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Kampf gegen IS: Obamas brüchige Allianzen

In ihrem Kampf gegen den IS scharrt die USA immer mehr Verbündete um sich. Wie stabil die Allianzen sind, muss sich noch zeigen. Die wichtigsten Mitglieder und ihre Motive im Überblick.

US-Präsident Barack Obama hört Großbritanniens Ministerpräsidenten David Cameron bei der Sitzung des UN-Sicherheitsrat am 24. September in New York zu

US-Präsident Barack Obama hört Großbritanniens Ministerpräsidenten David Cameron bei der Sitzung des UN-Sicherheitsrat am 24. September in New York zu

Mehr als 40 Länder beteiligen sich nach Angaben von US-Präsident Barack Obama am Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien und im Irak. Art und Umfang ihres Beitrags sowie die Motive unterscheiden sich jedoch. Die wichtigsten Mitglieder der Allianz im Überblick:

USA: Der Anführer

Die mächtigste Militärmacht der Welt führt den Kampf gegen den IS an. Seit August bombardiert die US-Luftwaffe Stellungen der Extremisten im Irak. Die grausame Verfolgung von Minderheiten und Andersgläubigen durch die Extremisten sollte beendet und US-Personal im Land geschützt werden. Später kam Hilfe für das irakische Militär und die Kurden im Kampf gegen den IS als Motiv hinzu. Vor gut zwei Wochen kündigte Präsident Barack Obama dann an, der IS solle zerstört werden. Seit Anfang der Woche greift das US-Militär den IS auch in Syrien an.

Arabische Staaten: Die Nachbarn

Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain, Katar und Jordanien unterstützen die USA bei den Luftangriffen. Vor allem Saudi-Arabien und Jordanien sehen den IS als Bedrohung, weil die Extremisten bis an ihre Grenzen herangerückt sind. Auch die Emirate bekämpfen radikale Islamisten. Katar wird vorgeworfen, Dschihadisten zu finanzieren, was der Golfstaat offiziell bestreitet. Die Koalition ist für Doha eine Chance, sein internationales Ansehen aufzupolieren.

Deutschland: Die Zögerlichen

Für die Bundesregierung ist militärisches Eingreifen das letzte Mittel. Wesentliche Gründe dafür sind die dunkle deutsche Kriegsvergangenheit und das Nein der meisten Bürger zu Kampfeinsätzen der Bundeswehr. Die USA und ihre Mitstreiter haben auch gar nicht erst angefragt, ob Berlin bei den Luftschlägen gegen die Terrormiliz mitmachen würde. Unabhängig davon stellt sich die Frage, inwiefern die Nato-Partner überhaupt auf die Bundeswehr angewiesen sind, deren Material vielfach defekt ist. Auf die Scheckbuch-Diplomatie von Helmut Kohl wollen sich Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) im vergleichsweise starken Deutschland 2014 aber auch nicht beschränken. So haben sie sich für Waffenlieferungen an die Kurden im Nordirak entschieden. Das war vor kurzem noch undenkbar.

Großbritannien: Die Entschlossenen

Premierminister David Cameron will sein Land an den Luftangriffen im Irak beteiligen. Es wird erwartet, dass das Parlament am Freitag zustimmt. Bisher haben die Briten Waffen geliefert. Mehrere Hundert Briten kämpfen für die Terroristen im Irak und in Syrien, die Regierung schätzt die Gefahr durch Rückkehrer als sehr hoch ein.

Frankreich: Die Betroffenen

Als erstes EU-Land hat Frankreich im August Waffen geliefert, Ende vergangener Woche begannen auch Luftangriffe auf IS-Stellungen. Ein Ende der Gewalt durch den IS und die Wahrung der nationalen Sicherheit wurden als Gründe angeführt.

Nach der Enthauptung des französischen Bergsteigers Hervé Gourdel steht das Land unter Schock. "Er ist tot, weil er Franzose war", sagte Präsident Hollande. Islamisten hatten versucht, die französische Regierung mit der Ermordung Gourdels zu erpressen. Auf Frankreichs "Non" folgte die Exekution. Hollande beteuerte, seine Entschossenheit sei ungebrochen.

Belgien und Niederlande: Die Bomber

Belgien will sechs Jagdbomber des Typs F-16 in den Kampf schicken. Die Flugzeuge werden voraussichtlich in Jordanien stationiert. Für den Einsatz ist auch die Entsendung von 120 Soldaten an den Stationierungsort geplant, zunächst für einen Monat.

Auch die Niederlande will sich mit sechs F-16 beteiligen. Die Flugzeuge sollen innerhalb einer Woche einsatzbereit sein, werden wohl in Jordanien stationiert. Dazu gehören mit den Piloten rund 250 Soldaten. Zudem werden 130 Militärausbilder für irakische und kurdische Streitkräfte entsendet. Der Einsatz beschränkt sich vorerst auf Angriffe im Irak. Für den Einsatz in Syrien fehlt nach Ansicht der Regierung ein völkerrechtliches Mandat.

Türkei: Die Späten

Ankara leistet bisher humanitäre Hilfe. Seit Beginn des Bürgerkriegs in Syrien hat das Land 1,5 Millionen Flüchtlinge aufgenommen. Bisher begründete Ankara die Zurückhaltung bei Militärschlägen vor allem mit der Gefahr für türkische Geiseln in der Gewalt des IS. Sie kamen jedoch vergangenen Samstag frei. Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan schloss danach militärische Unterstützung für den Kampf gegen den IS nicht mehr aus.

lie/DPA / DPA