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Razzia: "Er ist eingekesselt"

Jagd auf Osama bin Laden: Medienberichten zufolge soll der El Kaida-Chef im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet von Spezialeinheiten eingekreist worden sein. Eine Gefangennahme könnte dem angeschlagenen US-Präsidenten neue Popularität verschaffen.

Kurz nach Beginn einer Offensive der afghanischen Armee gegen Taliban- und El-Kaida-Kämpfer hat nun auch Pakistan Truppen im Grenzgebiet mobilisiert. Der pakistanische Militärsprecher General Shaukat Sultan sagte dem privaten Fernsehsender Geo am Samstag, mit der Operation sollten Terroristen aus der unwegsamen Region vertrieben werden. Pakistans Außenminister Khurshid Kasuri sprach von "koordinierten Bemühungen" pakistanischer Kräfte auf der einen und amerikanischer und afghanischer Truppen auf der anderen Seite der Grenze.

Bin Laden angeblich eingekreist

Die britische Boulevardzeitung "Sunday Express" berichtete unter Berufung auf einen Mitarbeiter eines US-Geheimdienstes, der Kopf des Terrornetzwerkes El Kaida, Osama bin Laden, sei in Pakistan an der Grenze zu Afghanistan von britischen und amerikanischen Spezialeinheiten eingekreist. Zwei hochrangige amerikanische Militärs hätten der Zeitung versichert, Bin Laden könne nicht entkommen, hieß es weiter. "Er ist eingekesselt", zitiert das Blatt die Mitarbeiter.

Bin Laden sei vermutlich in einem rund 16 mal 16 Kilometer großen Gebiet, das von einem US-Spionagesatelliten überwacht werde. Das Toba-Kakar-Gebirge gilt demnach als schwer zugänglich. Der frühere Taliban-Regierungschef Mullah Mohammed Omar gehöre zu seinem Gefolge, so die Zeitung. Aus Pakistan gab es keine Bestätigung für den Bericht.

Das pakistanische Militär teilte am Samstag mit, US-Truppen dürften nicht auf pakistanisches Territorium vordringen. Die Operation werde nur von pakistanischen Truppen ausgeführt. Festgenommene Rebellen würden nicht an die USA ausgeliefert. Die afghanische Armee startete vor wenigen Tagen in der ostafghanischen Provinz Chost an der pakistanischen Grenze eine Offensive gegen Taliban- und El-Kaida-Kämpfer. Nach afghanischen Angaben von vergangener Woche bereiten Taliban-Kämpfer Angriffe auf US-Truppen und Regierungsziele im Grenzgebiet zu Pakistan vor.

Widersprüchliche Angaben

US-Medien hatten vor kurzem von einer bevorstehenden Frühjahrsoffensive der US-Truppen in Afghanistan berichtet, deren Ziel die Gefangennahme Bin Ladens und des Taliban-Führers Mullah Mohammed Omar sei. Der Befehlshaber der US-Truppen in Afghanistan, General David Barno, hatte im Januar gesagt, er erwarte, dass beide in diesem Jahr gefasst würden. Der Führer der Terrororganisation sei nicht das direkte Ziel dieser Suche, der vierten dieser Art seit den Anschlägen vom 11. September, sagte wiederum ein Geheimdienstmitarbeiter. Aber es würden sich Hinweise auf seinen Aufenthaltsort erhofft.

Die Wahlstrategen um George W. Bush hoffen auf einen baldigen Fahndungserfolg. Der Präsident lag nach neuesten Umfragen bis zu zwölf Prozentpunkte hinter seinem mutmaßlichen demokratischen Herausforderer Kerry. Eine Gefangennahme bin Ladens könnte dem angeschlagenen Präsidenten neue Popularität verschaffen. Insgesamt sind in Afghanistan rund 11 000 US-geführte Koalitionssoldaten stationiert. Bei Kämpfen und Anschlägen besonders im Südosten und Osten des Landes wurden seit Jahresbeginn mehr als 100 Menschen getötet.

Hinweise auf internationales Netzwerk

Unterdessen liegen einer neu gegründeten US-Behörde nach einem Zeitungsbericht Hinweise auf ein globales Netzwerk zur Herstellung von Bomben vor. Autobomben in Nahost, in Afrika und Asien seien häufig nach einem Muster gebaut worden, berichtete die "New York Times" am Sonntag unter Berufung auf die Behörde Tedac, die für die Analyse von Sprengsätzen zuständig ist und im Dezember unter anderem auf Initiative der US-Bundespolizei FBI ihre Arbeit aufnahm. Die Erkenntnisse könnten der Zeitung zufolge darauf hindeuten, dass etwa die Extremisten-Organisation El Kaida von Osama bin Laden noch immer weltweit Baupläne für Bomben verbreite.

"Es gibt einen Zusammenhang zwischen den Bomben, die auf den verschiedenen Kontinenten eingesetzt werden", zitierte das Blatt einen Tedac-Experten. "Wir wissen, dass wir es mit demselben Bombenbauer zu tun haben oder dass unterschiedliche Bombenbauer dieselben Anleitungen verwendet haben."

Für US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld ist El Kaida eindeutig auch in die Gewalttaten im Irak verstrickt. "Sie sind eindeutig beteiligt und aktiv", sagte Rumsfeld am Sonntag im irischen Shannon bei einer Zwischenlandung auf dem Weg nach Kuwait. Rebellen versuchten zudem im Irak zwischen den ethnischen und religiösen Gruppen Konflikte zu schüren, um die Entwicklung des Landes zu einer Demokratie zu behindern, sagte Rumsfeld weiter. In Bagdad wurde ein sunnitischer Geistlicher erschossen, der sich für einen größeren Einfluss seiner Gemeinschaft bei der politischen Neuordnung des Landes eingesetzt hatte.

"13 verschiedene Pässe und 20 Namen"

Auf die Frage, welche Rebellen-Gruppen für die immer besser organisierten Anschläge im Irak verantwortlich seien, antwortete der Minister, das sei schwer zu sagen. "Einige dieser Leute haben 13 verschiedene Pässe und 20 Namen", sagte er. Außer der El Kaida haben die USA auch Anhänger des gestürzten Präsidenten Saddam Hussein im Verdacht, Angriffe und Attentate zu verüben. Rumsfeld sagte nicht, ob er nach Kuwait auch in den Irak reisen wird. Dies wäre sein vierter Irak-Besuch seit dem Einmarsch der US-Truppen in das Land im März vergangenen Jahres.