Finanzkrise USA und EU planen Serie von Weltgipfeln


Es geht um den "Kapitalismus der Zukunft": Die USA und die EU wollen mit einer Serie von Weltfinanzgipfeln die aktuelle Bankenkrise bewältigen und den internationalen Finanzsektor reformieren. Der erste Gipfel soll schon im November stattfinden.

Ziel der Gipfelserie ist es, eine Wiederholung der Turbulenzen zu verhindern. Darauf einigten sich US-Präsident George W. Bush, der französische Staatschef und EU-Ratsvorsitzende Nicolas Sarkozy sowie EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso in Camp David. "Wir müssen sicherstellen, dass sich solche Krisen nicht wieder ereignen", betonte Bush. Nach den Worten Sarkozys geht es darum, gemeinsam "den Kapitalismus der Zukunft" aufzubauen. Barroso sagte: "Wir brauchen eine neue internationale Finanzordnung."

An der Gipfelserie, die mit einem ersten Treffen bald nach den US-Wahlen (4. November) in den USA beginnen könnte, sollen neben den führenden Industriestaaten auch Schwellenländer wie China und Indien teilnehmen, hieß es. Wie die "Washington Post" unter Berufung auf US-Regierungsbeamte berichtete, sollen auch Saudi-Arabien, Südkorea, Brasilien und Australien geladen werden. In einer gemeinsamen Erklärung von Bush, Sarkozy und Barroso hieß es, der Gedanke der Gipfelserie solle bereits diese Woche mit "weiteren politischen Führern in der Welt" erörtert werden.

"Da die Krise in New York begann, müssen die Lösungen auch in New York gefunden werden", sagte Sarkozy vor dem rund dreistündigen Treffen im Regierungssitz Camp David. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon bot an, den Gipfel bei den Vereinten Nationen in New York auszurichten, was die USA aber intern bereits ablehnten.

Konkrete Schritte zur Krisenbewältigung

Beim ersten Gipfeltreffen gehe es darum, "Fortschritte bei der Bekämpfung der gegenwärtigen Krise zu überprüfen" sowie "Einigkeit über Grundsätze notwendiger Reformen" zu erzielen, um eine Wiederholung der Turbulenzen zu verhindern, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung von Bush, Sarkozy und Barroso. Bei den weiteren Gipfeln soll es um die Verwirklichung konkreter Schritte zur Krisenbewältigung gehen. Wie viele Spitzentreffen geplant sind, war zunächst nicht bekannt.

Sowohl Bush als auch Sarkozy warnten vor einem Rückfall in Abschottung und Protektionismus. Zugleich wurden aber bereits unterschiedliche Erwartungen für die anstehenden Gipfelberatungen zwischen den USA und der EU deutlich. Während Bush mahnte, "die Grundlagen des demokratischen Kapitalismus" wie freier Handel, freier Markt und freies Unternehmertum müssten garantiert werden, forderte Sarkozy tiefgreifende Reformen und Kontrollmaßnahmen im Finanzsektor. "Wir können nicht mehr auf dieselbe Art und Weise weitermachen, weil dieselben Probleme dieselben Katastrophen auslösen werden."

Sarkozy prangert Hedge-Fonds an

Ausdrücklich prangerte Sarkozy Auswüchse des gegenwärtigen Systems wie etwa Hedge-Fonds an. "Hedge-Fonds können nicht weiterhin so operieren wie sie es in der Vergangenheit getan haben. Ebenso wenig Steueroasen und Finanzinstitutionen, die keinerlei Kontrolle unterliegen. Das ist nicht länger hinzunehmen, das ist nicht mehr länger möglich", sagte Sarkozy. "Diese Art von Kapitalismus ist ein Betrug an der Art von Kapitalismus, an den wir glauben."

Auch Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hält eine Reform des Weltfinanzsystems für "dringend erforderlich". Ackermann sagte der Zeitung "Bild am Sonntag", die geplanten Weltfinanzgipfel sollten "für die global eng verflochtenen Finanzmärkte die passenden globalen Institutionen und Regelwerke einrichten, das bestehende Weltfinanzsystem, das noch aus der Zeit vor der Globalisierung stammt, reformieren. Das ist auch dringend erforderlich."

Nach Angaben der "Zeitung Washington Post" sollen bei den Gipfeln unter anderem die Aufsichts- und Kontrollmechanismen für große Banken, Hedge-Fonds und Rating-Agenturen gestärkt werden. Außerdem gehe es darum, die Transparenz der Finanzmärkte zu verbessern, berichtet die Zeitung unter Berufung auf Quellen im Weißen Haus.

DPA DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker