USA und China Henry Kissinger warnt vor neuem Kalten Krieg mit China – "...müssten aufpassen, nicht unsere Zivilisation zu zerstören"

Henry Kissinger in seinem Büro in Manhattan
Doyen der Staatskunst: Henry Kissinger beim Treffen mit dem stern in seinem New Yorker Büro. Der ehemalige US-Außenminister und Friedensnobelpreisträger wurde Ende Mai 99 Jahre alt
© Benedict Evans
China sei momentan für ihn sogar eine viel größere Sorge als Russland, sagt Henry Kissinger, der große alte Mann der internationalen Krisendiplomatie. Die Supermächte China und die Vereinigten Staaten müssten aufpassen, nicht in einen Weltkrieg schlafzuwandeln.

Das Büro von Henry Kissinger liegt auf der Park Avenue nahe dem Central Park in Manhattan. Der ehemalige Außenminister ist für das Interview mit dem stern aus seinem Haus im Bundesstaat Connecticut angereist. Er geht gebückt, am Stock, ein Mitarbeiter führt ihn ins Eckzimmer und dort in seinen Sessel. Dahinter auf der Fensterbank gerahmte Fotos von Kissinger mit Angela Merkel, Barack Obama, Richard Nixon, George W. Bush, Mao Zedong. Im Flur ein Fußball der Spielvereinigung Fürth und das neue Buch von Norbert Röttgen. 

Herr Kissinger, Sie sind gerade 99 geworden. Was ist das Geheimnis Ihrer Langlebigkeit? 
Ich war schlau genug, mir meine Eltern auszusuchen. Beide sind fast 98 geworden.  

Henry Kissinger Porträt
Henry Kissinger kam 1923 als Sohn einer jüdischen Familie in Fürth zur Welt. 1938 emigrierte die Familie in die USA. Kissinger lehrte Politikwissenschaften in Harvard. 1969 berief Präsident Richard Nixon ihn als Nationalen Sicherheitsberater, von 1973 bis 1977 war er US-Außenminister unter Nixon und dessen Nachfolger Gerald Ford. Kissingers Politik ist bis heute hochumstritten. Zu seinen größten Verdiensten gehören die Entspannungspolitik zwischen den USA und der Sowjetunion, die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zu China und seine Shuttle-Diplomatie während des Jom-Kippur-Kriegs 1973. Im selben Jahr erhielt er den Friedensnobelpreis für seine Bemühungen um ein Ende des Vietnamkriegs. Kritiker machen ihn aber auch für den Tod von bis zu 150 000 Zivilisten mitverantwortlich, die in diesem Krieg den US-Flächenbombardements zum Opfer fielen. Auch seine Unterstützung des Putsch-Generals Pinochet in Chile überschattet Kissingers Erbe.
© Benedict Evans

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