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Nelson Mandela "Er macht noch immer die Augen auf"


Seine Nieren arbeiten nicht mehr, alle drei Stunden braucht er eine Dialyse. Südafrika erwartet den Tod Nelson Mandelas. Dessen Tochter und Enkelin berichten vom Besuch in der Klinik.

Die Familie von Südafrikas Ex-Präsident Nelson Mandela hat das Land am Donnerstag auf den nahenden Tod des Anti-Apartheid-Helden vorbereitet. Sein Gesundheitszustand sei "sehr kritisch. Von einem Augenblick zum nächsten kann alles passieren", sagte seine älteste Tochter Makaziwe Mandela dem Sender SAFM. Allerdings öffne ihr Vater noch die Augen und reagiere auf Berührungen.

"Gott alleine weiß, wann die Stunde schlagen wird. Wir werden mit Papa warten", sagte sie in dem Interview. "Aber wir werden mit der Hoffnung leben, bis das Ende kommt", sagte Makaziwe Mandela.

Vielleicht sei Gott gnädig und "Tata (Vater) ist am 18. Juli noch am Leben und wir können als Familie seinen Geburtstag wie immer feiern", sagte Mandelas Enkelin, Ndileka Mandela. Ihr Großvater wird am 18. Juli 95 Jahre alt. "Ich will nicht lügen, er sieht nicht gut aus. Aber er macht immer noch seine Augen auf", fügte die Enkelin hinzu.

US-Diplomaten in Sorge um Obamas Besuchsprogramm

US-Diplomaten sind in großer Sorge, dass das minutiös geplante, dreitägige Besuchsprogramm von US-Präsident Barack Obama am Kap bei einem Ableben Mandelas völlig unrealistisch werden könnte. Sollte Mandela gar bis Freitagmorgen sterben, sei die Streichung des ganzen Obama-Besuchs angesichts der dann ausgerufenen Staatstrauer denkbar, sagten westliche Diplomaten. Obama wird am Freitag in Südafrika erwartet.

Präsident Jacob Zuma hatte am Mittwochabend gesagt, Mandela schwebe "weiterhin in Lebensgefahr". Der Staatschef sagte deswegen eine für Donnerstag geplante Teilnahme an einem Regionalgipfel in Mosambik ab. Zuma äußerte sich unter Berufung auf Mandelas Ärzte nach einem Besuch am Krankenbett seines Vorgängers im Mediclinic Heart Hospital in Pretoria. Nelson Mandela war am 8. Juni wegen einer schweren Lungenentzündung ins Medi-Clinic-Heart-Krankenhaus in Pretoria gebracht worden und wird nach Familienangaben künstlich beatmet. Wegen Nierenversagens sei auch alle drei Stunden eine Dialyse notwendig. Die Ärzte hätten der Familie angeboten, über die Abschaltung der lebenserhaltenden Geräte zu entscheiden, meldete die Zeitung "The Citizen" unter Berufung auf Angehörige.

Hillary Clinton wünscht alles Gute per Twitter

Wegen seines Kampfes gegen die Apartheid saß er 27 Jahre lang in Haft. 1994 wurde er zum ersten schwarzen Präsidenten Südafrikas gewählt und blieb bis 1999 im Amt. Er ebnete den Weg zur Aussöhnung von Schwarzen und Weißen in seinem Heimatland und wird als Vater des modernen Südafrika verehrt.

Die ganze Welt bete für Mandela, sagte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon in New York. Er nannte den Ex-Präsidenten "einen der Giganten des 20. Jahrhunderts". Die frühere US-Außenministerin Hillary Clinton schickte per Twitter ihre Liebe und ihre Gebete an "unseren großen Freund Madiba, an seine Familie und sein Land". Madiba ist der Stammesname Mandelas. Vor der Klinik in Pretoria versammelten sich bis viele Südafrikaner und legten Wünsche, Briefe, Blumen und Stofftiere vor einem Foto nieder, die ganze Nacht über brannten Kerzen.

anb/AFP/DPA DPA

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