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Nach Kampfjet-Abschuss : Türkei hofft auf Entspannung – Russland verschärft Import-Kontrollen

Nach dem Abschuss eines russischen Kampfjets versucht Ankara die angespannten Beziehungen zu Moskau zu beruhigen. Auch Russland ist um eine Deeskalation bemüht - verschärft aber die Kontrollen für Lebensmittelimporte.

Türkeis Präsident Recep Tayyip Erdogan (l.) und sein russischer Kollege Wladimir Putin

Angespannte Beziehung: Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan (l.) will seinen russischen Kollegen Wladimir Putin möglichts zeitnah zu einem Gespräch treffen (Archivbild)

Drei Tage nach dem Abschuss eines russischen Kampfjets durch die türkische Luftwaffe hofft Ankara auf eine Entspannung in den Beziehungen zu Moskau. Beide Seiten könnten sich den Luxus eines unfreundlichen Verhältnisses nicht leisten, sagte der türkische EU-Minister Volkan Bozkir am Donnerstag in Ankara. Er gehe davon aus, dass die Beziehungen zur Regierung in Moskau weiter gepflegt werden. Fortschritte erwarte er zudem in den stockenden Gesprächen über einen Beitritt zur Europäischen Union.

Auch der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan will demnach persönlich zur Beilegung der Krise beitragen. Einem Zeitungsbericht zufolge bemüht er sich aktuell um direkten Kontakt zu seinem russischen Kollegen Wladimir Putin. Angedacht sei ein Gespräch der beiden Präsidenten am Rande des UN-Klimagipfels in Paris am 30. November, berichtete die regierungsnahe türkische Zeitung "Yeni Safak". Vor dem Treffen wolle Erdogan zudem mit Putin telefonieren. Bereits am Mittwoch hatte Erdogan betont, Ankara wolle keine weitere Eskalation, sondern stehe auf der Seite des "Freidens, des Dialogs und der Diplomatie".

Beide Seiten beharren auf ihren Darstellungen

Für geglättete Wogen sollte zudem eine nähere Erklärung des Abschusses am Mittwoch beitragen. Dazu seien russische Militärvertreter in das türkische Armee-Hauptquartier eingeladen worden, hieß es in einer schriftlichen Stellungnahme. Dort sei den Russen erläutert worden, dass eine Einsatzregel befolgt worden sei, weil die Besatzung des russischen Flugzeugs nicht auf Warnungen reagiert habe. Nach dem Abschuss habe sich die Türkei bemüht, die russischen Piloten ausfindig zu machen und zu retten. Gegenüber Russland sei die Bereitschaft zu jeglicher Kooperation ausgedrückt worden.

Während die Türkei also bei ihrer Darstellung bleibt, auf eine Luftraumverletzung reagiert zu haben, beharrt Russland im Gegenzug darauf, dass die Maschine nicht in türkisches Hoheitsgebiet eingedrungen sei und im syrischen Luftraum abgeschossen wurde. Der russische Außenminister Sergej Lawrow hatte Ankara am Mittwoch unter anderem eine "geplante Provokation" vorgeworfen und von einem "gezielten Hinterhalt" gesprochen.

Moskau verschärft Kontrollen für Lebensmittelexporte aus Türkei

Zudem bestreitet Russland, bislang von der Türkei über die genauen Umstände des Zwischenfalls informiert worden zu sein. "Wir warten immer noch auf eine Erklärung, eine realistische Erklärung von türkischer Seite", sagte Kreml-Sprecher Dmitry Peskov am Donnerstag gegenüber Journalisten. Dennoch erwäge man aktuell keine Sanktionen oder ein Lebensmittelembargo.

Allerdings verschärfte Moskau die Kontrollen für Lebensmittelimporte aus der Türkei. Das Agrarministerium begründete die Entscheidung mit Mängeln, die bei den Einfuhren festgestellt worden seien. Tests hätten ergeben, dass rund 15 Prozent der Agrarimporte nicht die russischen Vorgaben erfüllten. Zuvor hatte Russland bereits mit wirtschaftlichen Konsequenzen gedroht. Unter anderem rief die Regierung die eigene Bevölkerung dazu auf, auf Türkei-Urlaube zu verzichten.

Russland: Keine Alternative zu internationaler Anti-Terror-Koalition

Trotz der Krise strebt die russische Regierung weiterhin eine internationale Koalition im Kampf gegen den Terrorismus an. Das betonte Vizeaußenminister Sergej Rjabkow vor einem Treffen des französischen Präsidenten François Hollande mit Kremlchef Wladimir Putin an diesem Donnerstag in Moskau. Russland wolle eine "breite Anti-Terror-Front, eine echte Koalition", sagte Rjabkow der Agentur Interfax. Dazu gebe es keine Alternative - auch wenn ein Ziel der Aktion vom Dienstag gewesen könnte, dieses Vorhaben zu torpedieren, meinte Rjabkow. Dies dürfe nicht gelingen.

Am Mittwochabend hatten bereits Lawrow und sein US-Amtskollege John Kerry über die Lage beraten. In dem Telefonat rief Kerry zur Deeskalation auf. Der Vorfall dürfe nicht dazu führen, dass die Spannungen zwischen Russland und der Türkei sowie in Syrien größer würden. Die USA lehnen eine militärische Zusammenarbeit mit Russland ab, solange Moskau den syrischen Machthaber Baschar al-Assad unterstützt.


mod / DPA / AFP / Reuters