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Donald Trumps Presskonfernenz Zwischen Größer! Besser! Trump! und Verfassungskrise

Mit Spannung erwartet: Der designierte US-Präsident Donald Trump 


"Ich habe großen Respekt vor den Medien und der Meinungsfreiheit. Und ich sage Ihnen etwas. Das sind einige Nachrichtenagenturen, die in diesem Fall (Russland-Report) so professionell waren, dass ich meine Meinung über sie überdenken muss.


Zur Arbeitsplatzsituation in seinem Land äußerte sich Trump wie folgt:  "Es herrscht gerade ein großartiger Geist in diesem Land. Ich werde der größte Job-Produzent sein, den Gott jemals erschaffen hat."


Wenn Putin Donald Trump mag, dann ist es ein Vorteil und keine Belastung. Ich weiß nicht, ob ich mich mit Wladimir Putin verstehen werde. Ich hoffe das, aber es gibt durchaus die Möglichkeit, dass das nicht so sein wird. Und wenn ich es nicht schaffe, glauben Sie wirklich, dass Hillary härter mit Putin umgehen würde als ich? Glaubt das wirklich irgendjemand in diesem Raum?


"Wir werden diese Mauer bauen. Und Mexiko wird dafür zahlen - und sei es im Nachhinein als Rückerstattung."


"Obamacare ist ein komplette, ganzheitliches Desaster. Es wird widerrufen und ersetzt. Das wird im Wesentlichen gleichzeitig passieren."


Gegen Ende der Pressekonferenz kam es zum Eklat mit einem CNN-Reporter



"Weiter geht's. Weiter geht's. Nein, nicht Sie (zu einem CNN-Journalisten)! Ihre Nachrichtenagentur ist furchtbar. Weiter geht's. Ruhe! Ruhe! Sie stellt eine Frage, seien Sie nicht unhöflich. Ich erteile Ihnen nicht das Wort. Sie sind Fake-News! Weiter geht’s!"
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Der künftige US-Präsident Donald Trump trat nach langer Zeit zum ersten Mal vor die Presse. Thema waren die Russen und wer fortan sein Unternehmen führen wird. Sein Auftritt hinterließ einen sehr faden Beigeschmack.
Von Alexandra Kraft, New York

Der Kontrast hätte kaum größer sein können. Keine 24 Stunden war es her, da hatte Präsident Barack Obama in Chicago seine Abschiedsrede an die Amerikaner und den Rest der Welt gehalten. Gewohnt staatsmännisch, mit wohl formulierten Sätzen, die es vielleicht sogar in die Geschichtsbücher schaffen werden. Es ging um Demokratie, und wie man sie am besten schützt.

Obama gab den USA für 45 Minuten noch einmal "hope", Hoffnung. Und plötzlich war das Internet voll mit Sätzen wie: "Wir werden ihn vermissen" oder "Kann er nicht noch mal vier Jahre?" Obama scheidet als einer der beliebtesten Präsidenten der USA aus dem Amt. Das wird bleiben. Auch wenn viele zu Recht klagen, dass der Weltpolitiker Obama eigentlich gescheitert ist.

Nach Obamas Rede kam Donald Trump

Als das Land gerade mal eine Nacht über Obamas Goodbye geschlafen hatte, trat am Mittwochmorgen im Trump Tower sein Nachfolger Donald Trump zum ersten Mal seit 168 Tagen zu einer Pressekonferenz an. Er, der obwohl gewählt, in weiten Teilen der amerikanischen Bevölkerung auf breite Ablehnung stößt. Dem nicht einmal die Hälfte seiner Landsleute zutraut, eine internationale Krise gut bewältigen zu können. Er, der statt staatsmännischer Auftritte viel lieber den Bully, den Rowdy  gibt.

Das war auch wieder so in den Stunden vor der Pressekonferenz, als Berichte aufkamen, die russische Regierung hätte Material mit dem sie den zukünftigen Präsidenten erpressen könnte. "Fake News! Alles gelogen! Eine politische Hexenjagd. Leben wir in Nazi-Deutschland?" pestete der via Twitter los.

