Reaktionen auf Rede von Kairo Obama erfreut Muslime und ärgert Israel


Die Reaktionen auf Barack Obamas Kairoer Rede zeigen, dass der US-Präsident mit seinen Worten bereits einen ersten Schritt hin zum versprochenen Neuanfang zwischen den USA und der islamischen Welt gemacht hat. Während die muslimische Seite freundlich bis euphorisch reagierte, gab sich Israel kühl: "Es hätte schlimmer kommen können."

Die Rede von US-Präsident Barack Obama am Donnerstag in Kairo ist in der islamischen Welt vielfach positiv aufgenommen worden. Einige Stimmen mahnten aber, den Worten müssten nun auch Taten folgen. Ein israelischer Regierungssprecher äußerte sich zurückhaltend. Der Sprecher der palästinensischen Autonomiebehörde von Präsident Mahmud Abbas, Nabil Abu Rdeneh, sagte, die Passagen zur Palästinenserfrage seien ein wichtiger Schritt für einen Neuanfang gewesen. "Eine historische Rede", lobte Saeb Erekat, Chefunterhändler der Palästinenserregierung in Ramallah, "nur, was wird Obama morgen, übermorgen oder in einigen Wochen tun, wenn Israel auf seiner Politik beharrt und die Siedlungen in den besetzten Gebieten trotzdem ausbaut?"

Obama hatte sich in der Rede für einen eigenen Staat der Palästinenser ausgesprochen und erklärt, dass die Vereinigten Staaten die Legitimität eines fortlaufenden Siedlungsbaus im Westjordanland nicht akzeptierten. Dies zeige, "dass es eine neue und andere amerikanische Haltung bezüglich der palästinensischen Frage" gebe, sagte Abu Rdeneh. Ein Abgeordneter der mit Abbas' Fatah rivalisierenden Hamas erklärte, er sehe "viele positive Punkte". Es bestehe ein Unterschied zur Politik von Obamas Vorgänger George W. Bush. Doch bleibe die Frage, ob das Ergebnis ein unabhängiger palästinensischer Staat sein werde. "Obama hat nicht darüber gesprochen, dass man die demokratische Entscheidung des palästinensischen Volkes, das Hamas gewählt hat, respektieren muss", kritisierte ein Hamas-Sprecher die Rede.

Siedler im Westjordanland nennen Obama naiv

Ein israelischer Regierungssprecher sagte, die Rede hätte für den jüdischen Staat viel schlimmer ausfallen können. Sie habe keine größeren Überraschungen enthalten, so der Direktor des Presseamts der Regierung. Die Differenzen zwischen Israel und den USA seien bekannt - wenngleich Obama in seiner Rede betont hatte, der Bund zwischen den Vereinigten Staaten und Israel sei "unverbrüchlich". Eine Sprecherin jüdischer Siedler im Westjordanland bezeichnete Obamas Rede dennoch als naiv und realitätsfremd. Die moderne Geschichte habe gezeigt, dass die muslimische Welt einen Krieg gegen den Westen führe, sagte Alisa Herbst, die in der Siedlung Ofra wohnt. Obamas Vision von Frieden klinge nett, sei aber nicht realistisch. Noch härter urteilte das ultrarechte Eretz-Israel-Komitee. "Der Versuch, dem Land Israel zu schaden, wird Unglück über Amerika bringen", sagte der Leiter des Komitees, Rabbi Schalom Dov Wolfa.

Der Präsident des EU-Parlaments, Hans-Gert Pöttering, lobte dagegen "den Mut und die Entschlossenheit" Obamas, sich um Frieden im Nahen Osten zu bemühen. Pöttering rief Israel zur Kooperation auf.

"Präsident, der den Ton trifft"

Der Zentralrat der Muslime in Deutschland nahm die Rede mit Begeisterung auf. "Endlich ein Präsident, der den richtigen Ton trifft. Diese Rede war Balsam für die verletzten Seelen der Muslime", sagte Generalsekretär Aiman A. Mazyek. "Den Kolonialismus, die Kriege, die geführt wurden, das Gefühl, wie Menschen zweiter Klasse behandelt zu werden, all das hat Obama angesprochen." Seine mit Koran-Zitaten gespickte Rede sei eine "Anti-Hass-Predigt" gewesen, die USA hätten damit moralische Autorität zurückgewonnen. "Ab heute müssen die Extremisten wirklich fürchten, dass ihre Ideologie des Hasses am Ende ist. Es war der entscheidende Schlag gegen Al Kaida." Der schiitische Geistliche Scheich Mohaned al Mussawi aus dem Irak ergänzte: "Es ist sehr wichtig, dass er den Islam nicht als Teil des Terrors sieht, sondern als Teil einer Lösung, die Sicherheit, Frieden und Stabilität bringt."

"Ich kann es kaum glauben, er lobt die Verdienste der arabischen Zivilisation", schreibt eine begeisterte ägyptische Bloggerin. "Indem er das Recht der Palästinenser auf ein Leben in Würde anerkannt hat, wählt Obama einen Weg, der in eine ganz andere Richtung führt als der Weg, den frühere US-Regierungen gewählt hatten", schwärmt der Vize-Generalsekretär der jemenitischen Islamisten-Partei Islah. Von Bagdad bis Dubai, überall ist man voll des Lobes für den Mann aus dem Weißen Haus "Ich glaube, dass er nicht nur bei den Gästen im Saal, sondern beim gesamten arabischen Publikum gut angekommen ist, er hat die Herzen und den Verstand der arabischen Jugend gewonnen", sagte Abdelchalek Abdullah, Politik-Professor aus den Emiraten, dem Nachrichtensender Al-Arabija.

Der Direktor eines konservativen islamischen Internats in der indonesischen Hauptstadt Jakarta sagte dagegen, er traue Obama nicht. Der US-Präsident verspreche, anders zu sein als sein Vorgänger. "Aber es ist eben nur ein Versprechen. Wir wollen Taten. Wir wollen ein Ende aller Intervention in muslimischen Ländern sehen."

AP/DPA AP DPA

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