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GEGENSCHLAG: Truppenaufmarsch am Persischen Golf

Mit intensiven Truppenbewegungen bereiten sich die USA auf ihre Offensive gegen den Terror vor. Verwirrung stiftet zurzeit der angebliche Abschuss einer US-Spionagedrohne durch die Taliban.

Mit intensiven Beratungen und Truppenbewegungen bereiten sich die USA auf ihre angekündigte Offensive gegen den Terror vor. Präsident George W. Bush setzte am Wochenende auf seinem Landsitz in Camp David Videokonferenzen mit seinen Beratern an. Weitere Luftwaffeneinheiten, Kampfflugzeuge und Kriegsschiffe wurden zum Persischen Golf beordert. Unterdessen wurden Warnungen vor neuen Terroranschlägen laut.

»Die Frage lautet nicht: 'ob', sondern 'wann'«

Es sei keine Frage des ?Ob?, sondern des ?Wann?, erklärte Senator Pat Roberts nach einem Treffen mit Ermittlern in Washington. Bush plane auch die Veröffentlichung einer Liste von Terrororganisationen und deren Hintermänner, verlautete aus Regierungskreisen. Zudem werde an einem Bericht gearbeitet, der eine Verwicklung des mutmaßlichen Topterroristen Osama Bin Laden in die Anschläge belegen soll. Bin Laden wird in Afghanistan vermutet, wo ihm die regierende Taliban-Miliz Unterschlupf gewährte. Die USA haben Bin Laden als Hauptverdächtigen der Anschläge benannt und seine Auslieferung gefordert.

Wem gehört die Drohne

Die Taliban meldeten den Abschuss eines Aufklärungsflugzeuges im Norden des Landes. Der afghanische Botschafter in Pakistan, Abdul Salam Saif, erklärte, man versuche derzeit herauszufinden, welchem Land die Drohne gehöre. Das US-Verteidigungsministerium lehnte jeden Kommentar ab.

Aus dem Norden Afghanistans wurden auch schwere Kämpfe zwischen Taliban und Oppositionskräften gemeldet. Unterdessen brachen die Vereinigten Arabischen Emirate die diplomatischen Beziehungen zu Afghanistan ab. Damit wird das Taliban-Regime nur noch von Pakistan und Saudi-Arabien als rechtmäßige afghanische Regierung anerkannt.

EU wollen auch militärischen Beistand leisten

Die Europäische Union bekräftigte, sie stehe bei einem Gegenschlag der USA auch militärisch fest an der Seite der Regierung in Washington. In einer am Freitagabend auf dem Sondergipfel der EU-Staats- und Regierungschefs in Brüssel verabschiedeten Erklärung heißt es: »Die Europäische Union ist bereit, sich an derartigen Aktionen, die gezielt sein müssen, zu beteiligen.« Die EU-Führer riefen auch zu einer »möglichst umfassenden globalen Koalition gegen den Terrorismus unter der Ägide der Vereinten Nationen auf«.

Die Türkei gestattete Transportflugzeugen der US-Luftwaffe die Nutzung des Luftraums und der Flughäfen des Landes für eine mögliche Vergeltungsaktion. Auch Tadschikistan, das an Afghanistan grenzt, erklärte sich zu einer Unterstützung der USA bereit.

In New York gingen die Aufräumarbeiten weiter. Mehr als 6.000 Menschen gelten nach den Anschlägen auf das World Trade Center noch als vermisst. Die Auswertung des Stimmenrekorders der am 11. September in Pennsylvania abgestürzten United-Airlines-Maschine nährt derweil Spekulationen über einen Kampf an Bord. Die »New York Times« berichtete am Samstag unter Berufung auf Behördenvertreter, die Auswertung des Stimmenrekorders habe Kampfgeräusche und Schreie auf Arabisch und Englisch zu Tage gebracht.

Festnahmen in Kanada und Großbritannien

Die amerikanischen Justizbehörden eröffneten unterdessen ein Strafverfahren gegen einen Mann, der am Tag der Terroranschläge mit zwei Lufthansa-Uniformen und falschen Papieren nach Chicago fliegen wollte. Wie die Staatsanwaltschaft am Freitag mitteilte, wurde Nageeb Abdul Jabar Mohamed al Hadi in Kanada festgenommen. Er war an Bord eines deutschen Flugzeugs, das nach Toronto umgeleitet worden war. Sondereinheiten der britischen Polizei nahmen am Freitag in Zusammenhang mit den Terroranschlägen drei Männer und eine Frau in London und Birmingham fest.

Rasterfahndung in Berlin und Hamburg

Als zweites Bundesland nach Hamburg leitete Berlin eine groß angelegte Rasterfahndung nach islamischen Extremisten und Terroristen ein. Das berichtet die »Berliner Morgenpost« unter Berufung auf Berliner Senatskreise. Mitarbeiter des Landeskriminalamtes überprüften in Meldestellen und an Hochschulen Daten von Studenten und anderen Personen aus 14 arabischen Ländern.

Der US-Kongress billigte ein Soforthilfeprogramm im Umfang von 15 Milliarden Dollar (31,9 Milliarden Mark) zur Stützung der US-Fluggesellschaften. Die Luftfahrtbranche ist als Folge der Anschläge in schwere Turbulenzen geraten. Zahlreiche Fluggesellschaften haben bereits den Abbau von zehntausenden Arbeitsplätzen angekündigt. International wird mit der Streichung von über 100.000 Stellen gerechnet. Auch die 15 EU-Staaten wollen nach Angaben von Bundesfinanzminister Hans Eichel den wegen der Terroranschläge in den USA in Bedrängnis geratenen Fluggesellschaften mit staatlichen Haftungsgarantien unter die Arme greifen.