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US-Präsident in Kritik Biden hat schon 99 Probleme – nun kommt noch ein anschauliches dazu

US-Präsident Joe Biden (l.) und Mohammed bin Salman, Kronprinz von Saudi-Arabien, begrüßen sich 
Faust drauf: US-Präsident Joe Biden (l.) und Mohammed bin Salman, Kronprinz von Saudi-Arabien, begrüßen sich 
© Uncredited/Saudi Press Agency/AP / DPA
Die Zustimmungswerte für Joe Biden sinken, während die Krisendichte steigt. Da kommt ein Faustgruß-Bild mit dem saudischen Kronprinzen, den er als "Paria" behandeln wollte, zur Unzeit. 

Nein, dankbar ist die Ausgangslage nicht gewesen. Allzu viele Brücken hatte der frühere US-Präsident Donald Trump eingerissen, die sein Amtsnachfolger nun wieder mühsam hochzieht. Ob in Europa, Asien oder in den USA: Vielerorts galt und gilt es für Joe Biden, zerrüttete Beziehungen wieder zu kitten, die Verbindungen zu alten Verbündeten wiederzubeleben und neue ins Werk zu setzen.

Kurzum: Biden versucht das zu reparieren, was Trump in Trümmer gelegt hat – und, bestenfalls, Allianzen zu zementieren.

Dabei sein erklärtes Ziel: Biden will den globalen Einfluss Russlands und Chinas zurückdrängen und eine Front gegen den Iran schmieden. Und so führte ihn seine außenpolitische Montage-Mission nun auch in den Nahen Osten. 

Es war sein erster Besuch als US-Präsident, die Reise führte ihn nach Israel und ins Westjordanland. Aber eben auch nach Saudi-Arabien – und zu Mohammed bin Salman, zu jenem Kronprinzen, den die CIA für den Mord am "Washington Post"-Journalisten und Regierungskritiker Jamal Khashoggi verantwortlich macht und den Biden eigentlich als "Paria" und "Außenseiter" behandeln wollte, wie er im Präsidentschaftswahlkampf 2020 ankündigte.

Ein "grober Verrat"

Entsprechend aufmerksam wurde das erste Aufeinandertreffen von Biden und bin Salman verfolgt. Allein: Wie würde der US-Präsident den Kronprinzen begrüßen? Vor der Reise teilte das Weiße Haus mit, Biden werde Körperkontakt möglichst vermeiden – angeblich wegen Corona. Oder doch, um dem Kronprinzen – der aus Sicht der USA Blut an den Händen kleben hat – nicht die Hand schütteln zu müssen?

Es wurde dann zwar ein Fist Bump, ein Faustgruß, und nicht der viel diskutierte Handschlag. Aber genug, um als Eilmeldung auf dem Smartphone zu landen und weltweit Schlagzeilen zu produzieren. Besonders in US-Medien wird die Geste kontrovers diskutiert und kommentiert, hier als "grober Verrat" ("Washington Post"), dort als "riskant" (CNN). Eine Begrüßung wird zum Politikum. 

Und genau das könnte für Biden zum Problem werden. Greifbare Ergebnisse brachte die Reise wenige – hingegen ein anschauliches Faustgruß-Foto mit dem Kronzprinzen –, wenngleich Biden seinem Ziel näher gekommen ist, Allianzen der USA im Nahen Osten zu zementieren.

"Unterm Strich geht es bei dieser Reise einmal mehr darum, Amerika in dieser Region für die Zukunft zu positionieren", erklärte er das umstrittene Treffen in Dschidda. "Wir werden im Nahen Osten kein Vakuum hinterlassen, das Russland oder China füllen können." 

Ob das Vorhaben glückt, wird sich zeigen. Doch die US-Bürger haben unmittelbar andere Sorgen als die Belange der USA in der Welt. Aktuell beschäftigt die Amerikaner laut aktuellen Umfragen vor allem die allgemeine Wirtschaftslage und hohe Inflation im Land, die sich besonders an der Zapfsäule bemerkbar macht. 

Das Faustgruß-Foto passt da augenscheinlich nicht ins Bild, wenngleich Biden auch aufgrund der Öl-Krise durch den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine nach Saudi-Arabien gereist ist. Der demokratische Senator Chris Coons verteidigte die umstrittene Reise daher als Notwendigkeit, von wegen: Der US-Präsident habe keine andere Wahl, als die Beziehungen zu Saudi-Arabien – immerhin dem weltweit größten Öl-Produzenten – zu normalisieren. 

Schwerer Stand für Joe Biden

Aber ein Wahlkampfschlager sieht, buchstäblich, anders aus – dabei könnte Biden durchaus einen gebrauchen. Laut "FiveThirtyEight" befinden sich die Zustimmungswerte des US-Präsidenten zurzeit bei mageren 38,5 Prozent, einer Umfrage der "New York Times" zufolge liegt der Wert bei US-Demokraten sogar nur bei 33 Prozent. Eine große Mehrheit von 64 Prozent seiner Parteianhänger spricht sich sogar dafür aus, dass sich 2024 jemand anderes als Biden um die Präsidentschaft bewerben sollte.

Überhaupt hat Biden gerade 99 Probleme, die es zu lösen gilt – wie auch die Corona-Pandemie oder der Kampf um das liberale Abtreibungsrecht, das jüngst vom Supreme Court gekippt wurde. Im November wählen die Amerikaner ein neues Repräsentantenhaus, aktuellen Erhebungen zufolge drohen Bidens Demokraten den Urnengang zu verlieren.

Vor diesem Hintergrund kann Biden selbst unliebsame Schnappschüsse nicht gebrauchen. Daher darf man davon ausgehen, dass die Republikaner das Faustgruß-Bild im Wahlkampf immer wieder zücken werden. "Ein Faustgruß für den Kronprinzen", kommentierte etwa der Kongressabgeordnete Michael Cloud auf Twitter, "und ein Schlag ins Gesicht für die Öl- und Gasarbeiter in Texas." 

Doch auch bei einigen Demokraten stießen die Bilder auf Unverständnis. "Sollten wir jemals eine visuelle Erinnerung an den Einfluss ölreicher Autokraten auf die US-Politik im Nahen Osten gebraucht haben, dann haben wir sie heute bekommen", twitterte Adam Schiff, Vorsitzender des Geheimdienstaussschusses. "Ein Fist Bump sagt mehr als tausend Worte."

Nein, dankbar ist die Ausgangslage nicht. 


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