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Liberias Ex-Präsident: Wegen Kriegsverbrechen angeklagt

Drei Jahre konnte sich Charles Taylor im Exil verstecken. Nun wurde Liberias Ex-Präsident in Nigeria verhaftet. Ihm werden Kriegsverbrechen in 17 Anklagepunkten vorgeworfen. Bush fordert einen Prozess in Den Haag.

Nach seiner Festnahme in Nigeria ist der wegen Kriegsverbrechen gesuchte liberianische Ex-Präsident Charles Taylor in seine Heimat abgeschoben worden. Eine nigerianische Präsidentenmaschine brachte den 58-Jährigen in die liberianische Hauptstadt Monrovia. Von dort wurde er mit einem Hubschrauber nach Sierra Leone geflogen, wo das UN-gestützte Sondertribunal für Sierra Leone über ihn urteilen soll. Unterdessen forderte US-Präsident George W. Bush, dass Taylor der Prozess in den Niederlanden gemacht werden solle.

Wie Bush in Washington mitteilte, habe die neu gewählte Präsidentin Liberias, Ellen Johnson-Sirleaf, in einem Telefongespräch ihre Sorge geäußert, dass Taylor die junge Demokratie in Liberia stören könnte. Für eine Überstellung in die Niederlande sei aber die Zustimmung des UN-Sicherheitsrates notwendig, sagte Bush. Er hoffe auf eine schnelle Zustimmung.

An Blutdiamanten bereichert

Nach fast dreijährigem Exil war Taylor am Mittwoch in Nigeria festgenommen worden. Zuvor hatte er noch versucht, außer Landes zu fliehen. Taylor muss sich in 17 Anklagepunkten wegen Kriegs- und Menschenrechtsverbrechen verantworten. Ihm wird vorgeworfen, als liberianischer Präsident (1997-2003) den Bürgerkrieg im eigenen Land geschürt und die für ihre Grausamkeiten berüchtigte Rebellenbewegung RUF im Nachbarland Sierra Leone unterstützt zu haben.

Die Vereinigung war dafür bekannt, ihren Opfern beide Arme abzuschlagen oder die Lippen abzuschneiden. Die Rebellen wollten durch Terror ganze Landstriche entvölkern, in denen Diamantenvorkommen vermutet wurden. Taylor soll sich am illegalen Handel mit so genannten Blutdiamanten massiv bereichert haben.

Nigeria liefert Taylor aus

Der nigerianische Präsident Olusegun Obasanjo, der mit US-Präsident Bush in Washington zusammentraf, hatte die sofortige Auslieferung Taylors angeordnet. Bush begrüßte die Festnahme. Die Tatsache, dass Taylor nach fast drei Jahren im nigerianischen Exil nun der Justiz überstellt werde, sei ein Signal für Nigerias "Sehnsucht nach Frieden in der Nachbarschaft", sagte Bush bei dem Treffen mit Obasanjo.

"Mit großer Erleichterung" reagierte in New York UN- Generalsekretär Kofi Annan auf die Festnahme Taylors. "Ich glaube, seine Festnahme und der anstehende Prozess gegen ihn schließen nicht nur ein Kapitel ab, sondern halten der Region auch sehr deutlich vor Augen, dass Straflosigkeit nicht geduldet wird und Kriegsherren einen Preis zahlen müssen", sagte er.

DPA / DPA