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Migration: Trump empfiehlt Spanien, eine Mauer zu bauen - die Stelle lässt den Außenminister ratlos zurück

Am Trump'schen Wesen soll die Welt genesen: Der US-Präsident wäre nicht er selbst, würde er nicht auch für das Flüchtlingsproblem im Mittelmeer eine Lösung parat haben. Spaniens Außenminister staunte nicht schlecht.

Donald Trump rät Spanien, in der Sahara eine Mauer zur Abwehr der Migranten zu bauen

Die Sahara im Süden Marokkos, nahe der Oase Mhamid el-Ghizlane. Donald Trump findet, hier könnte Spanien gut eine Mauer hinbauen, um sich Flüchtlinge vom Leib zu halten.

AFP

So mancher vermutete hinter der Meldung schon ein Stück Satire. Doch auch diesmal wurde jeder, der das dachte, von US-Präsident Donald Trump enttäuscht. Nein, auch sein Vorschlag, wie man die Flüchtlingskatastrophe im Mittelmeer lösen könne, war wohl ernst gemeint. Berichten britischer Zeitungen zufolge griff Trump dabei auf eine alte Idee zurück. Er empfahl Spanien doch eine Mauer zu bauen, um die Flüchtlinge fernzuhalten - und zwar in der Sahara! Der spanische Außenminister Josep Borrell, ein hoch angesehener Herr, der nicht zu Geschwätzigkeit neigt, habe die Sache während eines offiziellen Abendessens in Madrid in dieser Woche ausgeplaudert, heißt es. Die spanische Medien stürzten sich darauf.

Borrell unterhielt die Gesellschaft mit weiteren Details, wie der "Guardian" berichtet. So habe Trump die Skepsis einiger spanischer Diplomaten, eine solche Mauer müsse sich über etwa 3000 Meilen (mehr als 4800 Kilometer) erstrecken, mit den Worten vom Tisch gewischt: "Die Sahara-Grenze kann nicht größer sein als unsere Grenze mit Mexiko." Tatsächlich misst die amerikanisch-mexikanische Grenze rund 2000 Meilen (gut 3200 Kilometer).

Donald Trump: Sahara liegt nicht in Spanien

Was Trump bei der Sache völlig außer Acht ließ: Die Mauer, die Spanien nach Trump'scher Lesart vor den Flüchtlingen schützen soll, würde nicht auf spanischem Boden entstehen; ja nicht einmal in Europa. Außer den beiden Exklaven Ceuta und Melilla hat Spanien in Nordafrika keinerlei Territorium. Die Mauer müsste sich je nach Verlauf über das Gebiet von sechs bis acht Staaten ziehen. Vermutlich würde Trump davon ausgehen, dass diese Länder - ähnlich wie er es von Mexiko erwartet - für den Bau zahlen müssten.

Die Boulevard-Zeitung "The Sun" machte sich die Mühe, die Dimensionen der Projekts einmal aufzuzeigen. Die Länge: 5150 Kilometer, Kosten: rund 85 Milliarden Pfund; mindestens 90.000 Arbeiter wären nötig, um bei 45 Grad Celsius rund dreieinhalb Jahre an der Mauer zu bauen. Nach der Fertigstellung wären wohl 20.000 Grenzschützer nötig, um den Zweck des Bauwerks sicherzustellen.

Ministerium bestätigt Borells Äußerungen

In Spanien wird vermutet, dass der US-Präsident Borrell seinen Vorschlag im Juni unterbreitete, als der Minister das spanische Königspaar bei einem Besuch im Weißen Haus begleitete. Das Außenministerium in Madrid gab sich ansonsten gentlemanlike: "Wir können bestätigen, dass der Minister das gesagt hat", wird ein Ministeriumssprecher zitiert, "aber wir werden die Bemerkungen des Ministers nicht weiter kommentieren." Wahrhaft diplomatisch.

Spanien hat in diesem Jahr bereits mehr als 33.500 Flüchtlinge, die über das Mittelmeer aus Afrika kamen, aufgenommen. Dies auch, um weitere Todesfälle zu verhindern. Mehr 1700 Flüchtlinge sind in den vergangenen Monaten beim Versuch, Europa zu erreichen, ums Leben gekommen. Spanien nahm auch jene 630 Flüchtlinge der Aquarius auf, die Italien und Malta zurückgewiesen hatten.

dho