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Russland-Affäre: US-Sonderermittler Mueller muss nur noch die losen Enden zusammenbinden

Seit Sommer 2017 untersucht US-Sonderermittler Bob Mueller, ob und wie Donald Trumps Wahlkampfteam mit Russland zusammengearbeitet hat. Die Anzeichen mehren sich, dass er bald fertig sein wird - und Trumps Familie direkt betroffen sein könnte.

Donald Trump Robert Mueller

Donald Trump vs. Robert Mueller. Der Sonderermittler setzt dem US-Präsidenten weiter zu.

AFP

In wenigen Wochen wird US-Sonderermittler Robert Mueller seinen lang erwarteten Bericht über die Russland-Affäre vorlegen. Laut "Yahoo News" sind er und seine Kollegen gerade dabei, die "losen Enden zusammenzuknoten." Noch in diesen Tagen soll der nächste Schwung an Anklagen erhoben werden. Drei Namen stehen dabei im Mittelpunkt: Paul Manafort, Michael Cohen und Michael Flynn. Alle drei haben sich bereits schuldig bekannt, alle drei waren zudem bereit, mit dem Sonderermittler zusammenzuarbeiten - nun geht es darum, welche weiteren Erkenntnisse diese Kooperationen ergeben haben.

Michael Flynn log das FBI an

Vor allem Michael Flynn, Ex-General und Trumps Ex-Sicherheitsberater, könnte den Ermittlern entscheidende Erkenntnisse über die komplizierte Gemengelage in der Russland-Affäre geliefert haben. Der 60-Jährige hatte die Affäre mit ins Rollen gebracht, als er zugeben musste, das FBI über ein Treffen mit einem russischen Botschafter angelogen zu haben. Dabei hatte Flynn den Diplomaten gebeten, nicht gegen die Ende 2016 verhängten US-Sanktionen vorzugehen. Zu dem Zeitpunkt war die neu gewählte Regierung noch nicht im Amt, und "Privatpersonen" ist nicht erlaubt, mit ausländischen Offiziellen zu verhandeln. Genau dieser Vorwurf steht im Zentrum der Mueller-Ermittlungen: Hat das Team von Donald Trump sich verbotenerweise mit Moskau abgesprochen?

Sehen Sie im Video: "Auf ganzer Linie kooperiert: Trumps Ex-Berater Michael Flynn soll keine Haftstrafe erhalten"

Robert Muellers Untersuchungen haben bereits zu einer Verurteilung geführt sowie Dutzende von Anklagen nach sich gezogen - die meisten betreffen russische Staatsbürger. Im Zuge des Abschlussberichts wird aber erwartet, dass auch Amerikaner im Zentrum der Ermittlungen stehen - selbst das unmittelbare Umfeld des Präsidenten könnte betroffen sein. Seit langen machen Gerüchte die Runde, nach denen sich sogar Trump-Sohn Donald Jr. wird vor Gericht verantworten müssen.

Ungewöhnlich viele Anklagen in Washington

Daneben könnte auch Trumps langjähriger Vertrauter (und Geschäftspartner von Paul Manafort) Roger Stone ins Visier von Mueller gerückt sein. Anders als andere Trump-Ex-Mitstreiter wie Michael Cohen und Michael Flynn hat Stone bereits angekündigt, keinen Kooperationsdeal mit den Ermittlern eingehen zu wollen, um Strafmilderung zu bekommen.

Was genau die Öffentlichkeit erwartet, wenn der Sonderermittler die Früchte seiner anderthalb Jahre andauernden Untersuchung präsentieren wird, bleibt vorerst in Dunklen. Beobachter aber haben bereits eine Reihe von Hinweisen gesammelt, die erahnen lassen, was da noch  kommen könnte:

  • So hat etwa Ecuador seinen Julian-Assange-freundlichen Botschafter aus London abgezogen, wo der Wikileaks-Gründer vor Jahren Zuflucht gefunden hat. Es gibt den Verdacht, dass Assange im Zusammenarbeit mit dem Trump-Team gehackte E-Mails der Demokratischen Partei veröffentlicht hat – um der Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton im Wahlkampf zu schaden. Der Abzug des Diplomaten könnte möglicherweise den Weg freimachen für eine Auslieferung von Assange.
  • Der Sender ABC News berichtet, dass in Washington eine "ungewöhnlich große Zahl" an Anklagen eingegangen seien Die Rede ist von drei Dutzend, davon 14 alleine im August 2017, einem Monat, im dem es um die Mueller-Untersuchung sehr still gewesen sei.

Erst zu Beginn der Woche hatte Donald Trump seinem Ex-Anwalt Michael Cohen unterstellt, er würde die Ermittlungsbehörden anlügen, um eine Strafmilderung zu erreichen. Cohen verdiene eine "lange Haftstrafe", die er "vollständig ableisten" müsse, schrieb Trump auf Twitter. Zuvor hatte der Jurist zugegeben, den Kongress über Kontakte nach Moskau und ein Immobilienprojekt in der russischen Hauptstadt belogen zu haben. Demnach hatte Trumps Team noch mitten im Wahlkampf Geschäftsbeziehungen nach Russland, was er stets bestritten hatte.

Demokraten werden Untersuchungen starten

Wann auch immer Muellers Abschlussbericht veröffentlicht wird –Ärger droht wohl auch vom Kongress. Die oppositionellen Demokraten haben bei der Wahl im November die Mehrheit im Repräsentantenhaus gewonnen. Sobald die Abgeordneten im Januar vereidigt sind, werden sie ihre bereits angekündigten Untersuchungen zu diversen Trump-Themen starten. Angeblich liegt bereits eine Liste mit 100 offenen Punkten vor: darunter Trumps Steuererklärung, die Geschäfte seiner Familie, die Zahlung an Pornostar Stephanie Clifford - alias Stormy Daniels und den Rauswurf von Ex-FBI-Chef James Comey.

Quellen: "Business Insider", ABC, "Axios", Yahoo News, Donald Trump auf Twitter