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Keine Gnade für Drogendealer: Indonesien lässt fünf Ausländer hinrichten

Trotz aller diplomatischer Bemühungen wurde keine Gnade gewährt. Indonesien hat fünf Ausländer wegen Drogenhandels hinrichten lassen. Kurz nach Mitternacht gaben die Erschießungskommandos Feuer.

Mehr als zehn Jahre hat der Brasilianer Marco Archer Cardoso Moreira wegen Drogenhandels im indonesischen Gefängnis gesessen. In der vergangenen Nacht wurde auch er von einem Exekutionskommando erschossen.

Mehr als zehn Jahre hat der Brasilianer Marco Archer Cardoso Moreira wegen Drogenhandels im indonesischen Gefängnis gesessen. In der vergangenen Nacht wurde auch er von einem Exekutionskommando erschossen.

Trotz internationaler Gnadenappelle sind in Indonesien fünf Ausländer und eine Einheimische wegen Drogenvergehen hingerichtet worden. Die sechs Verurteilten aus den Niederlanden, Brasilien, Vietnam, Malawi, Nigeria und Indonesien wurden am Sonntag kurz nach Mitternacht von Exekutionskommandos erschossen.

Fünf Hinrichtungen fanden nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft auf der Insel Nusakambangan vor der Südküste der indonesischen Hauptinsel Java statt, wo sich ein Hochsicherheitsgefängnis befindet. Eine weitere Exekution gab es demnach im Bezirk Boyolali im Zentrum von Java.

Es waren die ersten Hinrichtungen, seit Staatschef Joko Widodo im vergangenen Oktober sein Amt übernommen hatte. Dieser vertritt bei der Umsetzung der strikten Anti-Drogen-Gesetze des Landes eine harte Linie. Die Gnadengesuche der Verurteilten hatte er im Dezember abgelehnt.

Empörung in den Heimatländern der Getöteten

Ein Sprecher der brasilianischen Präsidentin Dilma Roussef erklärte, die Staatschefin sei "bedrückt und empört", weil Indonesien trotz ihrer wiederholten Bemühungen die Todesstrafe gegen den 53-jährigen Marco Archer Cardoso Moreira vollstreckt habe. Noch am Freitag habe Roussef in einem Telefonat mit Wibodo um eine Aussetzung der Exekution aus humanitären Gründen gebeten. Ihre Vollstreckung wirke sich "ernsthaft auf die Beziehungen unserer beiden Länder aus", fügte der Sprecher hinzu. Brasiliens Botschafter in Jakarta werde nun zu Beratungen in die Heimat abberufen.

Auch der niederländische Botschafter wurde vorübergehend abgerufen. Außenminister Bert Koenders erklärte in Den Haag, er sei "unglaublich traurig" über den Tod der sechs Menschen. "Mein Herz ist bei ihren Familien, für die dies nun das dramatische Ende von Jahren der Ungewissheit ist."

Koenders zufolge hatten der niederländische König Willem-Alexander und Ministerpräsident Mark Rutte Kontakt zum indonesischen Staatschef. Die Regierung habe "alles in ihrer Macht stehende" versucht, um die Hinrichtung des 62-jährigen Niederländers Ang Kiem Soei zu stoppen. Er war für schuldig befunden worden, ein großes Ecstasy-Labor betrieben zu haben. Die fünf anderen wurden wegen versuchten Drogenschmuggels in den Jahren 2000 bis 2011 verurteilt.

20 weitere Exekutionen für dieses Jahr geplant

Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini hatte ebenfalls versucht, in Jakarta Druck zu machen. Rupert Abbott von der Menschenrechtsorganisation Amnesty International sprach von einem einem "sehr traurigen Tag". Die neue Regierung ist angetreten mit dem Versprechen, die Menschenrechte zu einer Priorität zu machen. Aber die Hinrichtung von sechs Menschen schlägt solchen Verpflichtungen ins Gesicht", so Abbott. Er forderte die Regierung auf, weitere geplante Exekutionen zu stoppen.

Laut Behördenangaben sind in dem südostasiatischen Inselstaat insgesamt 20 Hinrichtungen für dieses Jahr geplant. Unter anderen sind eine britische Großmutter, zwei Australier und ein Franzose zum Tode verurteilt worden.

Indonesien hatte die Vollstreckung der Todesstrafe 2008 ausgesetzt, sie 2013 aber wieder aufgenommen. Im vergangenen Jahr wurde niemand hingerichtet. Indonesiens Generalstaatsanwalt Muhammad Prasetyo hatte die Härte mit dem gewünschten Abschreckungseffekt begründet. "Es gibt keine Gnade für Drogenhändler. Wir hoffen, dass unsere feste Haltung einen vorbeugenden Effekt haben und Drogenhändler abschrecken wird", hatte er am Donnerstag gesagt. Täglich gebe es in Indonesien 50 Drogentote. Rund 4,5 Millionen der insgesamt etwa 250 Millionen Indonesier seien drogenabhängig.

kgi/DPA/AFP / DPA