dem Beginn des Aufstands gegen Assad Mitte März 2011 wurden in dem Land nach Angaben der Beobachtungsstelle fast 30.000 Menschen getötet, die meisten von ihnen Zivilisten. Die UNO rechnet bis zum Jahresende mit mehr als 700.000 syrischen Flüchtlingen in den Nachbarstaaten des Landes.

Russland und China stützen weiterhin das Regime

Die Regierungstruppen Assads griffen laut der Beobachtungsstelle am Freitag ihrerseits Rebellen-Stützpunkte in der Hauptstadt Damaskus an. Demnach wurden zahlreiche Häuser zerstört, viele Menschen festgenommen und Straßen abgeriegelt. Auch Vertreter der syrische Aufständischen berichteten von einer "großangelegten Offensive der Sicherheitskräfte und des Militärs" in Damaskus. Das Militär habe unter anderem mit Panzern in von Rebellen gehaltenen Vierteln "die Einwohner terrorisiert".

Die UNO und die Arabische Liga warnten vor einer Ausweitung des Bürgerkriegs in Syrien auf die Region. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon, der Syrien-Sondergesandte Lakhdar Brahimi und der Generalsekretär der Arabischen Liga, Nabil al Arabi, berieten am Rande der UN-Generaldebatte in New York über die "fürchterliche Gewalt" in Syrien, wie ein Sprecher Bans mitteilte. Die drei Spitzendiplomaten drückten den Angaben zufolge die Befürchtung aus, dass sich Syrien zu einem "regionalen Schlachtfeld" entwickeln könnte.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) traf am Rande der UN-Debatte mit dem Vorsitzenden des oppositionellen Syrischen Nationalrats (SNC), Abdel Basset Sajda, und weiteren SNC-Vertretern zusammen. Westerwelle verlangte, dass sich die verschiedenen Strömungen der Opposition zusammenschließen und "eine gemeinsame Sprache und Agenda finden" müssten. Der Außenminister sagte der syrischen Opposition zudem weitere Unterstützung aus Deutschland zu.

Der UN-Menschenrechtsrat verlängerte und erweiterte am Freitag das Mandat der Untersuchungskommission für Syrien. Von den 47 Mitgliedsstaaten stimmten in Genf 41 für einen entsprechenden Antrag. Dagegen stimmten unter anderem Russland und China, die Assad zur Seite stehen. Die Kommission untersucht seit mehr als einem Jahr mögliche Menschenrechtsverstöße in Syrien. Die Ermittler, die nicht in das Land einreisen dürfen, fanden nach eigenen Angaben bei Befragungen in den Nachbarländern Beweise für Kriegsverbrechen.

ono/AFP/DPA / DPA