HOME

Hochrechnungen in Österreich: Kopf-an-Kopf-Rennen bei Präsidentenwahl

Die Bundespräsidentenwahl in Österreich wird sehr knapp ausgehen - nach ersten Hochrechnungen lag Rechtspopulist Norbert Hofer knapp vorn, gleich darauf ging der unabhängige Kandidat Alexander Van der Bellen in Führung.

Norbert Hofer an der Wahlurne, umringt von Journalisten

Norbert Hofer von der rechtspopulistischen Partei FPÖ hatte in einer ersten Hochrechnung knapp vorn gelegen

Bei der Bundespräsidentenwahl in Österreich hat sich am Sonntag ein Kopf-an-Kopf-Rennen abgezeichnet. Nach ersten Hochrechnungen des ORF lag der Kandidat der rechtspopulistischen Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ), Norbert Hofer, äußerst knapp mit 50,2 Prozent vorn. Gleich darauf übernahm dann sein Konkurrent, der unabhängige Kandidat Alexander Van der Bellen, mit 50,01 Prozent eine noch knappere Führung.

Hofer wäre der erste Rechtspopulist an der Spitze eines EU-Staates. Die FPÖ ist ausländer- und europakritisch. Hofer hat angekündigt, als Bundespräsident seine Befugnisse stärker als die Vorgänger nutzen zu wollen. Dazu gehört im äußersten Fall auch die Entlassung der Regierung. 


Endgültiges Ergebnis erst Montag bekannt

Ein Unsicherheitsfaktor bei den Hochrechnungen ist die Rekordzahl von voraussichtlich etwa 700.000 bis 800.000 Briefwählern. Das sind mehr als zehn Prozent der 6,4 Millionen Wahlberechtigten. Deren Stimmen werden erst am Montag ausgezählt. Zwar versuchen die Berechnungen die Briefwähler zu berücksichtigen, Gewissheit wird wahrscheinlich aber erst die Auszählung liefern. Die Wahlbeteiligung dürfte etwas über den 68,5 Prozent vom ersten Wahlgang liegen.


Beide Kandidaten hatten sich in einem bisher beispiellosen Lager-Wahlkampf um die Nachfolge des im Juli ausscheidenden Bundespräsidenten Heinz Fischer beworben. Erstmals waren in der Stichwahl keine Kandidaten der Regierungsparteien SPÖ und ÖVP vertreten. Unter anderem wegen des SPÖ-Debakels in der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen war Bundeskanzler Werner Faymann zurückgetreten.

Hofers Gegner sind "gegen Rechts"

Die Wahl stieß international auf großes Interesse. Das Erstarken der Rechtspopulisten auch in anderen Ländern wird von EU und vielen Regierungen mit Sorge beobachtet. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hatte sich mit klaren Worten in den österreichischen Präsidentschafts-Wahlkampf eingemischt und vor Hofer gewarnt. Das neue Staatsoberhaupt wird am 8. Juli vereidigt. Die Amtsdauer beträgt sechs Jahre. Der Bundespräsident darf sich laut Verfassung einmal zur Wiederwahl stellen.

In einer ersten Analyse zu den Wahlmotiven stellte sich heraus, dass weniger die echte Überzeugung für einen Kandidaten eine Rolle spielte. Vielmehr machten viele Wähler ihr Kreuz, um den jeweiligen Gegenkandidaten zu verhindern. 40 Prozent der Wähler von Van der Bellen gaben an, "gegen Rechts" gewählt zu haben, um Hofer zu verhindern, sagte der Meinungsforscher Peter Hajek. "Alle anderen Motive sind da deutlich in den Hintergrund getreten." So habe das Flüchtlingsthema bei nur zwölf Prozent der Hofer-Wähler eine wichtige Rolle gespielt.

Hajek geht davon aus, dass der Kandidat, der in Wien 60 Prozent oder mehr der Stimmen bekommt, am Ende die Wahl gewinnen wird. Nach dem aktuellen Stand der Dinge, hieße der Sieger dann van der Bellen:


Hofer konnte laut Analysen vor allem bei den Wählern im ländlichen Raum punkten, der 72-jährige Van der Bellen hatte die meisten Anhänger in den größeren Städten.

jen / DPA