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Omarosa gegen den US-Präsidenten Hat Trump das "N-Wort" gesagt? Niemand weiß es, doch er kennt ähnlich üble Beleidigungen

"Es ist Zeit für eine Kurskorrektur. Wir haben immer über den Trump-Zug gesprochen, aber der Trump-Zug ist entgleist. Ich glaube nicht, dass er den Pflichten des Präsidentschaftsamts gewachsen ist. Er sollte nicht im Amt sein. " Zwischen Trump und seiner ehemaligen Mitarbeiterin Omarosa Manigalt-Newman geht es ganz und gar nicht mehr freundlich zu. Omarosa machte Wahlkampf für Trump, war ein Jahr Kommunikationsdirektorin im Weißen Haus – bis sie entlassen wurde. Im August 2018 veröffentlicht sie ein Buch über ihre Zeit im Weißen Haus – und lässt kein gutes Wort am Präsidenten. "Das ist ein Weißes Haus in dem jeder lügt. Der Präsident lügt das amerikanische Volk an. Sarah Huckabee steht vor dem Land und lügt jeden einzelnen Tag. Du darfst keinem vertrauen, sonst fallen sie dir in den Rücken." Doch auch Omarosas Glaubwürdigkeit ist deutlich angekratzt. Kritiker hinterfragen die Motive der umstrittenen Geschäftsfrau und unterstellen ihr, schlicht Kapital aus ihrer Zeit im Weißen Haus ziehen zu wollen. Trump ist stinksauer auf seine ehemalige Vertraute und schreibt in mehreren Tweets: Manigault-Newman sei verrückt, verstört und verwirrt. Trump und Omarosa lernten sich bei Dreharbeiten zu Trumps Sendung "The Apprentice" kennen. Auch jetzt könnte man meinen, der Kleinkrieg zwischen ihr und dem US-Präsidenten sei Teil einer Reality-Show. Fest steht: So schnell wird Omarosa wohl nicht von der Bildfläche verschwinden.
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Trumps frühere Mitarbeiterin Omarosa beschuldigt ihn, mehrfach "Nigger" gesagt zu haben. Beweise dafür gibt es keine. Doch der US-Präsident kontert mit Worten, die nur unwesentlich besser sind als das "N-Wort".

Wer "Nigger" sagt, fliegt. Darüber gibt es in den USA keine zwei Meinungen. So erwischte es etwa den Netflix-Kommunikationsmanager Jonathan Friedland, dem die "anschauliche Benutzung" des "N-Worts" im Juni den Job gekostet hat. Das Schimpfwort ist derartig tabu, dass sich viele Weiße es nicht mal mehr auszusprechen trauen, selbst wenn sie es erklären wollen. Deswegen: "N-Wort". Diese Vorbemerkung ist vielleicht nötig, um zu verstehen, warum die Amerikaner derzeit ungläubig wie empört darüber rätseln, ob Donald Trump tatsächlich "Nigger" gesagt haben könnte - wobei sie von ihrem Präsidenten mittlerweile einiges gewöhnt sein dürften.

Omarosa: Donald Trump hat das "N-Wort" gesagt

Ausgelöst hat die Diskussion darüber Omarosa Manigault-Newman, eine frühere Trump-Vertraute, die ihm in ihrem Enthüllungsbuch "Unhinged" vorwirft, mehrfach das "N-Wort" benutzt zu haben. Es sei nicht so, dass sie es persönlich aus seinem Mund vernommen habe, es gebe aber Tonaufnahmen davon, so die ehemalige Kommunikationsdirektorin. Weil sich Omarosas Glaubwürdigkeit in etwa auf dem gleichen Niveau wie die des US-Präsidenten befindet, haben Journalisten bei Sarah Sanders, Sprecherin des Weißen Hauses, nachgefragt. Ihre Antwort: ein entschiedenes "Ich kann das nicht ausschließen".

Die ausweichende Antwort wird eher als Bestätigung von Omarosas Vorwurf verstanden. Offenbar will das Weiße Haus nicht riskieren, vom Gegenteil überrascht zu werden. Die Gerüchte über die Tonbänder gibt es schon länger. Sicher ist bislang, dass es schon 2016 Thema unter Trumps Mitarbeitern war. Der Chef selbst hatte damals zwar abgestritten, dass an den Gerüchten etwas dran sei, doch seine frühere Sprecherin Katrina Piersonwar von dem Dementi offenbar nicht überzeugt. "Er hat es gesagt. Es ist ihm peinlich", sagte sie laut eines von Omarosa aufgenommenen Gesprächsmitschnitts.

"Fucking Flip" und Haiti, das "Scheißland"

Glaubt man der 44-Jährigen, die früher mit Trump zusammen auch bei der Realityshow "The Apprentice" aufgetreten war, dann habe der US-Präsident auch den philippinenstämmigen Ehemann von Präsidentenberaterin Kellyanne Conway als "Fucking Flip" beleidigt und Haiti ein "Scheißland" genannt. Trump selbst weist den Vorwurf, er habe das "N-Wort" benutzt mit scharfen Worten zurück. "Es gibt keine Bänder davon, wie ich ein solches fürchterliches und ekelhaftes Wort benutze, wie es mir die verrückte und gestörte Omarosa nachsagt. Ich habe das Wort nicht einmal in meinem Vokabular."

In seinem halben Dutzend Tweets, die Trump in wenigen Tagen über Omarosa rausgefeuert hat, benutzt er dafür einen ganzen Reigen anderer Schimpfwörter, von denen er sogar selbst sagt, dass sie nicht besonders präsidial seien: "Abschaum", "Hund", "bekloppt", "bösartig". Vor allem der "Hund", mit dem er schon häufiger Gegner beschimpft hat, erregt die Gemüter. Sein Parteikollege Jeff Flake aus Arizona sagte, die Art von Sprache sei ungebührlich für den Präsident der Vereinigten Staaten und kein Republikaner sollte das in Ordnung finden." Angesichts Trumps neusten Ausfällen gegenüber einer abtrünnigen Ex-Mitarbeiterin und seiner generellen Neigung zur Beleidigung, wirkt die Aufregung darüber, ob er das "N-Wort" benutzt hat oder nicht, beinahe nebensächlich.


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