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Reaktionen auf Parlamentswahl: "Viel Erfolg, Griechenland. Du brauchst ein Wunder"

Die Linken jubeln und der Rest Europas schaut etwas ungläubig aber weitgehend entspannt auf das deutliche Wahlergebnis in Griechenland - die Reaktionen auf den Sieg der linken Syriza

Der Wahlsieg von Alex Tsipras ist erst wenige Stunden alt - und schon ist er als Ministerpräsident vereidigt. Die neue Regierung Griechenlands steht bereits - #link;http://www.stern.de/politik/ausland/griechenland-wahl-wer-wird-das-land-kuenftig-regieren-2168853.html;eine gewagte Koalition aus der linken Syriza und den rechtspopulitischen Unabhängigen Griechen. Die Reaktionen auf die neuen Machtverhältnisse in Griechenland fallen höchst unterschiedlich aus:

Die Euro-Befürworter fürchten nicht, dass Griechenland den Euro verlässt und scheitert. Sie fürchten, dass Griechenland den Euro verlässt und aufblüht."

Als ob es ihr eigener Sieg wäre:

Linken

-Anhänger in Athen. Die Partei-Fraktion im EU-Parlament kommentiert den Wahlsieg mit den Worten: "Dies ist der erste Schritt, um die Verarmungspolitik der politischen Eliten zu beenden."

Zeitung "Rheinpfalz" aus Ludwigshafen:
Alexis Tsipras hat die Wahl klar gewonnen. Aber ob er dieses Sieges froh wird? Die utopischen Sozialprogramme, die Syriza im Wahlkampf versprach, sind nicht finanzierbar. Das bedeutet: Tsipras muss Abstriche machen.

Der britische "Economist" zeigt auf einer Karte, wo die Syriza-Wähler leben.

Syriza-Chef Alexis Tsipras, Wahlssieger:
"Das griechische Volk hat Geschichte geschrieben. Es lässt die desaströse Sparpolitik hinter sich."

Nea-Demokratia-Chef Antonis Samaras, Wahlverlierer:


"Das griechische Volk hat gesprochen und dies respektiere ich. Es wurden Fehler gemacht, aber ich übergebe heute ein Land ohne Defizite, das Mitglied der EU ist."

SPD-Chef Sigmar Gabriel:


"Wir müssen den Menschen die Wahrheit sagen. In Griechenland und in Deutschland. Die Anstrengungen in Griechenland, die Schulden zu reduzieren und das Land aufzubauen, müssen weitergehen. Und dann gehen auch unsere europäischen und deutschen Hilfen weiter."

AfD-Chef Bernd Lucke:


"Ein Schuldenschnitt für Griechenland muss sein - insoweit hat Syriza völlig recht. Das Geld ist ohnehin verloren, aber wenn wir jetzt endgültig darauf verzichten, muss Griechenland im Gegenzug den Euro verlassen."

"Viel Erfolg, Griechenland. Leider kann in der globalisierten Welt kein Politiker zaubern, auch wenn Griechenland ein echtes Wunder bräuchte."

Die "Rheinische Post", Düsseldorf:
"Das griechische Volk hat keine Geduld mehr mit seinen Geldgebern, und die Geduld der Geldgeber mit Hellas geht auch zu Ende. Hier fahren nach dem fulminanten Syriza-Wahlsieg zwei Züge aufeinander zu. Ein politisch von niemandem gewollter, aber technisch nicht zu vermeidender Euro-Austritt wäre für die Griechen selbst schlimmer als für die Euro-Zone, die viel dafür getan hat, sich zu immunisieren. Griechenland würde ins Chaos und in Armut stürzen. Wahlsieger Tsipras weiß das genauso gut wie seine Verhandlungspartner. Die haben daher die besseren Karten. Das sollten sie nutzen."

CDU-Generalsekretär Peter Tauber:


"Die Regierung aus Rechten und Linken in Griechenland ist eine orignelle Lösung. Wir gehen davon aus, dass das Land seine Verpflichtungen einhält."

Europaparlamentspräsident Martin Schulz (SPD):


Für einen Schuldenschnitt, gibt es keine Mehrheiten in Europa. Syriza-Chef Tsipras ist ein Pragmatiker, "der ziemlich genau weiß, dass er auch Kompromisse eingehen muss."

Grünen-Europapolitiker Manuel Sarrazin:


"Der angebliche Hoffnungsträger der europäischen Linken geht nur wenige Stunden nach seinem Wahlsieg in Griechenland mit Rechtspopulisten ins Bett. Der neuen Regierung in Athen wird es schwer fallen, in Europa Vertrauen zu schaffen."

Nach dem Sieg von Syriza ist die Athener Börse am Montag deutlich abgesackt. Der Leitindex Athex verlor zum Handelsstart gut zwei Prozent, nach zehn Minuten stand er 5,5 Prozent im Minus.

Der Deutsche Aktienindex (Dax) hingegen zeigte sich wenig beeindruckt von den Ereignissen in Griechenland und stieg langsam vor sich hin.

Die russische Nachrichtenagentur RT stellt die These auf: "Euro gleich Todesurteil für Generationen von Griechen?"

Ein für Europäer ganz anderen Aspekt des Wahlergebnisses beleuchtet die "European Jewish Press". Das Wahlergebnis sei eine "schlechte Nachricht für Israel", da Syriza eine anti-israelische Agenda verfolge.

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann:


"Griechenland ist nach wie vor auf Hilfen seiner Partner angewiesen. Und das heißt natürlich auch, dass es ein solches Programm nur geben kann, wenn die Verabredungen auch eingehalten werden."

"Griechenland wird den Euro nicht aufgeben, aber ihn sehr durcheinanderwirbeln."

Niels Kruse