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Parlamentarische Festsitzung in Kroatien: EU-Beitritt wird mit Spannung erwartet

Nach zähen Verhandlungen wird Kroatien am Montag das 28. Mitgliedsland der EU. Der Stolz ist groß, gleichzeitig ist für die Politiker klar: Es wartet noch viel Arbeit.

Mit einer Festsitzung im Parlament hat die kroatische Staats- und Regierungsspitze den Beitritt ihres Landes zur EU begrüßt. Staatspräsident Ivo Josipovic sprach von einem Wendepunkt in der Entwicklung des Landes. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sieht auf Kroatien noch viel Reformarbeit zukommen.

Kroatien wird an diesem Montag das 28. Mitglied der Europäischen Union (EU). Am Sonntag um Mitternacht werden die Zollschranken und Grenzkontrollen zu den Nachbarländern Italien, Slowenien und Ungarn gelockert. Das Adrialand wird damit nach Slowenien das zweite EU-Mitgliedsland aus dem ehemaligen Jugoslawien.

"Jetzt gibt es keine Ausflüchte mehr"

An der Sondersitzung des Parlaments in Zagreb nahmen am Samstag rund 350 Vertreter aus Politik, Gesellschaft und Religionsgemeinschaften teil. "Mit dem Beitritt wurde ein Generationenziel erreicht, das eine Wende in der Entwicklung Kroatiens bedeutet", sagte Staatspräsident Josipovic: "Das war unser nationales Ziel, in dem sich alle Parteien einig waren".

"Jetzt gibt es keine Ausflüchte mehr", sagte Regierungschef Zoran Milanovic: "Unser Erfolg liegt jetzt einzig in unseren Händen". Sein Land werde in Zukunft nicht mit Hochmut auf die Balkanländer herabschauen, die noch nicht in der EU seien, versprach Milanovic. Vielmehr wolle sich die frühere jugoslawische Republik zum Anwalt auch der Nachbarländer machen, die ebenso in die EU streben.

Kanzlerin Merkel, die nicht an den Beitrittsfeiern in Zagreb teilnimmt, hieß Kroatien in der EU willkommen. Sie sieht aber noch viel Reformbedarf. "Gerade im Bereich der Rechtssicherheit und der Korruptionsbekämpfung sind noch viele weitere Schritte zu gehen", sagte Merkel in einem Podcast. Zudem müsse das Adrialand noch weitere Wirtschafts- und Arbeitsmarktreformen durchführen. "Aber das gilt nicht nur für das neue Mitgliedsland Kroatien, sondern das gilt für uns alle", betonte die Kanzlerin.

Festlichkeiten auf dem Ban-Jelacic-Platz geplant

Der Fraktionschef der Sozialdemokraten im Europaparlament, Hannes Swoboda, bezeichnete Kroatien als Beispiel für den ganzen Balkan. "Diese Länder müssen von Kroatien lernen", sagte Swoboda dem Sender NDR Info. Vor allem bei der Korruptionsbekämpfung habe das Land große Fortschritte gemacht und sich besser auf die EU-Mitgliedschaft vorbereitet als Bulgarien und Rumänien.

Die Spitzen der EU-Kommission, des Europaparlaments sowie zahlreiche Staats- und Regierungschefs der Nachbarländer haben sich zu den Feiern am Sonntagabend angemeldet. Für die Bürger steigt auf dem Ban-Jelacic-Platz im Zentrum der Hauptstadt die zentrale Feier mit Musik und Feuerwerk.

cob/DPA / DPA