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Politische Kehrtwende: Trump twittert Katar an den Terror-Pranger

Der US-Präsident hat sich auf Twitter im Konflikt mit Katar auf die Seite Saudi-Arabiens gestellt. Mit seinen Posts könnte Trump die Sicherheitsarchitektur im Nahen Osten ins Wanken bringen.

Donald Trump Emir Katar

Erst vor kurzem versicherte Donald Trump dem Emir von Katar, Scheich Tamim Bin Hamad Al-Thani, noch die Freundschaft der USA

Donald Trump regiert die USA und die Welt von seinem Handy aus. Nachdem er zahlreiche Tweets zu den Anschlägen in London gepostet hatte, in denen er unter anderem den Bürgermeister von London übel beleidigte, nahm sich der US-Präsident jetzt ein ganzes Land vor. Opfer seiner jüngsten Twitter-Attacken ist das Emirat Katar am Persischen Golf.

Saudi-Arabien, die VAE, Bahrain, Ägypten und der Jemen hatten zuvor am Montag alle diplomatischen Kontakte zu Katar abgebrochen. Die Nachbarländer schlossen auch die Grenzen. Zugleich stellten sie den Flugverkehr nach Katar ein. Damit ist das Golf-Emirat, in dem 2022 die Fußball-WM ausgetragen werden soll, weitgehend isoliert.

Katar soll Terror finanzieren

Die arabischen Staaten beschuldigen Katar, Terrororganisationen wie den sunnitischen Islamischen Staat (IS) zu unterstützen. Gleichzeitig stoßen sie sich an den angeblich guten Beziehungen Katars zum schiitischen Iran. Das sunnitische Königreich Saudi-Arabien sieht in Teheran einen Erzrivalen in der Region.

Über den Kurznachrichtendienst Twitter erhielt die Koalition um Saudi-Arabien Unterstützung durch Trump. Er stellte sich in seinen Tweets in deutlichen Worten auf die Seite der Katar-Gegner und griff das Emirat scharf an. Für seine Meinungsänderung brauchte Trump nur ganze 24 Stunden. Noch am Montag hatte Washington zunächst eine neutrale Haltung in dem Konflikt eingenommen. Trump wolle mit allen Beteiligten sprechen, um die Lage zu beruhigen, teilte das Weiße Haus mit.

Die USA sind mit allen Konfliktparteien eng verbündet. In Katar befindet sich der größte US-Militärstützpunkt in der Region. Auf der Luftwaffenbasis Al-Udeid sind mehr als 10.000 US-Soldaten stationiert. Auf seiner Reise in den Nahen Osten vor gut zwei Wochen hatte Trump in Saudi-Arabien auch Katars Emir Tamim bin Hamid Al Thani getroffen. Trump hatte bei einem Gespräch mit ihm damals, die Beziehungen zu Katar seien "extrem gut". Mit Scheich Tamim wollte er vor allem über Waffengeschäfte reden.

Plötzlich eine komplette Kehrtwende

Jetzt also die komplette Kehrwende, die einen Bruch in der US-Außenpolitik markiert.

Im ersten Tweet warf Trump dem Emirat vor, indirekt eine radikale Ideologie zu fördern. "Führer zeigten auf Katar – seht!“, ätzte Trump.

Damit war es aber nicht genug. Trump legte noch zwei Tweets drauf: "Sie haben gesagt, dass sie eine harte Linie gegenüber der Finanzierung von Extremismus einschlagen werden, und alle Hinweise haben auf Katar gezeigt." Am Ende äußerte der US-Präsident die Hoffnung, dass der Boykott "möglicherweise der Beginn vom Ende des Horrors des Terrorismus“ sei.



Mit den Tweets konterkarierte der Chef im Weißen Haus mal wieder Aussagen seines Außenministers Rex Tillerson, der am Montag noch eine neutrale Position vertreten hatte. Es ist nicht das erste Mal, dass Trump einem seiner Kabinettsmitglieder vor den Kopf stößt.

Die Frage bleibt, ob sich Trump über die Auswirkungen seiner Tweets bewusst ist. Schließlich können sie die Krise in Nahen Osten verstärken und demütigen ein Partnerland. Der Vorwurf, Terrorismus zu unterstützen, ist dabei sicherlich nicht nur an das Emirat zu richten, sondern an alle arabischen Partner im Nahen Osten. Trump Politik wirkt dadurch - wiedermal - sehr willkürlich. Eine durchdachte Strategie scheint nicht dahinter zu stecken. Das Pentagon versicherte auf jeden Fall, dass die große Luftwaffenbasis in Katar in Betrieb bleibt.

tis mit Material von der DPA