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Ermittlungen gegen Donald Trump: Trump-Kritiker und Trump-Fans: Wie rechte und linke Medien das Impeachment sehen

Wie wer in den USA auf die Welt blickt, hängt eng damit zusammen, welcher Fernsehsender läuft. So auch bei den Anhörungen im Amtsenthebungsverfahren gegen Donald Trump. Ob konservativ oder eher links: Auf beiden Seiten steht das Urteil bereits fest.

Fox-News an der New Yorker Börse

Die Amtsenthebungs-Anhörung auf Fox-News an der New Yorker Börse

AFP

Es gab einmal eine Zeit, da war das Fernsehen das letzte große Lagerfeuer des Landes. In Deutschland etwa lockte "Wetten, dass…?" klein und groß, Blaumann und Bluse, schwarz und grün vor den Bildschirm. Diese Zeit ist vorbei. Noch länger sogar in den USA, wo sich nur noch die ganz Alten daran erinnern, dass man von den TV-Gewohnheiten nicht auf die politische Einstellung schließen konnte. Mittlerweile belegen Studien, dass sich die Spaltung der Vereinigten Staaten eins-zu-eins im TV-Konsum spiegelt. Sag mir, was du schaust, und ich sag dir, was du wählst.

Jim Jordan (l.) und Peter Welch bei der Anhörung im US-Kongress

Besonders drastisch zeigt sich die große Kluft derzeit, während auf allen Kanälen die öffentlichen Anhörungen im Zuge der Amtsenthebungsermittlungen gegen Donald Trump zu sehen sind. Die Befragungen von Zeugen in der "Ukraine-Affäre" ist Politshow und Meinungsbildung zugleich. Eigentlich sollen sich die US-Bürger ein eigenes Bild von der Glaubwürdigkeit der Vorwürfe machen, doch kaum ein Amerikaner sieht die Aussagen ungefiltert – was sie sehen, ist die vom jeweiligen Sender und seiner politischen Ausrichtung kommentierte Version der Sitzungen. Anders gesagt: Was die Menschen über das denken, was sie gerade sehen, wird maßgeblich durch die führenden News-Stationen bestimmt. Und die könnten gegensätzlicher nicht sein.

Fox News voll auf Seite Donald Trumps

Allen voran Fox News. Der konservative Nachrichtensender trommelt seit Jahren unverhohlen für Donald Trump, Moderatoren wie Sean Hannity gelten als inoffizielle Berater des US-Präsidenten. Seitdem die oppositionellen Demokraten die Vorbereitungen für die Amtsenthebung angekündigt haben, feuert Fox News aus allen Rohren gegen die Ermittlungen. Völlig unverblümt ließ die TV-Station ihre Zuschauer nun wissen, was sie von den beiden Zeugen hält, die als erste öffentlich ausgesagt haben:

Als William Taylor, als Elite-Soldat und Karrierediplomat eigentlich ein unbesungener Held der Konservativen, am Mikrofon stand, blendete Fox auf "Erklärtafeln" ein, was man aus Sendersicht über ihn wissen muss: "Präsident Trump weist Taylor als 'Niemals Trumper' zurück." "Weißes Haus nennt Taylor-Aussage hinter verschlossener Tür 'Dritte-Hand-Erzählung'." "Republikaner sagen, Taylor hatte über Ukraine-Gelder kein Wissen aus erster Hand." Jeder Satz für sich genommen ist nicht falsch, doch die Botschaft, die sich daraus ergibt lautet: William Taylor hat seine Informationen nur vom Hörensagen. Sie entspricht eins-zu-eins der Verteidigungslinie der US-Regierung.

Meinung durch Mischung

Die einseitige Parteinahme für das Weiße Haus mag dem gewohnheitsmäßigem Fox-Zuschauer nicht oder nicht mehr auffallen, vermutlich schätzt er es sogar. Dass es auch anders geht, zeigt ein Blick auf die (linksliberale) Konkurrenz: MSNBC – ein Trump-kritischer Sender, hat ebenfalls einen Dreisatz über Taylor eingeblendet. Dort war zu lesen: "Top US-Diplomat, seit Juni in der Ukraine." "Bezeugt, er habe klar vernommen, dass US-Gelder an Ermittlungen gebunden waren." "Schrieb, es sei 'verrückt', die Gelder zurückzuhalten." Die gleiche Person, ein anderes Bild. Während Fox News den Botschafter als ahnungslosen Schwätzer diffamiert, bezieht MSNBC durch die Auswahl der Infohappen zwar Stellung für ihn, gibt sich aber zumindest noch Mühe, halbwegs neutral zu berichten.

