Luftangriff von Kundus Oberst Klein lässt Opposition rätseln


Er übernimmt die Verantwortung für einen Angriff, den er weiterhin für gerechtfertigt hält: So lässt sich der Auftritt von Oberst Georg Klein vor dem Untersuchungsausschuss zum Angriff von Kundus zusammenfassen. Die erhoffte Klarheit brachte der Besuch des Oberst aber offenbar nicht.

Der verantwortliche Bundeswehr-Kommandeur für das tödliche Bombardement zweier Tanklaster nahe Kundus, Oberst Georg Klein, hält seinen umstrittenen Befehl für legal und gerechtfertigt. Das erklärte sein Anwalt vor dem Start der Sitzung des Untersuchungsausschusses zu dem Luftangriff am Mittwoch. Klein selbst übernahm in der Sitzung die Gesamtverantwortung für das Bombardement. In der fast fünfstündigen Vernehmung wurde aber auch klar, dass er während des Einsatzes am 4. September nicht über alle Schritte informiert worden war, wie Ausschussmitglieder anschließend berichteten.

Die Sitzung war nicht öffentlich. Die erhoffte Klarheit brachte Kleins Auftritt offenbar dennoch nicht. Oppositionsabgeordnete erklärten vielmehr, dass sich der Aufklärungsbedarf durch die Aussage Kleins eher noch erhöht habe. "Es ergibt sich eine ganz lange Reihe von Fragen aus dem, was Oberst Klein gesagt hat", sagte der Grünen-Politiker Omid Nouripour. "Das bedeutet, dass jetzt das Puzzlen beginnt."

Die Koalition entlastete Klein vom Vorwurf leichtfertigen Handelns. "Die einzige Motivation für seine Entscheidung war tatsächlich der Schutz der Soldaten", sagte der Unions-Obmann Ernst-Reinhard Beck. "Er konnte davon ausgehen, ... dass Zivilisten nicht zu Schaden kommen."

Kleins Anwalt klagt über "massive Vorverurteilung"

Kleins Anwalt Bernd Müssig sagte, dass sein Mandant "unabhängig von der Rechtslage" alle Opfer dieses Konflikts bedaure, insbesondere den Tod unschuldiger Zivilisten. Jedes Opfer sei eines zuviel. "Dies war und dies ist Oberst Klein sehr bewusst."

Der Oberst gilt als einer der wichtigsten Zeugen im Untersuchungsausschuss, der am Mittwoch erstmals Zeugen befragte. Er befahl am 4. September die Luftangriffe auf die von Taliban entführten Laster. Dabei waren nach stern-Erkenntnissen bis zu 142 Menschen ums Leben gekommen, darunter zahlreiche Zivilisten.

"Herr Oberst Klein sieht sich zunehmend einer massiven Vorverurteilung ausgesetzt", erklärte Müssig in diesem Zusammenhang. Dennoch werde er umfassend vor dem Untersuchungsausschuss aussagen, obwohl ihm wegen strafrechtlicher Ermittlungen ein Schweigerecht zustehe.

APN/Reuters/DPA DPA Reuters

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