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Neuer Hofnarr im Kreml? Master of Desaster wieder im Schlamassel – wie ein kleines Detail den großen Auftritt von Dmitri Medwedew ruinierte

Bei einem Besuch einer Militärgarnison wollte sich Dmitri Medwedew in große Szene setzten.
Bei einem Besuch einer Militärgarnison wollte sich Dmitri Medwedew in große Szene setzten. Doch ein kleines Detail in diesem Bild vermasselte ihm den Auftritt. 
© Yekaterina Shtukina / Picture Alliance
Als Wladimir Putin jemanden brauchte, der seinen Präsidentensessel für ihn warmhält, fiel seine Wahl auf Dmitri Medwedew. 14 Jahre später könnte er eine ganz andere Aufgabe für ihn gefunden haben. 

Einst war Dmitri Medwedew die Hoffnung der Liberalen Russlands. Heute ist der ehemalige Interimspräsident der heißeste Kandidat auf die vakante Stelle des Hofnarren im Kreml. Seit dem Tod des Ultranationalisten Wladimir Schirinowski im vergangenen April ist diese Position nicht besetzt – und Medwedew ist scheinbar nichts zu abstrus oder ekelig, um in die abnorm großen Fußstapfen des berüchtigten Polit-Clowns zu treten. 

Die Auftritte von Medwedew auf Telegram und dem russischen sozialen Netzwerk Vkontakte sind zum Manifest seines imperialistischen Wahnsinns geworden. Seit 2020 sitzt er auf dem bis dahin nicht existierenden Posten des "stellvertretenden Vorsitzenden des Sicherheitsrats" und macht von sich nur noch mit abstrusen Statements reden. 

Den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selensyj beschimpfte Medwedew zuletzt als Hitler. Bundeskanzler Olaf Scholz verspottet er als "Leberwurst-Fan". Im Juni erklärte er seine Hasstiraden mit den folgenden Worten: "Ich werde oft gefragt, warum meine Telegram-Posts so hart sind. Ich antworte: Ich hasse sie. Sie sind Bastarde und Abschaum. Sie wollen unseren Tod, den Tod Russlands. Und solange ich am Leben bin, werde ich alles tun, damit sie verschwinden." Gemeint sind die westliche Welt und ihre Vertreter.

Aus dem "Erbärmlichen" wird der "Schreckliche"

Doch egal, wie blutrünstig Medwedew sich gibt, es findet sich so gar niemand mehr, der Medwedew noch ernst nehmen möchte. Sein alter Spitzname der "Erbärmliche" wurde kurzerhand ins sarkastische der "Schreckliche" umgemünzt. 

Sein neuester Auftritt wird Medwedew aus diesem Image-Loch auch nicht helfen. Ganz in der Manier seines Chefs Wladimir Putin wollte sich auch Medwedew in Militäruniform als harter Kerl in Szene setzen. Am 5. August stattete er einer Militärgarnison in der Region Orenburg einen Besuch ab. Im Auftrag des Präsidenten der Russischen Föderation habe sich der ehemalige Premier mit der Ausbildung der russischen Streitkräfte vertraut gemacht, ließ der Sicherheitsrates der Russischen Föderation verlauten. Medwedews Visite im Grenzgebiet zu Kasachstan wäre aber trotz der großspurigen Pressemitteilung unbemerkt geblieben – wäre da nicht ein Foto entstanden, das so bezeichnend für die stümperhafte Arbeit der Kreml-Propagandisten ist. 

Auf der Aufnahme blickt Medwedew durch ein Fernglas in die Ferne. Große Pose für einen großen Mann. So die Idee. Nur dass Medwedew nicht besonders weit sehen konnte. Denn vor den Linsen baumelten direkt die Schutzabdeckungen.

Dmitri Medwedew als Nachfolger Schirinowskis? 

Nicht besonders weitsichtig in Richtung Kasachstan zeigte sich Medwedew auch in einem weiteren seiner bizarren Statements in seinen sozialen Netzwerken. Kasachstan sei ein "künstlicher Staat" und "ehemaliges russisches Gebiet", schrieb Medwedew. In dem skandalösen Post beschuldigte er die kasachischen Behörden des "Völkermords an Russen" und versprach, die "verlorenen Gebiete" wiederzuerlangen. Neben Kasachstan gelte das auch für Georgien. 

Gerade mal zehn Minuten war der Beitrag online. Dann hieß es, der Account von Medwedew sei gehackt worden und der Post stamme gar nicht von ihm selbst. Nicht das erste Mal, dass diese Ausrede zum Einsatz kommt. Und doch lässt der Inhalt aufhorchen: Hat Medwedew den Posten des Hofnarren vielleicht schon inne? Schirinowski spielte bis zu seinem Tod mehr als 20 Jahre lang diese Rolle für Putin – und sprach das aus, was für den Kreml zu heiß war. Als Stimmungstest. 

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