VG-Wort Pixel

Sechs Tote Türkei macht PKK-Anhängerin für Anschlag in Istanbul verantwortlich – Partei weist Vorwurf zurück

In Istanbul tragen Menschen die Särge von den Opfern des Anschlags von Sonntag
In Istanbul tragen Menschen die Särge von den Opfern des Anschlags von Sonntag
© Burak Kara / Getty Images
Nach dem Anschlag in Istanbul macht die Polizei eine angebliche PKK-Anhängerin aus Syrien verantwortlich. Einen Vorwurf, den die verbotene Arbeiterpartei umgehend zurückweist. Unterdessen wurden die sechs Todesopfer bei einer Beerdigungszeremonie beigesetzt.

Die Türkei hat eine angebliche Anhängerin der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) aus Syrien für den Anschlag in Istanbul verantwortlich gemacht. Die Polizei gab türkischen Medienberichten zufolge am Montag bekannt, dass die festgenommene junge Frau, eine syrische Staatsbürgerin, die Tat gestanden habe. Sie habe zugegeben, im Auftrag der PKK gehandelt und ihre Anweisungen in Kobane im Kurdengebiet im Nordosten Syriens bekommen zu haben. Die PKK und die syrischen Kurden wiesen jegliche Verwicklung in den Anschlag zurück.

Die junge Frau namens Alham Albaschir soll über die von türkischen Soldaten und ihren Verbündeten kontrollierte Stadt Afrin im Nordosten Syriens illegal in die Türkei eingereist sein. Von türkischen Medien verbreitete Polizeiaufnahmen zeigten, wie sie in einem violetten Sweatshirt in einer Wohnung in einem Vorort von Istanbul abgeführt wurde. 

Istanbul: Sechs Tote und über 80 Verletzte nach Anschlag

Bei dem Bombenanschlag auf einer belebten Einkaufsstraße mitten in Istanbul am Sonntagnachmittag waren sechs Menschen getötet und 81 weitere verletzt worden. Der Sprengsatz bestand laut Polizei aus "hochwirksamem TNT". 

Der türkische Innenminister Süleyman Soylu gab die Festnahme von insgesamt 46 Verdächtigen bekannt und kündigte weitere Festnahmen an. "Sie wollten eine Botschaft an uns richten, wir haben sie erhalten und werden darauf mit aller Entschiedenheit antworten", sagte er am Montag mit Blick auf die PKK bei einem Besuch des Anschlagsortes.

Bisher bekannte sich keine Gruppierung zu der Tat. Soylu hatte bereits zuvor die PKK und später auch die syrisch-kurdischen Militäreinheiten der YPG für den Anschlag verantwortlich gemacht. "Wir gehen davon aus, dass der Befehl für den Anschlag von Kobane aus erteilt wurde", sagte der Minister.  

PKK und syrische Kurden weisen Verantwortung zurück

Sowohl die bewaffnete PKK-Organisation als auch ihr politischer Flügel und das von kurdischen YPG-Einheiten angeführte syrische Militärbündnis SDF wiesen die Anschuldigungen entschieden zurück. "Unser Volk und die demokratische Öffentlichkeit wissen genau, dass wir nichts mit diesem Vorfall zu tun haben, dass wir nicht direkt auf Zivilisten zielen", erklärte die PKK. "Wir versichern, dass unsere Kräfte keinerlei Verbindung zu der Explosion von Istanbul haben und wir weisen die Anschuldigungen gegen sie zurück", hob auch SDF-Kommandeur Maslum Abdi hervor.

Die PKK hielt ihrerseits der türkischen Regierung vor, sie habe "dunkle Pläne" und wolle "Kobane als Ziel" anzeigen. In den Monaten davor hatte Ankara immer wieder angekündigt, dass die Türkei eine militärische Offensive gegen die Kurdengebiete in Nordsyrien starten werde. Vor einem solchen Angriff hatten andere Nato-Länder, darunter die USA, sowie Russland und der Iran jedoch die Türkei gewarnt.

Die YPG werden von den USA unterstützt und spielten bei der Vertreibung der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) aus Syrien und auch aus Kobane eine entscheidende Rolle. Die Türkei hingegen wirft der YPG vor, ein Ableger der PKK zu sein, und stuft sie deshalb ebenfalls als "terroristisch" ein. Die Türkei versucht seit Jahren, an ihrer Grenze zu Syrien im kurdischen Gebiet eine "Pufferzone" einzurichten und die kurdischen Einheiten von dort zu vertreiben. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat Washington wiederholt vorgeworfen, Waffen an kurdische "Terroristen" in Nordsyrien geliefert zu haben. 

Türkei weist Beileidsbekundungen aus den USA zurück

Beileidsbekundungen aus den USA nach dem Anschlag von Istanbul wies die Türkei nun auch zurück. "Wir nehmen die Beileidsnachricht der US-Botschaft nicht an – wir weisen sie zurück", sagte Soylu im türkischen Fernsehen. 

Auch Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hatte dem türkischen Präsidenten am Sonntag kondoliert und auf Twitter seine Bestürzung über die Explosion in Istanbul zum Ausdruck gebracht.

Die PKK kämpft seit Mitte der 1980er Jahre für mehr Rechte für die Kurden in der Türkei und gegen den türkischen Staat. Sie wird von Ankara und dessen Verbündeten als "Terrororganisation" eingestuft.

les DPA AFP

Mehr zum Thema

Newsticker