HOME

Nuklearprogramm: Nordkoreas Atombomben passen jetzt in Raketen

Es könnte der Durchbruch für die Atommacht Nordkorea sein: Das Land ist nach eigenen Angaben in der Lage, nukleare Sprengköpfe in verschiedenen Größen herzustellen - und sie mit Raketen abzufeuern.

Abschuss einer nordkoreanischen U-Boot-Rakete unter den Augen des Diktators Kim persönlich

Abschuss einer nordkoreanischen U-Boot-Rakete unter den Augen des Diktators Kim persönlich

Seit Anfang des Jahres ist Nordkorea offenbar dabei, sein Waffenarsenal massiv hochzurüsten. Nach eigenen Angaben soll das Land nun in der Lage sein, eine ballistische Rakete mit einem passenden Atomsprengkopf zu bestücken. Man könne sich mit Atomwaffen verteidigen, die klein genug für Raketen seien, sagte ein Sprecher der Nationalen Verteidigungskommission, des wichtigsten Entscheidungsgremiums Nordkoreas, in einer Erklärung, die der südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap vorliegt.

Es sei viel Zeit vergangen, "seit wir mit der Verkleinerung und der Diversifizierung unserer Mittel für einen Atomschlag" begonnen haben, hieß es in der Mitteilung weiter. "Der höchste Grad der Genauigkeit nicht nur für Kurz- und Mittelstreckenraketen, sondern auch für Langstreckenraketen" sei erreicht. "Wir verbergen diese Tatsache nicht." Resolutionen des Weltsicherheitsrats untersagen eigentlich den Start von Raketen "unter Verwendung ballistischer Raketentechnik".

Ungeachtet des UN-Verbots hatte der isolierte Diktator in den vergangenen Monaten immer wieder regelmäßige Raketentests unternommen. US-Forscher fürchten, dass Nordkorea in den kommenden fünf Jahren sein Atomprogramm ausweiten und bis zum Jahr 2020 über hundert Atomsprengköpfe verfügen könnte. Zwischen 2006 und 2013 hat Nordkorea bereits drei Atomtests unternommen.

Die jüngste Eskalation im Überblick:

  • Am 9. Mai 2015 hat Nordkorea nach Angaben der Staatsmedien erfolgreich eine neu entwickelte Unterwasser-Rakete getestet. Es handele sich um eine "strategische Waffe von Weltrang", die dem neuesten Stand der Militärtechnologie entspreche, hieß es in dem Bericht.
  • Am 3. Mai 2015 kündigte Machthaber Kim Jong Un an, weitere Satelliten ins All schießen zu wollen. Offiziell dient das Satellitenprogramm wissenschaftlichen Zwecken, Experten gehen jedoch davon aus, dass es sich um einen versteckten Raketentest handelte.
  • Am 23. April 2015 äußerten sich amerikanische und chinesische Atomexperten über den Stand des nordkoreanischen Atomprogramms: Danach besitze das Land mehr als 20 Atomsprengköpfe. Diese Zahl könnte angesichts Pjöngjangs Fähigkeit zur Urananreicherung bis zum kommenden Jahr verdoppelt werden, berichtete das "Wall Street Journal".
  • Am 9. April 2015 sagte der nordkoreanische Premierminister Pak Pong Ju auf einer Parlamentssitzung, dass sein Land trotz der maroden Wirtschaft weiter den Bau von Atomwaffen plant. Wichtig sei es, die Strategie der Partei umzusetzen, den wirtschaftlichen Aufbau und Ausbau einer Atomstreitmacht voranzutreiben, wird er zitiert.
  • Am gleichen Tag feuerte das Land zwei Boden-Luft-Raketen Richtung Gelbes Meer ab. Zu diesem Zeitpunkt ist US-Verteidigungsminister Ashton Carter auf Asienreise.
  • Am 3. April 2015 feuerte Nordkorea von seiner Westküste vier Raketen ab, die 100 Kilometer weit entfernt in der offenen See landen. Der Test gilt als weiterer Protest gegen die anhaltenden gemeinsamen Militärübungen der südkoreanischen Armee und der US-Streitkräfte.
  • Am 13. März wurden von der Ostküste Nordkoreas sieben Raketen abgeschossen. Die Machtdemonstration gilt als erster Protest gegen die gemeinsamen Militärübungen von USA und Südkorea.
  • Am 28. Februar 2015 erteilte Diktator Kim Jong Un der Armee den Befehl, sich auf einen "Krieg" mit den USA und deren Verbündeten vorzubereiten. Das Militär müsse hart trainieren, um das "Sternenbanner in Stücke zu reißen", sagte Kim staatlichen Medien zufolge.
  • Am 7. Februar 2015 ließ die Regierung in Pjöngjang eine "intelligente" Schiff-Abwehrrakete testen. Die Übung erfolgte unter den Augen des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Un. "In Kürze" solle die gesamte nordkoreanische Marine mit der neuen Schiff-Abwehrrakete ausgerüstet werden. Kim habe zudem die Entwicklung weiterer taktischer Hochpräzisionswaffen gefordert.
  • Am 29. Januar 2015 verdichteten sich Experten zufolge die Hinweise, dass Pjöngjang seinen angeschalteten Atomreaktor im Yongbyon wieder hochfährt. Das Kraftwerk ist in der Lage, atomwaffenfähiges Plutonium zu produzieren. Der Reaktor war 2007 im Zuge der Atomgespräche abgeschaltet worden.
  • Am 10. Januar 2015 bot die nordkoreanische Führung überraschend an, vorläufig auf Atomtests zu verzichten, wenn Südkorea und die USA im Gegenzug auf die geplanten gemeinsamen Militärmanöver verzichteten. Die Amerikaner verstanden das Angebot als "indirekte Drohung" und lehnten es ab.
  • Am 3. Januar 2015 verschärften die USA ihre Sanktionen gegen Nordkorea. Grund ist der Hackerangriff auf Sony.
  • Am 21. Dezember 2015 erwogen die USA, Nordkorea wieder auf die Liste der Staaten zu setzen, die Terrorismus unterstützen. Das Weiße Haus reagierte damit auf den Hacker-Angriff auf Sony, hinter dem das asiatische Land mutmaßlich steckt. Nordkorea war 2008 von der Liste gestrichen worden.
Niels Kruse mit DPA/AFP/Reuters / Reuters