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Griechenland-Krise: Schwarzgeld-Skandal überschattet Tsipras-Besuch bei Merkel

Bringt der Besuch von Regierungschef Tsipras bei Bundeskanzlerin Merkel die Lösung der Griechenland-Krise? Europa schaut heute nach Berlin. Doch nun sorgt ein Schwarzgeld-Skandal für Schlagzeilen.

Findet Griechenlands Regierungschef Alexis Tsipras während seines Besuchs in Berlin den richtigen Ton bei Bundeskanzlerin Angela Merkel?

Findet Griechenlands Regierungschef Alexis Tsipras während seines Besuchs in Berlin den richtigen Ton bei Bundeskanzlerin Angela Merkel?

Vor dem Besuch des griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras heute in Berlin bemühen sich beide Seiten um Signale der Entspannung. Kanzlerin Angela Merkel wird Tsipras hochoffiziell mit militärischen Ehren empfangen. Bei dem Treffen geht es vor allem um den Finanzbedarf und die Reformpolitik des pleitebedrohten Landes. Doch just zum Termin des Besuches sorgt ein Bericht der "Bild"-Zeitung über einen angeblichen Schwarzgeld-Skandal für neue Aufregung.

Wie das Blatt erfahren haben will, will die griechische Regierung deutsche Rüstungsfirmen auf mehrere hundert Millionen Euro Entschädigung verklagen. Grundlage sollen bisher unbekannte Dokumente sein, die dem Verteidigungsministerium in Athen vorliegen. Angeblich wurden zwei Fälle bereits vor Gericht gebracht, 14 weitere sollen untersucht werden. Die Gesamtforderungen könnten sich auf mehrere hundert Millionen Euro summieren, heißt es.

Konkret soll es um den Verkauf von 90 Hubschraubern durch den deutsch-französischen Konzern Eurocopter gehen. Dabei sollen dem Bericht zufolge 41 Millionen Euro Schwarzgeld geflossen sein. Wie die "Bild" zu dem berichtet, sollen auch beim Verkauf von U-Booten an Griechenland Schwarzgelder geflossen sein - angeblich rund 62 Millionen in diesem Fall. Im Fokus der griechischen Ermittler seien daher auch die Firmen Rheinmetall und STN Atlas. Bisher gibt es noch keine Bestätigung zu dem Fall.

Gabriel: "Wirklich einen Neustart schaffen"

Dessen ungeachtet, schlug nach der verbalen Eskalation der Vortage, bei der vor allem das vermeintliche "Stinkefinger-Video" von Finanzminister Yanis Varoufakis im Mittelpunkt stand, der bereits am Sonntag angereiste griechische Außenminister Nikos Kotzias versöhnliche Töne an: "Es gibt eine langfristige Freundschaft und gemeinsame Interessen" beider Länder, sagte er der Deutschen Welle. "Das Wichtigste ist, dass man sich gegenseitig besser versteht, dass man die Stereotypen, die es gibt auf beiden Seiten, abbaut."

Vizekanzler Sigmar Gabriel erhofft sich, wieder eine gemeinsame Arbeitsgrundlage zu finden. "Ich persönlich erwarte, dass wir wirklich einen Neustart schaffen", sagte der SPD-Vorsitzende und Bundeswirtschaftsminister im ARD-"Bericht aus Berlin" über Tsipras' Besuch. "Beide Seiten müssen sich ehrlich machen. Die griechische Regierung muss klar erkennen, dass ja der Rest Europas, auch Deutschland, helfen will, aber dass wir das nicht ohne Gegenleistungen, ohne faire Verabredungen über die notwendigen Reformen tun können." Und umgekehrt gelte: "In der Vergangenheit haben die Hilfspakete vor allem Banken gedient, aber nicht den Menschen. Das glaube ich, müssen wir ändern."

Hoffnung auf konstruktive Gespräche

Die von Links- und Rechtspopulisten getragene Athener Regierung hatte die Euro-Partner bei ihren Rettungsbemühungen für das pleitebedrohte in den letzten Monaten auf eine harte Probe gestellt. Sie machte vor allem Merkel und Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) für ein Spardiktat der internationalen Geldgeber verantwortlich, das vor allem ärmere Menschen treffe. Doch die Zeit drängt: Laut "Frankfurter Allgemeiner Sonntagszeitung" hat die griechische Regierung nur noch Geld bis zum 8. April.

Linksfraktionschef Gregor Gysi hofft auf eine Entspannung der Beziehungen. "Es wäre von großer Relevanz, wenn die Verkrampfung überwunden, eine gewisse Leichtigkeit im Umgang und sogar ein Stück Vertrauen hergestellt werden könnten", sagte er der Deutschen Prsse-Agentur. Dazu müsse auch Merkel beitragen: "Die Kanzlerin muss darauf verzichten, nur Recht haben zu wollen, und akzeptieren, dass frühere Vereinbarungen auch geändert werden können." Ähnlich äußerte sich die Grünen-Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt in der "Saarbrücker Zeitung".

Der deutsche EU-Parlamentspräsident Martin Schulz (SPD) sagte am Sonntagabend in der ZDF-Sendung "Berlin direkt" mit Blick auf Tsipras: "Ich hoffe, das er morgen konstruktiver ist, als ein Teil seiner Regierung es in den letzten Wochen war."

dho/mit DPA