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Raketenstart in Nordkorea: China will Eskalation verhindern

Könnte sich aus dem Streit im UN-Sicherheitsrat um den Raketenstart Nordkoreas ein handfester Konflikt entwickeln? China fürchtet dies und tut daher alles, um eine Eskalation zu verhindern. Nur scheinbar steht Peking dabei an der Seite des langjährigen Partners. In erster Linie wollen die Chinesen einen Krisenherd vor der Haustür vermeiden.

China befürchtet Überreaktionen auf Nordkoreas Raketenstart und will diese verhindern. Im Ringen des Weltsicherheitsrates um die richtige Antwort auf die Provokation aus Pjöngjang mahnt Peking zur Vorsicht. Die Botschaft erscheint offensichtlich: China wird mit seinem Vetorecht eine scharfe Reaktion oder gar neue Sanktionen verhindern. Mit seltenem Aktivismus telefonierte Chinas Außenminister Yang Jiechi mit seinen Kollegen in den USA, Russland, Südkorea und Japan und warnte vor einer Eskalation. Es gebe nur einen Weg aus der neuen Krise: Die baldige Wiederaufnahme der Sechs-Parteien-Verhandlungen über ein Ende des nordkoreanischen Atomwaffenprogramms.

Realpolitische Kalkulation Pekings

Was oberflächlich so scheint, als wenn China seinen rücksichtslosen kommunistischen Nachbarn auch noch in Schutz nimmt, ist realpolitische Kalkulation. Mit seiner kühlen Haltung ist China außerdem in bester Gesellschaft. Auch die in Brüssel ansässige renommierte Denkfabrik International Crisis Group warnte vor dem "Risiko einer überzogenen Reaktion", die nur die Sechser-Gespräche gefährden und den Hardlinern in Pjöngjang in die Hände spielen würde.

"Was notwendig ist, ist eher eine ruhige, koordinierte Antwort der wichtigsten Spieler, um den Druck auf Pjöngjang zu erhöhen, zu den Gesprächen zurückzukehren, und nicht eine gespaltene Reaktion, die nur den Wunsch Nordkoreas erfüllt, die Kluft zwischen seinen Nachbarn zu vertiefen", fordert die unabhängige Crisis Group. Eine harte Reaktion auf den Raketenstart könne vielleicht "die heimische Wählerschaft erfreuen", doch habe die Geschichte gezeigt, dass sich Nordkoreas Verhalten damit nicht beeinflussen lasse.

Da der Flug der Langstreckenrakete möglicherweise gescheitert ist und die Rakete nie den Weltraum erreicht hat, dürfte jetzt auch ungeklärt bleiben, ob tatsächlich ein Satellit an Bord war oder nur ein Raketentest vertuscht worden ist. Was geschehen ist, lässt sich nicht mehr ändern, sagt sich China lieber und blickt nach vorne, um alle Konfliktparteien wieder an den Verhandlungstisch zu holen. Immerhin sind die Chancen für eine Annäherung mit dem neuen US- Präsidenten Barack Obama heute besser als je zuvor.

"Verhandlungen sind besser als Krieg"

China trage Verantwortung für die ganze Region, sagte der chinesische Nordkorea-Experte Li Xiaoning. "Verhandlungen sind besser als Krieg." In den seit 2003 laufenden Sechser-Gesprächen seien trotz allem Hin und Her große Fortschritte gemacht worden. "Jetzt gibt es viele Kanäle, um Forderungen vorzubringen und Informationen weiterzuleiten, um Krieg zu verhindern." China fürchtet nichts mehr als eine Eskalation in den jüngst noch verschlechterten Beziehungen Nordkoreas zum Süden des Landes und zu Japan, das im Vorfeld sogar gedroht hatte, die Rakete abzuschießen.

Zwar sind China und Nordkorea alte kommunistische Bruderländer und haben während des Koreakrieges (1950-53) Seite an Seite gekämpft, doch sind die Differenzen heute groß. Während der stalinistische Nachbar in der kulturrevolutionären Phase steckengeblieben ist, hat China drei Jahrzehnte erfolgreiche marktwirtschaftliche Reformen und Öffnung hinter sich. Dass Nordkoreas Machthaber Kim Jong Il nicht dem leuchtenden chinesischen Beispiel folgt, sondern lieber die Atomkarte spielt, bereitet Chinas Führern große Kopfschmerzen.

China will weder Atomwaffen vor der Haustür noch einen Kollaps Nordkoreas. Flüchtlingsströme hungernder Nordkoreaner über die Grenze nach China wären die Folge. Auch wäre ein Nordkorea, das nichts mehr zu verlieren hat, ein derart hohes Sicherheitsrisiko, das selbst Peking nicht mehr einschätzen kann.

Andreas Landwehr/DPA / DPA