Wer ist dieser Adam Schiff?

Die gleiche Richtung verfolgt Fox News auch beim Vorsitzenden des Geheimdienstausschusses des Repräsentantenhauses Adam Schiff. Er ist in seiner Funktion de facto der Chef des Amtsenthebungsverfahrens gegen den US-Präsidenten – und schon allein deshalb Feind Nummer eins von Republikanern wie auch von Donald Trump. In der Fox-Erklärbox hieß es über ihn: "Seit Beginn der Ermittlungen hat Trump über Schiff mehr als 100 Mal getweetet." "Trump hat wiederholt angedeutet, dass Schiff Hochverrat begangen hat." "Republikaner wollen, dass Schiff über Kontakte zum Whistleblower aussagt." Auch hier wieder: Jeder Satz ist für sich genommen nur eine Aussage, doch in der Kombination ergibt daraus das Bild eines zwielichtigen Mannes mit dunkler Agenda.

Der Sender CNN, der normalerweise jeden noch so kleinen Fehltritt Trumps genüsslich ausschlachtet, lässt ausgerechnet den Erzfeind des Präsidenten am großen Tag seiner "Impeachment-Party" schlecht aussehen. Ein Experte bemängelt in beinahe empörten Tonfall, wie peinlich es für den Ausschusschef Adam Schiff sei, dass zwei seiner wichtigsten Zeugen nicht über Erste-Hand-Kenntnisse verfügten. Solche Kritik an Leuten aus dem "eigenen Lager" würde man bei anderen Sendern vergeblich suchen – auch wenn sie im Fall von CNN vermutlich konstruktiv gemeint war.

Auch ein Blick auf die Websites der Sender am Tag nach den ersten Anhörungen zeigt, in welch unterschiedlichen Welten deren Publikum mittlerweile lebt.

Fox News

Screenshot Fox-News

stern

Bei Fox News ist etwa zu lesen: "Demokraten haben keinen Plan für die Amtsenthebung". Oder: "Moderate Demokraten spüren Druck nach Tag eins der Anhörungen."

CNN

Screenshot CNN

stern

Bei CNN heißt es dagegen: "Neue Enthüllungen am ersten Tag der Anhörung zeichnen ein vernichtendes Trump-Porträt". Oder: "Ukraine-Vorwürfe leben in öffentlicher Anhörung wieder auf."

OANN

Screenshot: OANN

stern

"OANN" (ein eher kleiner, ebenfalls Trump-freundlicher Sender aus Kalifornien) schreibt etwa: "Abgeordneter Nunes: Amtsenthebungsverfahren fügt USA großen Schaden zu." Oder: "Neuer Vorwurf: Whistleblower hat um illegale Geschenke gebettelt." Beide Schlagzeilen (eine Meinung, ein Vorwurf) haben offenbar zum Ziel, sowohl den ursprünglichen Informanten, als auch den gesamten Prozess in Verruf zu bringen.

MSNBC

Screenshot MSNBC

stern

MSNBC (wie erwähnt Trump unfreundlich gesonnen) lässt in der prominentesten Geschichte jemanden zu Wort kommen, der behauptet, Trump sei ein Mann Russlands oder ein nützlicher Idiot. Oder: "Senator warnt Republikaner davor, Trumps Verhalten als normal zu betrachten."

Festgefahrende Meinung

Angesichts dieser Spaltung der Medien und deren Filterfunktion glauben Beobachter, dass sich die öffentliche Meinung auch nach Ende der Anhörungen nicht geändert haben wird. Wer bereits jetzt an die Schuld Trumps glaubt, wird es auch danach noch tun und wer das Verfahren als "Hexenjagd" betrachtet, wird später nicht das Gegenteil glauben.

Quellen: Fox News, MSNBC, OANN, Twitter, CNN, TRP Surveys, DPA, AFP