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Fall Skripal Quelle für Nervengift nicht nachweisbar: Britische Regierung beschuldigt Russland weiter

Blick auf die Forschungsanstalt Porton Down - Hier wurde das im Fall Skripal verwendete Nervengift untersucht
In der Forschungsanstalt Porton Down bei Salisbury wurde das im Fall Skripal verwendete Nervengift untersucht. Die genaue Herkunft des Giftes ließ sich nicht klären.
© Ben Stansall / AFP
Die Quellensuche blieb erfolglos. Damit fehlt der britischen Regierung weiterhin ein Beweis, dass Russland hinter der Vergiftung des Ex-Doppelagenten Skripal steckt. Wladimir Putin will nun einen Schlussstrich ziehen.

Kurz vor einem Sondertreffen zum Attentat auf den Ex-Doppelagenten Sergej Skripal haben britische Forscher keinen Beweis für die Herkunft des Giftes aus Russland vorlegen können. Die "präzise Quelle" für die eingesetzte Substanz sei unklar, sagte am Dienstag Gary Aitkenhead, Chef eines Laboratoriums der Forschungsanlage Porton Down, dem britischen Sender Sky News.

Die britische Regierung blieb dennoch bei ihren Anschuldigungen, dass Russland für den Anschlag verantwortlich sei. "Es gibt keine andere plausible Erklärung dafür", teilte das Außenministerium am Abend in London mit. Die Ergebnisse der Laboruntersuchungen seien "nur ein Teil" des Gesamtbildes im Fall Skripal, hob ein Regierungssprecher zudem hervor. Dieses umfasse auch die Kenntnis, "dass Russland im vergangenen Jahrzehnt nach Wegen gesucht hat, um Nervengift vermutlich für Morde zu liefern". 

An diesem Mittwoch befasst sich nun auf Antrag Moskaus der Exekutivrat der Organisation für ein Verbot der Chemiewaffen (OPCW) in einer Sondersitzung in Den Haag mit dem Fall Skripal. Russische Behörden fordern, in die Ermittlungen miteinbezogen zu werden. "Wir sind an einer vollwertigen Aufklärung interessiert", sagte Russlands Präsident Wladimir Putin während eines Aufenthalts in Ankara. Dann schraubte er die Anforderungen an den OPCW-Termin hoch: "Wir sind an einer vollwertigen Aufklärung interessiert."

Bestätigt: Skripal mit Nowitschok vergiftet

Nach Angaben des Experten Aitkenhead haben die Untersuchungen bestätigt, dass bei dem Attentat ein Nervengift aus der Nowitschok-Gruppe verwendet worden ist. Dieser Kampfstoff wurde in der früheren Sowjetunion hergestellt. London hatte direkt Putin als Drahtzieher des Anschlags beschuldigt - aber bislang keine klaren Belege dafür vorgelegt. In diesem Zusammenhang geriet der britische Außenminister Boris Johnson am Dienstag ins Zwielicht, weil er bereits am 20. März in einem Interview mit dem englischen Programm der Deutschen Welle behauptet hatte, die Experten in Porton Down hätten "kategorisch" die Ansicht vertreten, das Gift käme nachweislich aus Russland.

Es handele sich um militärisch verwendbares Nervengift, das extrem schwer herzustellen sei, sagte Aitkenhead weiter. Daher könne eigentlich nur ein Staat hinter dem Anschlag stecken. Man habe das Ergebnis der britischen Regierung mitgeteilt. Sie sei auch aufgrund anderer Quellen zu ihren Schlussfolgerungen gekommen.

Der Streit zwischen Moskau und London führte zu einer schweren diplomatischen Krise. Russland hatte Ende vergangener Woche die Ausweisung von etwa 150 seiner Diplomaten aus rund 25 Ländern und der Nato damit beantwortet, dass es die gleiche Zahl ausländischer Diplomaten des Landes verwies. 

Kreml: Nowitschok in Porton Down hergestellt?

Die auch für militärische Forschungszwecke genutzte Anlage Porton Down liegt nahe der südenglischen Stadt Salisbury. Dort waren am 4. März Sergej Skripal und seine Tochter Julia bewusstlos auf einer Parkbank entdeckt worden. 

Der Kreml wies bislang alle Vorwürfe strikt zurück und drehte den Spieß um: Die Substanz könnte in Großbritannien - etwa in Porton Down - und anderen Ländern hergestellt worden sein, heißt es aus Moskau. Das wies Aitkenhead am Dienstag zurück. "Es ist absolut unmöglich, dass das von uns kommt oder unsere Mauern verlassen haben könnte."

Russland: OPCW reagiert nicht auf Fragenkatalog

Auf Antrag Russlands sollte die OPCW-Sitzung unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden. Die Organisation ist verantwortlich für die Umsetzung der Chemiewaffenkonvention aus dem Jahre 1997.

Russland hatte der OPCW zuvor einen Fragenkatalog zur Klärung des Vorfalls geschickt. Nach russischen Angaben wollte die Organisation noch vor Beginn der Sondersitzung antworten. "Wir haben auf keine unserer Fragen eine Antwort erhalten", sagte der russische EU-Botschafter Wladimir Tschischow am Dienstagabend im TV-Sender Rossija-24. 

dho DPA AFP

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