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Irak-Geiseln: Das Ultimatum läuft ab

72 Stunden Zeit hatten die Geiselnehmer der Bundesregierung gegeben, die Forderungen zu erfüllen. Heute läuft die Frist ab. Die Mütter der Verschleppten wandten sich per Video an die Entführer.

Die Mütter der im Irak entführten Ingenieure Thomas Nitzschke und René Bräunlich haben die Kidnapper um Gnade und Barmherzigkeit gebeten. "Bitte lassen sie Thomas und René frei", sagten die Frauen am Donnerstag in der ARD-"Tagesschau".

Der Krisenstab im Auswärtigen Amt setzte unterdessen seine Bemühungen um ihre Freilassung intensiv fort, wie eine Sprecherin mitteilte. Vor drei Tagen war ein Video mit einer Todesdrohung ausgestrahlt worden. Darin hatten die Geiselgangster ein 72-Stunden-Ultimatum gesetzt. Sie fordern die Schließung der deutschen Botschaft in Bagdad, den Abzug aller deutschen Firmen aus dem Irak sowie ein Ende der Zusammenarbeit zwischen der deutschen und der irakischen Regierung. Unklar bleibt, wann genau die Frist abläuft.

Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes sagte am Abend, es gebe keine neuen Einzelheiten mitzuteilen. So hatte sich am Donnerstag auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) geäußert.

Mütter appellieren an die Entführer

Etwa 500 Menschen bekundeten am Donnerstagabend in Leipzig während einer Mahnwache ihre Solidarität mit den Männern aus Sachsen.

Die Mütter der Geiseln sagten im Fernsehen, ihre Söhne seien unschuldig: "Thomas und René sind ohne politischen Hintergrund in den Irak gereist. Sie hatten nie die Absicht, Ihrem Land zu schaden." Die Familien der beiden Männer hätten große Angst um deren Leben, nachdem sie diese im Fernsehen gesehen hätten.

Bräunlich (31) und Nitzschke (28) waren am 24. Januar in der nordirakischen Stadt Baidschi von Bewaffneten verschleppt worden. Der Arbeitgeber der Geiseln, Peter Bienert, sagte in Leipzig: "Ich kenne die Araber als ehrenhafte Menschen. Und ich hoffe, dass sie die Videobotschaft der Mütter erreicht."

Entführter im Westjordanland wieder frei

Unterdessen ging die Entführung eines Deutschen im Westjordanland am Donnerstag glimpflich aus. Der Mann, der in der Stadt Nablus als Englischlehrer arbeitet, wurde nach Angaben der palästinensischen Polizei nach etwa einer Stunde wieder freigelassen. Radikale Palästinenser im Westjordanland hatten ihn aus Wut über die Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen verschleppt.

Der deutsche Lehrer wurde aus dem Hotel "Jasmin" in Nablus entführt. Er arbeite seit zwei Monaten bei dem Hilfsprojekt "Hope" mit, das Sprachkurse anbiete, sagte der aus der Nähe von Halle stammende Mann am Abend telefonisch der Deutschen Presse-Agentur. "Bewaffnete kamen in das Hotel und sagten, ich müsse mitkommen", sagte er. Als Grund sei angegeben worden, "dass eine Beleidigung gegen den Propheten Mohammed stattgefunden hat".

DPA/AP / AP / DPA