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Nahostkonflikt Mehr als 3000 Raketen auf Israel abgefeuert – Netanjahu will Gegenangriff mit "voller Wucht" fortsetzen

Nahostkonflikt: Mehr als 3000 Raketen auf Israel abgefeuert – Netanjahu will Gegenangriff mit "voller Wucht" fortsetzen
Im Nahen Osten gehen die Kämpfe zwischen militante Palästinensern und dem israelischen Militär mit unverminderter Härte den achten Tag infolge weiter. Die israelische Luftwaffe flog erneut Angriffe auf den Gazastreifen und die radikal-islamische Hamas feuerte weitere Raketen auf israelisches Territorium. Kampfjets hätten "Terrorziele" getroffen, erklärte das israelische Militär in der Nacht zum Montag, nachdem kurz nach Mitternacht Raketen aus dem Gazastreifen auf die israelischen Städte Beerscheba und Aschkelon abgefeuert worden seien. Augenzeugen berichteten, dass sich Israels Vergeltungsschlag auf Gaza-Stadt gerichtet habe und Straßen, Häuser sowie Trainingslager und Gebäude der Hamas zerstört habe. Es gab keine unmittelbaren Berichte über Verletzte auf beiden Seiten der Grenze. International liefen die Bemühungen um ein Ende der Gewalt weiter. Bei einem Treffen des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen am Sonntag forderte UN-Generalsekretär Antonio Guterres ein sofortiges Ende der Kämpfe zwischen Israel und radikal-islamischen Palästinensern im Gazastreifen. Die UN stehe mit allen Beteiligten in Kontakt mit dem Ziel einer sofortigen Waffenruhe. Die Vereinigten Staaten sagten, sie hätten der israelischen Regierung und den Palästinensern ihre Unterstützung angeboten, "sollten die Parteien einen Waffenstillstand anstreben". "Wir glauben auch, dass Palästinenser und Israelis gleichermaßen ein Leben in Sicherheit und Geborgenheit verdienen", erklärte US-Präsident Joe Biden. Die USA stufen wie die EU die Hamas als Terror-Gruppe ein und führen mit ihr keine Verhandlungen. Die heftigsten Kämpfe zwischen Israel und radikalen Palästinensern seit Jahren gingen aus Auseinandersetzungen an der Al-Aksa-Moschee in Ost-Jerusalem hervor. Verschärft wurden die Spannungen durch Pläne, dort Häuser palästinensischer Familien zu räumen.
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Das Ausland kämpft um Deeskalation – Israel und militante Palästinenser kämpfen weiter gegeneinander. Ein Angriffsziel der Armee ist auch die Hamas-Führungsriege. Der Raketenbeschuss aus Gaza ist so heftig wie nie zuvor.

Trotz internationaler Bemühungen um eine Waffenruhe dauert der Konflikt zwischen Israel und militanten Palästinensern aus dem Gazastreifen an. Auch in der Nacht auf Montag griff Israels Militär nach eigenen Angaben großflächig Ziele in dem Küstengebiet an. So beschoss die Armee Häuser von neun hochrangigen Hamas-Kommandeuren. Einige seien auch als Waffenlager genutzt worden, hieß es. Aus Gaza flogen Raketen auf angrenzende Gebiete in Israel.

"Unsere Kampagne gegen die Terrororganisationen wird mit voller Wucht fortgesetzt", sagte Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu am Sonntag. Die Armee habe bislang mehr als 1500 Ziele im Gazastreifen attackiert. Der Einsatz "werde noch einige Zeit dauern". Von palästinensischer Seite hieß es, es seien die bisher schwersten Luftangriffe in dem dicht besiedelten Küstengebiet gewesen.

USA und Saudi-Arabien beraten sich

Nach massiven Raketenangriffen aus dem Gazastreifen auch auf die Metropole Tel Aviv attackierte Israels Luftwaffe am Wochenende Vertreter der Hamas-Führung. Angegriffen wurde unter anderem das Haus des dortigen Chefs der islamistischen Palästinensergruppe, Jihia al-Sinwar.

