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Analyse

Twitter-Aussage: Witz über Klimawandel: Welchen entscheidenden Fakt Trump nicht versteht

"Wir könnten ein bisschen Erderwärmung gebrauchen", schreibt US-Präsident Donald Trump bei Twitter angesichts des Kälteeinbruchs in Teilen der Vereinigten Staaten. Mit dem Tweet zeigt er, dass er wenig von Klima und Wetter vesteht.

Menschen in den USA kämpfen mit Schneemassen, US-Präsident Donald Trump

Während viele Menschen im Osten der USA mit den Schneemassen zu kämpfen haben, ist Präsident Donald Trump (Archivbild) nach Scherzen zumute  – ausgerechnet über die Erderwärmung

"Im Osten könnte es der kälteste jemals registrierte Silvesterabend werden. Vielleicht könnten wir ein bisschen von dieser guten alten Erderwärmung gebrauchen, für die unser Land, aber nicht andere Länder, Billionen an Dollar zahlen sollte, um sich davor zu schützen. Zieht Euch warm an."

Mit diesem Tweet angesichts der teils eisigen Temperaturen in den USA (die Kleinstadt International Falls an der Grenze zu Kanada meldete am Mittwoch rund minus 38 Grad Celsius) versuchte US-Präsident Donald Trump am Donnerstagabend (Ortszeit) die Lacher auf seine Seite zu ziehen. Stattdessen erntete er jedoch Empörung – zu Recht.

Was der 45. Präsident der Vereinigten Staaten da in 240 Zeichen formulierte, dürften vor dem Hintergrund von mehreren Toten in Folge des Kälteeinbruchs und den Mühen, die die Schneemassen den Amerikanern machen, nur wenige lustig finden – und viele schlicht falsch.

Denn zwischen den Zeilen Trumps schwingt nicht nur die Verächtlichmachung der Menschen mit sondern auch seine politische Agenda. Der Klimawandel, oder in Trumps Worten "die gute alte Erderwärmung", nichts als Fake News. Nicht real, eine Erfindung der Chinesen mit dem Ziel, den USA zu schaden. 

Unterschied zwischen Wetter und Klima

In der Logik von Donald Trump ist ein extrem kaltes Wetterereignis offenbar ein Indiz dafür, dass es keinen generellen Temperaturanstieg gibt. Der US-Präsident hat den Unterschied zwischen Wetter und Klima nicht verstanden. 

Dabei ist der nicht so schwer zu verstehen und sollte einem Präsidenten der USA klar sein. Zumindest aber sollte es für ihn ein Leichtes sein, sich bei einer US-Institution, zum Beispiel bei der Raumfahrt- oder der Wetterbehörde, zu informieren.

Deren Definitionen decken sich mit denen der "Weltorganisation für Meteorologie":

  • Wetter beschreibt demnach den physikalischen Zustand (beispielsweise Temperatur, Wind, Luftfeuchtigkeit, Niederschlagsmenge) der Atmosphäre an einem bestimmten Ort zu einem bestimmten Zeitpunkt.
  • Klima ist eine Statistik über das Wetter an einem Ort über einen längeren Zeitraum hinweg, klassischerweise 30 Jahre. Extreme Wetterereignisse sind ein Bestandteil dieser Statistik.
  • Am Beispiel Hamburg heißt das etwa: Am 27. Juli 2014 herrschten am Flughafen gegen 14.45 Uhr eine Temperatur von 31 Grad, eine Luftfeuchtigkeit von 45 Prozent und eine Windgeschwindigkeit von vier Metern pro Sekunde. Es gab keinen Niederschlag. Trotz der hochsommerlichen Werte wird das Klima in der Hansestadt als "gemäßigt" beschrieben – Werte jenseits der 30 Grad sind die absolute Ausnahme.

Die US-Wetterbehörde fasst zusammen: "Klima ist das, was man erwartet, Wetter ist das, was man bekommt."

Aus den möglichen Temperatur-Minusrekorden im Osten der USA zum Jahreswechsel ist mitnichten abzuleiten, dass es keinen Klimawandel gibt, im Gegenteil: Einige Wissenschaftler gehen davon aus, dass es zwischen der generellen Erwärmung in Nordamerika und Extremwetterlagen in den Wintermonaten eine Zusammenhang gibt, und 13 US-Behörden stellen in ihrem im November veröffentlichten Klimareport eindeutig klar, dass es in den Vereinigten Staaten durchaus Orte gibt, in denen neue Temperatur-Minusrekorde aufgestellt werden  – trotz des allgemeinen Temperatur-Anstiegs. Aussagen ernstzunehmender Klimaforscher, dass es in Folge der Erderwärmung keine sehr kalten Wintertage mehr geben kann, sind indes nicht bekannt.

Oder um es mit den Worten von Jon Foley, Chef der Akademie der Wissenschaften in Kalifornien, zu sagen: "Der globale Klimawandel ist sehr real, auch wenn es jetzt gerade kalt außerhalb des Trump Towers ist. So wie es immer noch Hunger auf der Welt gibt, auch wenn Sie gerade einen Bic Mac gegessen haben", schrieb er auf Twitter an Trump gerichtet.

Donald Trump verkennt die Realität des Klimawandels

Vielleicht hätte sich Donald Trump vor dem Absetzen seines Tweets mit der Entwicklung des Klimas in seinem Land auseinandersetzen sollen. Er hätte erkannt, dass "die gute alte Erderwärmung" in den USA längst angekommen ist. Im US-Klimabericht heißt es zum Beispiel, dass die Durchschnittstemperatur in den Vereinigten Staaten in der Zeitspanne zwischen 1986 und 2016 um 0,7 Grad Celsius höher war als im Zeitraum zwischen 1901 und 1960. "Es ist extrem wahrscheinlich, dass menschliche Aktivitäten, insbesondere der Ausstoß von Treibhausgasen, die dominante Ursache, der seit Mitte des 20. Jahrhunderts beobachteten Erwärmung ist", so die Autoren. Es gebe "keine alternative Erklärung" und die Folgen seien bereits im gesamten Land spürbar.

Doch Donald Trump scheint immun gegen die Hinweise der Experten zu sein, das zeigt nicht nur sein jüngster Tweet. Der US-Austritt aus dem Pariser Klimaabkommen ist der bisherige Höhepunkte seiner Klimawandel-Leugnung. "Billionen Dollar" für den Schutz gegen die (ohnehin nicht vorhandene) Erderwärmung spare sein Land durch diesen Schritt ein. Woher Trump die Zahl nimmt, ist allerdings nicht bekannt.

Die Rechnung kommt auch so: Einer Studie der regierungsunabhängigen Organsiation "Universal Ecological Fund" zufolge wird die US-Wirtschaft durch vom Klimawandel verursachte Unwetter und aufgrund von Gesundheitskosten, die durch fossile Brennstoffe verursacht werden, in der kommenden Dekade Verluste von mehr als 300 Milliarden Dollar erleiden  – im Jahr. Das ist rund die Hälfte des jährlichen Wirtschaftswachstums der Vereinigten Staaten. Für die Nutzung fossiler Energieträger müssten die USA einen hohen Preis zahlen, den sich die Wirtschaft nicht leisten könne, sagte einer der Autoren.

Das dürfte dann auch Donald Trump nicht mehr lustig finden.

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mit Material von DPA und AFP