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Gaza-Krieg: Israel bestätigt versuchte Tötung von Hamas-Militärchef

Im Gaza-Krieg sprechen wieder die Waffen: Die Hamas schießt mit Raketen, Israel antwortet mit Luftangriffen. Einer dieser Angriffe galt dem Militärchef der Hamas - und traf seine Familie.

Schon vor Ende der Waffenruhe wurden aus Gaza wieder Raketen in Richtung Israel abgefeuert

Schon vor Ende der Waffenruhe wurden aus Gaza wieder Raketen in Richtung Israel abgefeuert

Nach dem Ende der mehrtägigen Waffenruhe haben sich Israel und die radikalislamische Hamas wieder Gefechte geliefert. Nachdem schon Stunden vor Ablauf der befristeten Feuerpause in der Nacht zum Mittwoch Raketen in Israel eingeschlagen waren, flog auch Israels Luftwaffe wieder Angriffe im Gazastreifen. Dabei wurden nach letzten Angaben der Hamas auch die Frau und ein Sohn ihres Militärchefs Mohammed Deif getötet. Zunächst hatte die Hamas angegeben, die Frau und eine zwei Jahre alte Tochter Deifs seien bei dem Angriff gestorben. Die palästinensischen Rettungsdienste meldeten zwei Todesopfer, eine Frau und ein zweijähriges Kind, und sprachen von 45 Verletzten.

Israel bestätigte am Mittwochmorgen den Versuch einer gezielten Tötung von Deif. Dieser sei "ein legitimes Ziel", sagte Innenminister Gideon Saar im Armeeradio. Wie der frühere Chef des Terrornetzwerks al Kaida, Osama bin Laden, habe er "den Tod verdient".

Mohammed Deif gilt in Gaza als einer der wichtigsten Drahtzieher der Hamas und soll einer der Hintermänner der jüngsten Raketenangriffe sein. Er hat schon mehrere Attentate durch Israel überlebt. "Wenn sich die Gelegenheit bietet, muss sie genutzt werden, um ihn zu töten", sagte Saar im Armeeradio. Ob Deif bei dem Angriff auch getötet worden sei, wisse er nicht, so Saar.

Hamas erklärt Flughafen von Tel Aviv zum Ziel

Die Hamas nahm derweil den internationalen Flughafen von Tel Aviv ins Visier. Als Antwort auf israelische Angriffe sei Ben-Gurion für Mittwoch als Ziel ausgewählt worden, erklärte ein Kommandeur der Islamisten. Internationale Fluggesellschaften sollten den Flughafen meiden. Den israelischen Behörden zufolge ging der Betrieb dort zunächst ohne Störung weiter.

Am Dienstagnachmittag waren Raketen in Tel Aviv und in der südisraelischen Stadt Beerscheba eingeschlagen. Die Hamas bekannte sich zu den Angriffen und sprach von 34 abgefeuerten Geschossen, die israelische Armee von rund 50.

Der bewaffnete Arm der Hamas, die Essedin-al-Kassam-Brigaden, erklärte, am Dienstagabend sei auch eine Rakete auf Jerusalem abgefeuert worden. Kurz zuvor war in der israelischen Hauptstadt Luftalarm ausgelöst worden. Nach Polizeiangaben schlug offenbar aber nur ein Geschoss außerhalb des Stadtgebiets im Westjordanland ein. Israel bombardierte nach Armeeangaben als Reaktion auf die Raketenangriffe mehr als 25 Ziele im Gazastreifen.

Gegenseitige Schuldzuweisungen

Die Regierung in Jerusalem zog aus Protest gegen die neuen Raketenangriffe ihre Verhandlungsdelegation aus Kairo ab. Beide Seiten gaben sich gegenseitig die Schuld für den Abbruch der Gespräche unter ägyptischer Vermittlung. Damit ging die zehntägige Periode relativer Ruhe zu Ende. Der Konflikt war Anfang Juli aufgeflammt. Insgesamt sollen seitdem mehr als 2000 Menschen ums Leben gekommen sein, die allermeisten von ihnen Palästinenser.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte den Bruch der von Ägypten vermittelten Waffenruhe aufs Schärfste. Ban sei sehr enttäuscht über die Wiederaufnahme der Feindseligkeiten. Er erinnerte nach Angaben der Vereinten Nationen vom Dienstag in New York beide Seiten an ihre Verantwortung, die Lage nicht eskalieren zu lassen. Ban rief Israel und die Palästinenser auf, sich umgehend auf eine dauerhafte Feuerpause zu verständigen.

mad/kng/Reuters/AFP/DPA / DPA / Reuters