 

Auftritt Trump mit Kind und Kegel

Als Trump dann vor die Presse trat, wirkte er auch entsprechend angespannt. Das Gesicht gewohnt gelblich, die Augenringe weiß. Seine beiden Söhne Don und Eric hatte er ebenso an seiner Seite wie seine Tochter Ivanka. Immerhin bemühte sich Donald Trump seinen Auftritt würdevoll zu gestalten, eben eines zukünftigen amerikanischen Präsidenten angemessen. Doch in ihm bebte es, und er konnte seinen Zorn nicht verbergen. Er richtete sich diesmal nicht nur wie sonst gegen die Presse, stattdessen attackierte er die amerikanischen Geheimdienste scharf. Die seien schließlich Schuld an den Meldungen über seine angeblichen Sexspiele in Moskauer Hotels. Und die hätten dafür gesorgt, dass die unbelegten Berichte nur wenige Tage vor seiner Vereidigung an die Öffentlichkeit geraten seien.

"Das sind alles Lügen. Fake News. Ein Hammer, dass der Bericht überhaupt an die Öffentlichkeit kam. Er hätte nicht mal geschrieben werden dürfen und schon gar nicht veröffentlicht werden", so Trump.

Und in der Tat hat Trump an dieser Stelle Recht. Dass die Anschuldigungen für die es nur Belege vom Hören-Sagen gibt, bekannt und im Detail verbreitet wurden, ist tatsächlich ein Skandal und womöglich eine Verzweiflungstat. Viele in Washington vermuten, dass die Geheimdienste, die in den nächsten Wochen von Trump mit neuen Chefs ausgestattet werden, eiligst noch Fakten schaffen wollten. Nach dem Motto: Wir posaunen raus, was wir haben, dann kann es das Trump-Team nicht mehr unter den Tisch fallen lassen.

Sollten die Berichte noch schnell unters Volk?

Dazu passt, dass auch der aus dem Amt scheidende Obama noch kurz vor dem Ende seiner Amtszeit einen detaillierten Bericht über das russische Hacking während der US-Wahl angefordert hat. So stellte er sicher, dass mögliche Beweise in der Bibliothek des Präsidenten aufbewahrt werden müssen - und nicht unter der neuen Regierung einfach "verloren" gehen. Keine unbegründete Sorge übrigens, denn so sagte der Republikaner Rick Santorum noch kurz vor der Pressekonferenz: "Ich bin mir sicher, dass das Problem der russischen Einmischung schnell verschwinden wird, wenn in ein paar Wochen Trumps Leute erstmal die Geheimdienste führen."

Zurück in den Trump-Tower: Nach nicht mal fünf Minuten ging Trump dann dazu über, sich zu loben. Welch' ein Held er sei. Welche Firmen er in die USA zurück bringe. Was er alles vorhabe. Wie toll ihn alle fänden. Wie er eine Bewegung geschaffen habe, wie sie die Welt noch nie gesehen habe. Größer, stärker, besser, schöner, toller, Trump. All das gipfelte in dem Satz: "Ich werde der größte Arbeitsplatz-Erzeuger sein, den Gott jemals geschaffen hat." Es hätte nur noch ein Amen gefehlt.

Auch als gewählter Präsident bleibt Trump seiner Strategie treu: Ich mache mir meine Welt, wie sie mir gefällt. Und werde ich angegriffen, schlage ich erbarmungslos zurück. Für die CNN-Moderatorin Dana Bash war schnell klar: "Trump ist im Krieg mit seinen eigenen Geheimdiensten." Doch der künftige Präsident lässt sich in seinem Weg nicht beirren. Alle Anschuldigungen - ob Sextalk oder was auch immer -  tut er als Lügen ab. Seine Anhänger nehmen das hin. Vermutlich auch, weil sie sich von der Welt betrogen und verlassen fühlen. Trump hat das gut erkannt und nutzt es nun. Egal was kommt, er schreit laut: Alles Lügner. Und kommt damit davon.

Die Verfehlungen sind die Amerikanern egal

Wenn man ehrlich ist, hat die US-Wahl gezeigt, dass es vielen Amerikanern schlicht egal ist, ob ihr Präsident schlecht über Frauen redet oder Freundinnen hat. Sie wollen, dass es ihrem Land und vor allem ihnen selbst wieder gut geht. Sie wollen am Wohlstand teilhaben und nicht davon ausgeschlossen bleiben. Sie wollen, dass es ihren Kindern und Enkeln gut geht. Sie wollen ihren Amerikanischen Traum zurück.

