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Presseschau Trump-Pk: "System der Fake News vernichtet seinen Schöpfer"

Die turbulente erste Pressekonferenz von Donald Trump nach seiner Wahl zum US-Präsidenten hat für Diskussionen gesorgt. Als souverän sehen die Kommentatoren das Auftreten des 70-Jährigen nicht. Die Presseschau.

Donald Trump schaut verkniffen - die erste Pressekonferenz nach seiner Wahl zum Präsidenten war turbulent

Donald Trump und die Medien - schon vor seinem Amtsantritt ist es ein schwieriges Verhältnis. Das hat die erste Pressekonferenz nach seiner Wahl zum US-Präsident eindrucksvoll belegt.

Die erste Pressekonferenz von Donald J. Trump nach seiner Wahl zum US-Präsidenten hat für Aufsehen gesorgt. Die Kluft zwischen ihm und den Medien wurde überdeutlich, der Ton war über weite Strecken wenig präsidial. "Ich werde keine Frage von Ihnen zulassen. Sie sind Fake News", herrschte er den Korrespondenten des TV-Senders CNN an, weil der Sender über angeblich kompromittierendes Material aus Russland berichtet hatte. So bewerten die Kommentatoren das Auftreten des 70-Jährigen. Die Presseschau.


"Für mehr als 140 Twitter-Zeichen reicht offenbar die Konzentration nicht. Trumps Rede enthielt keinen roten Faden, binnen Minuten redete er über ein halbes Dutzend unzusammenhängender Themen - von seinen Geschäften bis zu Musikbands, die zur Amtseinführung spielen. Und auf Nachfrage sagte Trump überraschend, die Hacker-Angriffe im US-Wahlkampf seien doch aus Russland gekommen."
(Mitteldeutsche Zeitung)

"Es ist eine ungeheuerliche Vorstellung, dass der bald mächtigste Mann der Welt erpressbar und damit eine Marionette in den Händen fremder Mächte sein könnte. Doch die Quellen der Verdächtigungen sind dubios. Und so bleibt vorerst nur eine Gewissheit: Der rabiat und verletzend auftretende Trump hat sich offenbar viele Feinde gemacht, im Inland und im Ausland."
(Neue Osnabrücker Zeitung)

"Für den Bericht, Moskau habe belastendes Material in der Hand, gibt es bisher keinerlei Belege. Die Verbreitung einer solchen Darstellung wenige Tage vor Trumps Amtsantritt ist kein gutes Zeichen. Die von ihm vehement bestrittenen Behauptungen werfen ein grelles Licht auf ein gespaltenes und zerstrittenes Amerika, in dem sich Trump-Anhänger und Trump-Gegner unversöhnlich gegenüberstehen. Von einer Verwandlung in einen Staatsmann, der lieber Gräben zuschüttet, als Mauern zu bauen, ist noch nichts zu erkennen. Trump erweist sich bisher als dünnhäutiger Politik-Anfänger."
(Frankfurter Allgemeine Zeitung)

"In diesen Zeiten kann ein vermeintliches Geheimdienstpapier alles sein – Lüge oder Offenbarung, Schmiermittel im Schmierentheater oder Analyse im Lärm der Schreipolitik. Was nun angeblich von einem britischen Ex-Agenten über denkünftigen US-Präsidenten Donald Trump zusammengetragen wurde, hat das Potenzial, Amerika in eine Staatskrise zu stürzen oder zur weiteren Episode in der Geschichte der Selbst-Delegitimierung des Landes und seiner Institutionen zu werden."
(Süddeutsche Zeitung)

"Wer noch Hoffnungen hatte, dass sich der pöbelnde Wahlkämpfer Trump in einen besonnenen Staatsmann verwandeln würde, der sollte diese Hoffnungen besser fahren lassen. Trump ist Trump. Er bleibt sich und seinem Stil treu, auch wenn das stillos ist."
(Kölner Stadt-Anzeiger)

"Trump hat sich im schmutzigen US-Wahlkampf mit Putins Diensten eingelassen - und zahlt dafür schon vor Amtsantritt einen hohen Preis: Der künftig mächtigste Mann der Welt gilt als erpressbar. Das System der Fake News vernichtet seine Schöpfer: Bei jeder Trump-Entscheidung wird man sich fragen, ob nicht Putin seine Finger im Spiel hatte. Der Welt drohen Szenarien wie aus einem Spionage-Reißer. Die internationale Lage indes ist zu brisant, als dass man diesem Treiben der beiden Egomanen ebenso distanziert wie amüsiert zuschauen möchte."
(Westdeutsche Allgemeine Zeitung)

Erste Pressekonferenz Donald Trumps als US-Präsident


"Von "No-Drama-Obama" zu "All-Drama-Trump" - der Gegensatz zwischen dem scheidenden und künftigen Präsidenten könnte kaum schärfer sein. Während Obama seine "Farewell"-Ansprache in Chicago für eine Reflexion über den Zustand der amerikanischen Demokratie nutzte, legte sich Donald Trump bei der ersten Pressekonferenz seit seiner Wahl mit den US-Geheimdiensten an. Was auch immer an dem geleakten Russland-Dossier dran ist, Trumps Vergleich mit Nazi-Deutschland schießt weit über das Ziel hinaus. In keinem Fall dürfte es sich für ihn als klug erweisen, den offenen Krieg mit den Schlapphüten zu suchen. Eher früher als später wird der künftige Präsident auf den guten Willen der Geheimdienste angewiesen sein.
(Westfalen-Blatt)