Angesichts der zunehmenden Gewalt mit vielen Toten beriet sich US-Außenminister Antony Blinken am Sonntag mit seinem saudischen Amtskollegen Faisal bin Farhan al-Saud. Nach Angaben des US-Außenministeriums ging es dabei vor allem um die fortlaufenden Bemühungen, die Spannungen in Israel, im Westjordanland und im Gazastreifen abzubauen und die Gewalt zu beenden.

Die Versuche internationaler Vermittler, eine Waffenruhe zu erzielen, blieben bislang erfolglos. UN-Generalsekretär António Guterres warnte bei einer Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats in New York vor unkontrollierbaren Folgen des Konflikts für den gesamten Nahen Osten.

Israels Luftwaffe zerstörte am Wochenende auch ein Hochhaus mit Büros von Medienunternehmen im Gazastreifen. Berichten zufolge waren die Bewohner zuvor telefonisch gewarnt worden. Die von dem Vorfall betroffene Nachrichtenagentur AP zeigte sich entsetzt, Journalistenverbände protestierten.

In dem Hochhaus sei ein Geheimdienstbüro der Hamas untergebracht gewesen, das Angriffe auf israelische Zivilisten organisiert habe, sagte Netanjahu dem US-Sender CBS. Es sei also "ein völlig legitimes Ziel" gewesen.

Mindestens 3100 Raketen auf Israel, fast 200 Tote im Gazatstreifen

Seit Beginn der Eskalation am Montag vergangener Woche wurden nach Armeeangaben mindestens 3100 Raketen auf Israel abgefeuert. Die Intensität des Beschusses sei so hoch wie nie zuvor in einem Konflikt mit der islamistischen Hamas. Seit der gewaltsamen Machtübernahme der Palästinenserorganisation im Gazastreifen 2007 haben sich Israel und die Hamas bereits drei Kriege geliefert.

Im Gazastreifen wurden nach Angaben des dortigen Gesundheitsministeriums seit Montagabend fast 200 Menschen getötet. Allein in der Nacht auf Sonntag kamen demnach bei Angriffen der israelischen Armee auf Häuser in dem Küstengebiet 42 Palästinenser ums Leben. In Israel wurden Rettungskräften zufolge durch den Raketenbeschuss seit Montagabend zehn Menschen getötet.

Der Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern hatte sich während des muslimischen Fastenmonats Ramadan und nach der Absage der palästinensischen Parlamentswahl fortlaufend zugespitzt. Als Auslöser gelten Polizeiabsperrungen in der Jerusalemer Altstadt, die viele junge Palästinenser als Demütigung empfanden. Hinzu kamen drohende Zwangsräumungen für palästinensische Familien im Jerusalemer Viertel Scheich Dscharrah und heftige Zusammenstöße auf dem Tempelberg (Al-Haram al-Scharif) in der Altstadt von Jerusalem. Die Anlage mit Felsendom und Al-Aksa-Moschee ist die drittheiligste Stätte im Islam - und sie ist auch Juden heilig, weil dort früher zwei jüdische Tempel standen. Die Hamas hat sich zum Verteidiger Jerusalems erklärt.

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Auch im Westjordanland gab es schwere Zusammenstöße zwischen Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften, mehrere Menschen starben. In mehreren Städten im israelischen Kernland kam es erneut zu Auseinandersetzungen zwischen Juden und arabischen Israelis. In Jerusalem wurden sechs Polizisten verletzt, als ein Fahrer sie mit einem Auto rammte. Zur Identität des Fahrers machte die Polizei zunächst keine Angaben, er sei "neutralisiert" worden.

Der jüngste Konflikt eskalierte während des Versuchs zur Bildung einer Regierung in Israel. Der bisherige Oppositionsführer Jair Lapid warf Netanjahu vor, den Konflikt dafür zu nutzen, um seinen Verbleib im Amt zu sichern. Der Ministerpräsident widersprach. Ihm war es zuvor nicht gelungen, eine Mehrheit für eine Koalition zu schmieden, sodass der Auftrag zur Regierungsbildung Lapid zufiel.

tim DPA

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