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US-Politik Schwarzenegger greift Trump und Co. wegen Umgangs mit Masken an: "Wer das politisiert, ist ein Idiot"

Als republikanischer Gouverneur hatte Anrold Schwarzenegger bis 2011 Kalifornien regiert
Als republikanischer Gouverneur hatte Anrold Schwarzenegger bis 2011 Kalifornien regiert
© Paul Bersebach / DPA
In den USA spaltet die Debatte um das Tragen von Gesichtsmasken immer mehr die Nation - entlang der politischen Gräben. Nun hat sich Ex-Gouverneur und Schauspieler Arnorld Schwarzenegger gegen seine Republikaner gestellt - und für die Maskengegner harte Worte gefunden.

Auch wenn dabei wenig Begeisterung herrscht: Im Großen und Ganzen haben die Deutschen es akzeptiert, im Laden oder den öffentlichen Verkehrsmitteln eine Maske zu tragen. In den USA ist das Thema dagegen hochpolitisch. Eine Dummheit, findet Arnold Schwarzenegger -  und greift damit die eigene Partei und den Präsidenten an. 

Der als Actionfilm-Star bekannt gewordene Österreicher war selbst bis 2011 als republikanischer Gouverneur für das Schicksal von Kalifornien verantwortlich, nun lobte er seinen demokratischen Amts-Nachfolger Gavin Newsom. Der hatte beschlossen, dass die Bürger des Bundesstaates Masken tragen müssen, wenn sie sich in Läden oder einer Schlange zu einem öffentlichen Gebäude aufhalten. Und Schwarzenegger steht voll hinter der Entscheidung.

"Das ist zu 100 Prozent die richtige Entscheidung", erklärte er bei Twitter. "Es wird uns helfen, dieses schreckliche Virus zu besiegen. Die Wissenschaft ist sich einig: Wenn wir alle Masken tragen, werden wir die Verbreitung verlangsamen und können die Wirtschaft sicher wieder öffnen." Dann folgt eine klare Attacke gegen seine eigene Partei: "Jeder, der daraus eine politische Frage macht, ist ein Idiot, der nicht lesen kann."

Masken als Kulturkampf

Denn während das Tragen von Masken hierzulande nur von einer kleinen Randgruppe verweigert wird, spaltet die Frage die USA entlang der politischen Einstellungen: Die Ablehnung ist fast schon Parteilinie der Republikaner geworden.

Das beginnt beim Präsidenten. Donald Trump weigert sich weiter vehement, bei öffentlichen Auftritten eine Maske zu tragen. Selbst, als er eine Fabrik besuchte, in der Wattestäbchen für Corona-Schnelltests hergestellt wurden, trug Trump keine Maske. Die Folge: Die Produktion musste in den Müll. Als er beim Besuch eines Ford-Werkes dann doch eine Gesichtsbedeckung tragen musste, nahm er sie wieder ab, bevor er vor die Kameras trat. Er wollte den Reportern nicht die Freude machen, ihn mit maske zu sehen, feixte der Präsident.

Den Höhepunkt von Trumps Abneigung stellt aber wohl ein Interview vom Donnerstag dar. Manche Menschen würden die Masken gar nicht tragen, weil sie an die Wirkung glauben würden, behauptete der Präsident gegenüber dem "Wall Street Journal". Und bietet eine absurde Erklärung: Die Maske sei für viele Menschen nur ein Weg, um ihren Unmut gegen ihn selbst zum Ausdruck zu bringen.

Der Umkehrschluss könnte da schon richtiger sein: Viele Republikaner scheinen mit einer Verweigerung der Maske auch ihre Unterstützung des Präsidenten zur Schau zu tragen. "Zumindest bei seinen stärksten Unterstützern scheint es eine echte Ablehnung der Masken zu geben und der Präsident spielt in sie hinein," erklärte Keith Whittington, Politik-Professorin an der Elite-Uni Princeton, gegenüber "Al Jazeera". "Merkwürdigerweise scheinen die Masken zu einem Teil des Kulturkampfes zu werden."

Offiziell geht es den Repulikanern aber um etwas anderes. Sie sehen die Masken als Eingriff in die individuelle Freiheit, für die US-Rechte ein geradezu heiliges Gut. Als im USA-Kongress von der demokratischen Vorsitzenden Nancy Pelosi eine Maskenpflicht eingeführt wurde, führte das zu Verweigerungen durch republikanische Abgeordnete und laute Streits zwischen den politischen Konkurrenten. 