"Wer im bilateralen Verhältnis der beiden Großmächte die Führungsrolle übernehmen wird, steht damit wohl außer Frage: In Putins Augen ist Trump ein Polit-Frischling. Vielleicht sieht der ehemalige KGB-Chef in ihm sogar eine Marionette - wer die Fäden in der Hand hält, ist klar. (...) Es ist deshalb nicht zu erwarten, dass die merkwürdige Bewunderung, die Trump für Russland empfindet, unter den Vorwürfen leiden wird. Seine Gefolgschaft in den USA verzeiht ihm Fehltritte sowieso. Hat sie ja während des Wahlkampfes auch getan. Dass Trump nun Fake News anprangert, entbehrt allerdings nicht einer gewissen Ironie. Viel schwerer wiegt die Vermutung, dass sich mit Trump und Putin zwei unberechenbare, testosterongesteuerte Hardliner miteinander verbünden, um die Welt untereinander neu zu verteilen. Das sind keine schönen Aussichten. Die Chinesen sind wahrscheinlich schon auf der Hut. Eine schwache Europäische Union ist jetzt gefährlicher denn je."
(Westfalenpost)


"Amerikas Demokratie ist herausgefordert, aber zweifellos stark genug, um diese Krise zu meistern. Zu den berühmten "checks and balances" des Landes gehört, dass der Chef der Bundespolizei und Spionageabwehr vom Präsidenten nicht abgesetzt werden kann; er sollte diese Stellung nutzen, um seine Untersuchung fortzusetzen und die Vorwürfe zu Trumps Verflechtungen mit Russland lückenlos aufzuklären. Eine Schlüsselrolle kommt auch der republikanischen Kongressmehrheit zu. Bereits trennt sich dort die Spreu vom Weizen, die Kriecher und Schmeichler, die Trump zuliebe über die Russland-Gefahr hinwegsehen wollen, und umgekehrt jene, die den Blick für übergeordnete Interessen nicht verloren haben. Der Kongress muss mit einer eigenen Untersuchung dafür sorgen, dass die Bevölkerung ein klares Bild erhält. Es mag ein frommer Wunsch sein: Aber je mehr eine solche Untersuchung überparteilichen Charakter erhält, desto eher wird es gelingen, die Erosion des Vertrauens in die Politik zu stoppen."

(Neue Zürcher Zeitung, Schweiz)

"Die Drohungen gegen die Pharma-Industrie, die Anspielung auf "gefährliche Lobbys" und die direkte Erwähnung eines Autoherstellers, von dem er sagte, das Unternehmen werde wie bereits andere Firmen Millioneninvestitionen in den USA und den Abbau von Anlagen im Ausland ankündigen, passen eher zu einem Drehbuch eines Mafiafilms als zu einer Präsidentenrede. Gar nicht zu reden von der absurden Inszenierung mit Dutzenden von Mappen mit Dokumenten zu den Firmen, auf deren Verwaltung Trump nach eigenen Worten angeblich verzichten will. Je näher Trump dem Weißen Haus kommt, desto berechtigter wird die Sorge über die Zukunft. Und desto unverständlicher werden die Beschwichtigungsversuche einiger Regierungen wie etwa der spanischen."
(El País, Spanien)

"Trump wird seine Oberbefehlshaber-Mütze mit einem angespannten Verhältnis zu seinen Spionen aufsetzen, was ärgerlich ist. Die vom künftigen Präsidenten gewünschte Annäherung mit Russland verkompliziert sich, er läuft Gefahr, ständig als Lakai (des russischen Präsidenten Wladimir) Putins behandelt zu werden. (...) Wir sind noch weit vom Impeachment entfernt, jenem Amtsenthebungsverfahren, das schon gegen drei amerikanische Präsidenten in Stellung gebracht wurde. Aber die Ära Trump beginnt im Gewitter. Und eine Frage stellt sich immer mehr, je tiefer der Schlamm wird. Bis zu welchem Punkt kann das solide amerikanische System diese unwahrscheinliche Serie an Donnerschlägen einstecken?"
(Le Figaro, Frankreich)

"Der künftige US-Präsident Donald Trump hat die Rede von einem "Neustart" in den Beziehungen zu Russland für unangebracht erklärt: "Entweder wir kommen miteinander aus oder nicht." Moskau hofft auf ein besseres Verhältnis zu einem erneuerten Washington. Doch der Sanktions-Vorstoß einer Reihe von US-Senatoren engt den Spielraum für Trump ein und macht das Miteinanderauskommen fast unmöglich. Es wird ein umfassendes und sehr konkretes Programm der Außen- und Innenpolitik der USA vorgeschlagen, in dem Russland den Platz des Irans zugewiesen wird."
(Kommersant, Russland)

dho/DPA