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Mindestens 80 Tote und 320 Verletze: Gewaltige Bombe explodiert in Kabul, deutsche Botschaft schwer beschädigt

Der Sprengsatz explodierte mitten im morgendlichen Stoßverkehr: Bei einem Autobombenanschlag nahe der deutschen Botschaft in Kabul sind Dutzende Menschen getötet und verletzt worden.

Verletze Frauen nach der Bombenexplosion nahe der deutschen Botschaft

Verletze Frauen nach der Bombenexplosion nahe der deutschen Botschaft. Als der Sprengsatz explodierte, waren Tausende Angestellte gerade auf dem Weg zu ihrer Arbeitstelle in dem Diplomatenviertel

Bei dem verheerenden Anschlag im Diplomatenviertel von Afghanistans Hauptstadt Kabul sind mindestens 80 Menschen getötet und mehr als 300 weitere verletzt worden. Auch ein afghanischer Wachmann der deutschen Botschaft wurde getötet, wie Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) mitteilte. Dem afghanischen Innenministerium zufolge sprengte sich ein Selbstmordattentäter mit einem mit Sprengstoff beladenen Lkw in die Luft.

Der Anschlag sei "in unmittelbarer Nähe der deutschen Botschaft verübt" worden, teilte Gabriel in Berlin mit. Mehrere Bedienstete der Botschaft seien verletzt worden. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier verurteilte den Anschlag "auf das Schärfste" und drückte den Angehörigen des getöteten Wachmanns sein tiefes Beileid aus. Das Auswärtige Amt richtete einen Krisenstab ein.

Bombe explodiert im morgendlichen Stoßverkehr

Die gewaltige Explosion auf dem Sanbak-Platz hatte Kabul im morgendlichen Stoßverkehr erschüttert. Mehr als 50 Fahrzeuge wurden zerstört oder beschädigt. Über dem Anschlagsort stieg dicker schwarzer Rauch auf. Auf der Straße lagen Leichen, blutüberströmte Überlebende und völlig verängstigte Schülerinnen versuchten sich in Sicherheit zu bringen.

Dem afghanischen Gesundheitsministerium zufolge wurden mindestens 80 Menschen getötet. Mehr als 300 Menschen seien verletzt worden, darunter auch viele Frauen und Kinder. Die Opferzahl könne noch weiter steigen, weil immer noch Leichen unter den Trümmern entdeckt würden.

Deutsche Botschaft beschädigt

Der britische Sender BBC teilte mit, einer seiner Fahrer sei bei dem Anschlag getötet worden. Vier BBC-Journalisten wurden demnach verletzt. Das afghanische Innenministerium rief die Einwohner Kabuls zu Blutspenden für die Verletzten auf.

Die Wucht der Detonation war noch in hunderten Metern Entfernung zu spüren. In der Nähe des Anschlagsortes liegen mehrere ausländische Botschaften. Nach Angaben der französischen Regierung wurden die deutsche und die französische Botschaften beschädigt. Am Gebäude der indischen Vertretung entstanden Botschafter Manpreet Vohra zufolge "beträchtliche Schäden". In der japanischen Botschaft erlitten zwei Mitarbeiter Schnittwunden durch zerborstene Fensterscheiben.

Bislang bekannte sich niemand zur Tat

Zu der Attacke bekannte sich zunächst niemand. Ende April hatten die radikalislamischen Taliban ihre jährliche "Frühjahrsoffensive" gestartet und ihre Angriffe verschärft. Zudem hatte die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) zuletzt wiederholt Anschläge in Kabul für sich reklamiert.

Die Sicherheitslage in Afghanistan ist weiterhin äußerst instabil. Mehr als ein Drittel des Landes wird nicht von den Sicherheitskräften der Regierung kontrolliert. In Kabul waren Anfang Mai bei einem Sprengstoffanschlag, den die IS-Miliz für sich reklamierte, mindestens acht Menschen getötet worden.

Der ursprünglich für diesen Mittwoch geplante Flug zur Abschiebung abgelehnter Asylbewerber nach Afghanistan wird wegen des schweren Anschlags in Kabul verschoben. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Mittwoch aus Regierungskreisen. Hintergrund seien organisatorische Fragen. An der grundsätzlichen Haltung zu Abschiebungen in das Land hält die Regierung fest.

pg / AFP / DPA