HOME

Kirgisien: Opposition jagt Regierung aus dem Amt

Kaum stürmten Oppositionelle das Regierungsgelände der kirgisischen Hauptstadt Bischkek, hat der Präsident Askar Akajew mit seiner Familie fluchtartig das Land verlassen. Jetzt widersprechen sich die Nachrichten: Ist er zurückgetreten oder nicht?

Verwirrung um den krigisischen Präsidenten Askar Akajew: Die russische Nachrichtenagentur RIA Nowosti meldete unter Berufung auf den Oppositionsführer Felix Kulow, Akajew habe eine offizielle Rücktrittserklärung unterzeichnet. Dies habe Kulow vor den von der Opposition besetzen Regierungsgebäuden in der Hauptstadt Bischkek erklärt.

Kulow hingegen wies die Berichte zurück, er habe den Rücktritt des Präsidenten Askar Akajew verkündet. "Ich weiß davon nichts", sagte er der Nachrichtenagentur Reuters.

Auf der Flucht

Der kirgisische Präsident und seine Familie haben sich am Nachmittag in einem Hubschrauber auf den Weg nach Kasachstan begeben, wie die russische Nachrichtenagentur Interfax unter Berufung auf kirgisische Quellen berichtete. Stunden zuvor hatten Anhänger der Opposition in Kirgisien den Regierungssitz in Bischkek gestürmt und besetzt. Die Opposition wirft der Regierung der früheren Sowjetrepublik Wahlfälschung vor und fordert seit Wochen den Rücktritt von Akajew. Der Interfax-Bericht konnte zunächst nicht von unabhängiger Seite bestätigt werden.

Zuvor sind nach der Erstürmung des kirgisischen Regierungssitzes führende Oppositionspolitiker zu ersten Beratungen über die neue Machtaufteilung zusammengekommen. An den Gesprächen seien der Chef der Volksbewegung Kirgisiens, Ex- Regierungschef Kurmanbek Bakijew, und die frühere Außenministerin Rosa Otunbajewa beteiligt. Der populäre Oppositionspolitiker und Ex-Minister Felix Kulow sei aus der Haft entlassen worden, hieß es.

Über den Aufenthaltsort von Präsident Askar Akajew gab es zuvor widersprüchliche Angaben. Der OSZE-Repräsentant Alojz Peterle sagte dem US-Fernsehsender CNN, Akajew habe nach unbestätigten Angaben die zentralasiatische Republik bereits verlassen. Andere berichteten, Akajew halte sich weiterhin in seiner Residenz am südlichen Stadtrand von Bischkek auf.

Die Oppositionskräfte nahmen im Laufe des Tages weitere strategisch wichtige Gebäude in der Hauptstadt ein, darunter auch das Fernsehzentrum. Das russische Verteidigungsministerium wies seine in Kirgisien stationierten Truppen an, sich aus dem innenpolitischen Konflikt herauszuhalten. Begonnen hatten die Proteste nach Fälschungen bei der Parlamentswahl Ende Februar.

AP/DPA / AP / DPA