Geisel-Heimfahrt "Feuer und Kugeln regneten auf uns nieder"


Unter dem Applaus tausender Trauergäste ist der Sarg des getöteten italienischen Geheimdienstbeamten Nicola Calipari in die Kirche getragen worden. Die befreite Journalistin Giuliana Sgrena erneuerte die Vorwürfe gegen die US-Regierung.

In Rom hat am Montag das Staatsbegräbnis für den im Irak getötete Geheimdienstmitarbeiter Nicola Calipari begonnen. An der Zeremonie in der Kirche Santa Maria degli Angeli in der Innenstadt nehmen unter anderem Staatspräsident Carlo Azeglio Ciampi, Ministerpräsident Silvio Berlusconi sowie die Hinterbliebenen des 52-jährigen Italieners teil. Tausende Trauergäste spendeten langen Applaus, als der Sarg in die Kirche getragen wurde.

posthum die Tapferkeitsmedaille verliehen

Am Sonntag traf der in eine italienische Flagge gehüllte Sarg Caliparis an Bord einer Militärmaschine in Rom ein. Zugegen waren neben Caliparis Witwe und den beiden Kindern auch Staatspräsident Carlo Azeglio Ciampi und Ministerpräsident Silvio Berlusconi. Die Autopsie ergab, dass Calipari von einer Kugel in die Schläfe getroffen wurde und sofort tot war. Ihm soll posthum die Tapferkeitsmedaille verliehen werden. Der im Krankenhaus liegende Papst Johannes Paul II. bezeichnete Calipari in einem Beileidstelegramm an seine Familie als einen "großzügigen Helden". Die Staatsanwaltschaft nahm eine Untersuchung auf.

Calipari hatte entscheidend an den Verhandlungen zur Freilassung Giuliana Sgrenas mitgewirkt, die am 4. Februar in Bagdad entführt worden war. Bei dem Beschuss wurde die Journalistin verletzt. Ihr wurden in einem Bagdader US-Lazarett Munitionssplitter aus der Schulter entfernt, in Italien sollte sie erneut operiert werden. US-Präsident George W. Bush bekundete in einem Telefongespräch mit Berlusconi sein Bedauern über den Vorfall und sicherte eine umfassende Untersuchung zu. Die Organisation Reporter ohne Grenzen verlangte, der Vorfall müsse von den Vereinten Nationen untersucht werden.

"Die Amerikaner sind gegen diese Art von Operation"

Sgrena sagte, sie habe Caliparis Witwe versprochen, die Wahrheit über den dramatischen Zwischenfall nach ihrer Freilassung herauszufinden. "Solch außergewöhnliche Menschen dürfen nicht grundlos sterben", sagte Sgrena im Fernsehsender TG5.

Die Journalistin schloss nicht aus, dass die amerikanischen Soldaten das Fahrzeug, das sie und Calipari zum Flughafen bringen sollte, absichtlich beschossen hatten. In einem am Montag veröffentlichten Interview der Tageszeitung "Corriere della Sera" sagte sie: "Ich glaube, aber das ist nur eine Hypthese, dass ihnen das glückliche Ende der Verhandlungen unangenehm war. Die Amerikaner sind gegen diese Art von Operation. Krieg ist für sie Krieg, ein Menschenleben zählt nicht viel."

"Sofort habe ich seinen letzten Atemzug gespürt"

Der Wagen war an einer Straßensperre von US-Soldaten beschossen worden, Calipari wurde getötet. "Ich erinnere mich nur an das Feuer", schrieb Sgrena aus dem Krankenhaus. "Feuer und Kugeln regneten auf uns nieder und brachten die fröhlichen Stimmen für immer zum Schweigen." Der Fahrer habe gerufen, dass sie Italiener seien. Dann habe sich Calipari über sie geworfen und "sofort habe ich seinen letzten Atemzug gespürt, als er starb", schrieb sie weiter. In diesem Moment habe sie sich an die Worte ihrer Entführer erinnert, die sie zu größter Vorsicht ermahnt hätten, "weil die Amerikaner nicht wollen, dass du zurückkehrst".

Die US-Streitkräfte erklärten, die Soldaten hätten versucht, den Wagen mit Handsignalen und Lichtblitzen zum Anhalten zu bewegen. Danach seien Warnschüsse abgegeben worden. In einem Interview mit dem Fernsehsender Italiana La 7 TV sagte Sgrena dagegen, es habe keine solchen Signale gegeben. Bei dem Zwischenfall wurden nach Angaben der italienischen Truppen zwei weitere Beamte verletzt.

Weder die italienischen noch die amerikanischen Behörden äußerten sich zu den genauen Umständen der Freilassung der 56-jährigen Journalistin, die auch für die deutsche Wochenzeitung "Die Zeit" schreibt. Nach Angaben eines irakischen Abgeordneten floss ein Lösegeld in Höhe von einer Million Dollar. Judaam Jussef Kanna sagte im belgischen Fernsehen, im lägen entsprechende Informationen vor. Ihren Kollegen von "Il Manifesto" sagte Sgrena nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Ansa, ihre Entführer hätten sie niemals schlecht behandelt.

AP/DPA AP DPA

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