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Nach Ägypten und Tunesien Proteste erreichen auch Iran


Erst Tunesien und Ägypten, jetzt der Jemen, Bahrein und sogar der Iran. Die Proteste in muslimischen Ländern greifen um sich. In Teheran feuerten die Sicherheitskräfte Tränengas auf die Menge, die sich trotz eines Demonstrationsverbotes versammelt hat.

In der iranischen Hauptstadt Teheran ist die Polizei nach Zeugenberichten am Montag mit Tränengas gegen oppositionelle Demonstranten vorgegangen. Sicherheitskräfte hätten auch mit Farbkugeln auf die Regierungskritiker geschossen, sagten Augenzeugen. Demnach wollten die Demonstranten ihre Sympathie mit den Protestbewegungen in Ägypten, Tunesien und anderen arabischen Ländern zum Ausdruck bringen.

Tausende Demonstranten versammelten sich den Angaben zufolge in kleinen Gruppen nahe des Asadi-Platzes im Westen Teherans. Während die Regierungsgegner sich demnach zunächst ruhig verhielten, riefen einige später offenbar in Anspielung auf Staatschef Mahmud Ahmadinedschad: "Tod dem Diktator". Einige hätten auch Mülltonnen in Brand gesetzt, sagten die Augenzeugen. Die Sicherheitskräfte hätten versucht, größere Menschenansammlungen zu verhindern. Angaben über Festnahmen oder Verletzte machten die Zeugen nicht.

Es handelte sich um die bedeutendsten öffentlichen Proteste gegen die Regierung seit etwa einem Jahr. Die Menschenrechtsorganisation amnesty international verurteilte in einer Erklärung das gewaltsame Vorgehen der Sicherheitskräfte.

Auch in anderen Ländern gingen wieder Menschen nach dem Vorbild Tunesiens und Ägyptens auf die Straße. In Bahrain gab es bei Zusammenstößen einen Toten und Verletzte, im Jemen dauerten die Proteste gegen die dortige Führung den vierten Tag in Folge an.

Polizei blockiert Zugang zu Mussawis Haus

Die iranischen Oppositionsführer Mir-Hossein Mussawi und Mehdi Karubi hatten eine Solidaritäts-Kundgebung für die Protestbewegungen in Ägypten und Tunesien beantragt. Die Behörden untersagten dies und erklärten, es handle sich lediglich um eine "List", um gegen die Regierung zu demonstrieren. Mussawis Website Kaleme.com und Karubis Internetseite Sahamnews.org riefen dennoch zu der Demonstration auf. Journalisten wurde verboten, sich zum Ort des Geschehens zu begeben.

Zuvor hatte die iranische Polizei den Zugang zum Haus von Oppositionsführer Mussawi blockiert und seine Telefonleitungen lahmgelegt, wie Kaleme.com berichtete. Auch Karubi war unter eine Art Hausarrest gestellt worden. In der Folge der umstrittenen Wiederwahl von Staatschef Ahmadinedschad im Juni 2009 war das Land von wochenlangen Massenprotesten erschüttert worden. Die Sicherheitskräfte gingen massiv gegen die Demonstranten vor: Dutzende Menschen wurden verletzt und tausende weitere festgenommen.

Das US-Außenministerium begann damit, über den Internet-Kurznachrichtendienst Twitter Mitteilungen an die Menschen im Iran zu schicken. In ersten Nachrichten in der Landessprache Farsi hob das Ministerium die "historische Rolle" des Internets bei den Protesten im Iran 2009 hervor und warf Teheran Heuchelei vor: Während die iranische Führung die jüngsten Proteste in Ägypten begrüßt habe, verbiete sie ihren eigenen Bürgern zu demonstrieren.

zen/AFP/DPA DPA

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