Und Trump macht sich  geschickt zu ihrem Held. Etwa, wenn er auf die möglichen Konflikte zwischen dem Unternehmer Trump und dem Präsidenten Trump zu sprechen kommt. Er brüstet sich damit, nach seiner Wahl einen Deal über zwei Milliarden Dollar in Dubai ausgeschlagen zu haben. "Ich habe keinen Interessenkonflikt, weil ich Präsident bin. Aber ich fand, das fühlte sich nicht gut an", sagte er. Das kommt an. Einer von uns, denken viele über den Milliardär aus New York. Wie kein anderer hat er verstanden, was der "kleine Mann von der Straße" hören will. Er verspricht viel. Ob er es halten kann? Vermutlich nicht. Aber das ist jetzt noch egal.

Seine Geschäfte gehen an die Söhne

Dazu gehört auch, dass Trump nun bekannt gab, dass seine Söhne Eric und Don fortan die Firma per Treuhandfonds führen werden. Außerdem werde die "Trump Organization" fortan keine Geschäfte mit und in anderen Ländern machen. Inländische Geschäfte würden von einem Ethik-Berater kontrolliert. Dass er damit von seinem bisherigen Versprechen abwich, gar keine Geschäfte mehr zu tätigen, erwähnte Trump nicht mit einem Wort. Gefragt wurde er aber auch nicht.

Mit seinen Söhnen werde er nicht über Geschäfte sprechen, so versprach Trump nun. Sollten Staatsvertreter aus anderen Ländern in einem seiner Hotels übernachten, werden die Einnahmen daraus an die US-Regierung gespendet. Wieder so eine Geschichte, die viele seiner Anhänger mögen werden. Und weil die Trump-Show wie immer perfekt inszeniert war, klatschen während der Pressekonferenz auch immer wieder Freunde und Vertraute, die zwischen den Journalisten standen, zu Trumps Ankündigungen. Seht her, selbst die Presse feiert den neuen Präsidenten und seine grandiosen Ideen.

Schon kurz nach Ende seines Auftrittes kamen allerdings Fragen an der Ernsthaftigkeit mit der Trump seine Geschäfte geordnet hat, auf. Zahlreiche Rechtsexperten hatten in den vergangenen Wochen gefordert, er müsse seine Firma komplett verkaufen oder in einen sogenannten "blind trust" packen. Das wies Trump mit der Bemerkung zurück, er tue schon mehr, als er müsse. Denn laut seiner Anwälte gäbe es für den Präsidenten nach der amerikanischen Verfassung "keinen Interessenskonflikt". Denn als Präsident diene er den Amerikanern und verfolge qua Amt keine persönlichen finanziellen Erfolge. "Niemand sollte erwarten, dass Präsident Trump seine Firma zerstört, die er aufgebaut hat", sagte deswegen seine Anwältin Sheri Dillon nun in New York.

"So schafft er von seinem ersten Tag im Weißen Haus eine Verfassungskrise", sagt der Ethik-Experte Norman Eisen, der unter Obama gearbeitet hat. Auch er hatte von Trump den Verkauf von dessen  Firmen gefordert. Nach der Ankündigung Trumps in New York schließt Eisen: "Das ist eine Einladung für Skandale und Korruption. Ausländisches Geld wird durch Schlupflöcher herein fließen. Es ist nur ein halber Schritt."

Donald Trump ist durch den Ethik-Test gefallen

"Der gewählte Präsident Trump ist durch den ersten Ethik-Test gefallen. Nun wird Amerika unter den Folgen zu leiden haben", urteilt Robert Weissmann, Präsident von Public Citizen, eine Non-Profit Organisation in Washington.

Die Webseite "Politico" berichtet nach Trumps Auftritt von einer Quelle aus ihrem Umfeld, die beschrieb, wie schwer es Trump falle, sich aus den Geschäften zurückzuziehen. "Es ist bemerkenswert", wird er Informant zitiert, "mit Blick auf eine Trennung, glaube ich, es besteht null Chance, dass er seine Finger nicht weiter in den Geschäften haben wird."

In der Tat, schwer vorzustellen, dass Trump seine Kinder nicht fragt, wie die Geschäfte laufen. Und schwer zu kontrollieren ist es allemal, vor allem bei einem Mann, der bislang nicht mal seine Steuererklärung veröffentlicht hat.

Wie gesagt, welch ein Kontrast.


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