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Regimekritischer Journalist: Wer soll für den Khashoggi-Mord belangt werden? Trump hat da eine skurrile Idee

Im Fall des ermordeten saudischen Journalisten Jamals Khashoggi führen immer mehr Spuren zum saudischen Kronprinzen. US-Präsident Donald Trump mag das weiter nicht wahrhaben. Er sieht einen anderen Schuldigen.

Donald Trump hat den Schuldigen im Fall Khashoggi gefunden

Donald Trump weiß, wer schuld am Tod des Journalisten Jamal Khashoggi ist: "Die Welt ist ein sehr, sehr böser Ort."

AFP

Trotz größter Hilfsbemühungen des US-Präsidenten Donald Trump ist das saudische Königshaus im Fall des getöteten Journalisten Jamal Khashoggi weiter in Erklärungsnot. Einer großen türkischen Zeitung zufolge hat der US-Geheimdienst CIA Aufnahmen eines brisanten Telefongesprächs des saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman, die dessen Verwicklung in das Mordkomplott belegen sollen. Zuvor hatte bereits die "Washington Post" unter Berufung auf mehrere Quellen berichtet, die CIA sehe den saudischen Thronfolger als Drahtzieher hinter dem Verbrechen. Trump wies diese Darstellung am Donnerstag (Ortszeit) zurück und sprang der saudischen Führung erneut zur Seite.

Dass die CIA Belege für eine direkte Verwicklung des saudischen Kronprinzen in den Khashoggi-Mord, wollte der US-Präsident erneut nicht bestätigen. "Sie sind nicht zu einem abschließenden Ergebnis gekommen", sagte Trump in Palm Beach in Florida mit Blick auf die CIA-Ermittler. Niemand sei zu solch einer Schlussfolgerung gekommen, und vielleicht ließen sich die genauen Hintergründe der Tat auch nie aufklären.

Donald Trump: "Die Welt ist ein böser Ort"

Auf die Frage, wer für Khashoggis Mord zur Rechenschaft gezogen werden sollte, sagte Trump: "Vielleicht sollte die Welt zur Rechenschaft gezogen werden, weil die Welt ein bösartiger Ort ist. Die Welt ist ein sehr, sehr böser Ort."

Erneut pries Trump Saudi-Arabien als extrem wichtigen politischen und wirtschaftlichen Partner für die USA. Wenn Amerika einem bestimmten Standard folgen würde, könne es fast gar keine Verbündeten mehr auf der Welt haben, sagte er. Der Kronprinz weise vehement zurück, dass er in den Fall involviert gewesen sei, betonte er. "Ich hasse das Verbrechen, ich hasse die Vertuschung", sagte Trump. "Der Kronprinz hasst es noch mehr als ich."

"So schnell wie möglich zum Schweigen bringen"

Anders als Trump es darstellt, berichtet die türkische Zeitung "Hürriyet", dass CIA-Direktorin Gina Haspel bei ihrem Türkei-Besuch im vergangenen Monat "signalisiert" habe, dass der US-Geheimdienst ein brisantes Gespräch zwischen dem Kronprinzen und dessen Bruder Khalid bin Salman abgehört habe. Darin soll der Kronprinz gesagt haben, Khashoggi solle "so schnell wie möglich zum Schweigen gebracht werden". Das Blatt berief sich auf namentlich nicht genannte Quellen.

Die türkische Regierung lanciert über regierungsnahe Medien seit Wochen Details zu dem Fall. Angeblich verfügt sie über Tonaufnahmen aus dem Innern des Gebäudes - die sich Trump weigerte anzuhören. Nur wenige Informationen ließen sich unabhängig überprüfen. Die Türkei und Saudi-Arabien sind Rivalen in der Region. Außerdem betrachtet die Türkei es als Affront, dass Khashoggis Verschwinden in Istanbul orchestriert wurde. Präsident Recep Tayyip Erdogan sieht in Saudi-Arabien "höchste Kreise" involviert und will nicht lockerlassen, bis der Fall aufgeklärt ist.