"Worum geht es in Donald Trumps Wahlkampagne? Er ist ein Rassismus schürender, fremdenfeindlicher, religiöser Fanatiker. Wissen Sie, wie man Amerika wieder groß macht? Sagen Sie Donald Trump, dass er zur Hölle fahren soll!"        Der republikanische US-Senator Lindsey Graham findet im Wahlkampf 2016 keine lobenden Worte für Donald Trump.   Heute steht der Senator fest hinter dem US-Präsidenten.  Das 2020 erneut veröffentliche Material soll den Politiker als scheinheilig und doppelzüngig darstellen.  Dass Trump auch nach seiner ersten Amtszeit als US-Präsident eine umstrittene politische Figur bleibt, wird besonders im Wahlkampf 2020 deutlich.    Denn selbst Republikaner, also Mitglieder seiner eigenen Partei, stellen sich öffentlich gegen ihn.        Die im Mai gegründete Organisation "Republican Voters against Trump" wendet erhebliche finanzielle Mittel gegen den amtierenden US-Präsidenten auf.        Mit einer zehn Millionen Dollar schweren Anzeigenkampagne wollen sie Republikaner davon überzeugen, sich von Trump abzuwenden.  Das Video mit Grahams alten Aussagen ist Teil der Kampagne.      Auf ihrer Webseite sammelt die Gruppe außerdem Videos von Republikanern, die sich dazu entschlossen haben, gegen Trump zu stimmen.        "Ich glaube, dass unserem Land die dunkelste Zeit seiner Geschichte bevorsteht, wenn Donald Trump für weitere vier Jahre gewählt wird." – Video Tommy        "Jemand hat gesagt, dass er eher für ein Thunfischsandwich stimmen würde als für Donald Trump – das gilt auch für mich." – Video Monica        "Wenn Donald Trump 2020 nicht geschlagen wird, werden die Vereinigten Staaten, die wir kennen, nie wieder dieselben sein. Vergesst die Partei, tut 2020 das Richtige." – Video Army Ranger        "Ich werde alles in meiner Macht Stehende tun, um Joe Biden beim Gewinnen zu helfen." – Video Joni        Gegründet wird "Republican Voters against Trump" von der republikanischen Anti-Trump-Initiative "Republicans for the Rule of Law".        Ob die Bemühungen der Trump-Gegner Früchte tragen, wird sich allerdings erst nach der US-Wahl am 3. November zeigen.  
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Menschenleben gegen Wirtschaft

Die Verweigerung der Masken passt gut in die republikanische Einstellung, die Krise sei nicht so schlimm wie dargestellt. Viele republikanische Politiker und Wähler scheinen die wirtschaftlichen Folgen der Krise mehr zu fürchten als den Verlust von Menschenleben. Die meisten der Bundesstaaten mit weiter steigenden Ansteckungszahlen werden republikanisch regiert, von den strengen Auflagen wie in Kalifornien sind sie weit entfernt. Manche gehen sogar aktiv gegen Masken vor. In Nebraska warnte der Gouverneur sogar lokale Verwaltungen, dass sie keinen Anspruch auf Nothilfe haben, wenn sie zum Tragen von Masken verpflichten würden, berichtete "CNN".

Selbst Donald Trumps Ansatz bei seinen Wahlkampfveranstaltungen scheint da regelrecht moderat. Bei einer Veranstaltung in Tulsa am Samstagabend werden jedem Teilnehmer eine Maske und Sterilisationsmittel ausgeteilt, hatte Trumps Wahlkampfteam am Montag erklärt. Ob es hilft, ist eine andere Frage. Das Wahlkampfteam erwartet Tausende Besucher, tragen müssen die ihre Masken nicht, bestätigte gerade ein Gericht. Der Präsident scheint sich wenige Sorgen um die Gefahr der Veranstaltung als Ansteckungsherd zu machen. "Wir werden eine wilde Nacht verbringen", versprach Trump gegenüber "Axios".

Quellen: Wall Street Journal, Al Jazeera, CNBC, CNNLA TimesAxios


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