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Politisches Familiendrama in Frankreich: L'Oréal-Erbin Bettencourt, ihr Hausfreund und eine Steueraffäre

Ein erbitterter Streit zwischen Mutter und Tochter, ein schillernder Lebemann und eine Steueraffäre, die bereits einen Minister in Bedrängnis gebracht hat: Der Prozess um das Vermögen der französischen Milliardärin Liliane Bettencourt, der am (morgigen) Donnerstag in Nanterre bei Paris beginnt, bietet Stoff für einen ganzen Roman.

Ein erbitterter Streit zwischen Mutter und Tochter, ein schillernder Lebemann und eine Steueraffäre, die bereits einen Minister in Bedrängnis gebracht hat: Der Prozess um das Vermögen der französischen Milliardärin Liliane Bettencourt, der am (morgigen) Donnerstag in Nanterre bei Paris beginnt, bietet Stoff für einen ganzen Roman. Auf der Anklagebank: Der Fotograf und Schriftsteller François-Marie Banier, der die L'Oréal-Erbin Bettencourt um fast eine Milliarde Euro erleichtert haben soll.

Auf diese Summe wird der Wert der Geschenke geschätzt, die die heute 87-jährige Bettencourt über einen Zeitraum von zehn Jahren ihrem 25 Jahre jüngeren Freund Banier gemacht haben soll. Für sie sei das kein besonders großer Betrag, erklärte die laut "Forbes"-Liste reichste Frau Europas 2007 in einem Interview der Zeitung "Le Journal du Dimanche". Ihr Vermögen bezifferte das Magazin "Forbes" in diesem Jahr auf 20 Milliarden Dollar, mehr als 16 Milliarden Euro.

Die großzügigen Gaben an Banier erzürnten indes Bettencourts einzige Tochter und Erbin. Françoise Meyers-Bettencourt wirft dem Fotografen vor, er habe ihre altersschwache Mutter ausgenommen wie eine Weihnachtsgans. Allerdings hatte noch im September ein Staatsanwalt erste Ermittlungen in dem Fall eingestellt und erklärt, Madame Bettencourt sei im vollen Besitz ihrer geistigen Kräfte. Eine von dem Gericht in Nanterre für Anfang dieses Jahres angeordnete Untersuchung der Milliardärin lehnte die alte Dame pikiert ab.

Um das Gericht zu überzeugen, dass ihre Mutter unzurechnungsfähig sei, ließ Meyers-Bettencourt die 87-Jährige offenbar abhören. Und damit wurde das Familiendrama politisch: Aus den unter anderem vom Online-Dienst Mediapart veröffentlichten Mitschnitten geht hervor, dass die reichste Frau Europas einen Teil ihres Vermögens in Steueroasen geparkt und möglicherweise vor dem französischen Fiskus verheimlicht hatte.

Das Peinliche daran: Bettencourts Vermögen wird von einer Firma verwaltet, bei der in den vergangenen drei Jahren die Frau eines französischen Ministers arbeitete. Es handelt sich dabei ausgerechnet um Éric Woerth, der bis zu seinem Wechsel ins Arbeitsministerium vor einem Jahr Finanzminister war.

Obwohl Woerths Frau Florence jetzt ihren Job bei der für Bettencourt tätigen Vermögensverwaltung Clymène aufgegeben hat, steht Woerth weiter unter massivem Druck. Als Finanzminister hatte er Steueroasen den Kampf angesagt, nun fragt sich die Öffentlichkeit, ob er vor der Nutzung derselben durch Bettencourt die Augen verschlossen hat. Genährt wird dieser Verdacht nicht nur durch die Tätigkeit seiner Frau bei Clymène, sondern auch durch Spenden Bettencourts an die Regierungspartei UMP.

Der Anwalt des eigentlichen Angeklagten Banier will die neuen Enthüllungen nutzen, um Aufschub für seinen Mandanten zu erwirken: Beim (morgigen) Prozessauftakt will beantragen, das das Gericht vor einer Verhandlung der Vorwürfe gegen Banier zunächst die Mitschnitte der Telefongespräche Bettencourts überprüft. "Madame Woerth hat ihren Arbeitsplatz aufgegeben, und Madame Bettencourt holt ihr Geld nach Frankreich zurück. Irgendetwas muss an der Sache also dran sein", erklärte er süffisant.

Jamey Keaten, APN / APN