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Selbstmordanschlag: Blutbad in Basra

Neue Gewaltwelle im Irak: In Basra zündeten Selbstmordattentäter mitten im Berufsverkehr fünf Autobomben. Schreckliche Bilanz: Mindestens 68 Tote und über 200 Verletzte.

Eine Serie von Anschlägen auf Polizeiwachen in der südirakischen Stadt Basra hat am Mittwoch mindestens 68 Menschen das Leben gekostet. Über 200 Personen seien verletzt worden, 170 davon schwer, teilte Gouverneur Wael Abdul-Latif am Nachmittag mit. Selbstmordattentäter hätten die fünf Autobomben gezündet, die mitten im morgendlichen Berufsverkehr unter anderem zwei Schulbusse zerrissen. Unter den Toten seien bis zu 16 Kinder, sagte der Gouverneur.

Innenminister Samir Schaker Mahmud el Sumeidi erklärte, die Bluttat ähnele den Anschlägen auf schiitische Pilgerer und Kurden im nordirakischen Erbil vor mehreren Wochen. Wie bei den Anschlägen auf Pilgerstätten in Kerbela und Bagdad sowie auf zwei kurdische Parteibüros schlugen auch die Attentäter vom Mittwoch an mehreren Stellen gleichzeitig zu. Drei Autobomben detonierten vor Polizeiwachen, zwei weitere vor der Polizeiakademie von Basra.

Vier britische Soldaten verletzt

Versuche britischer Soldaten, bei den Rettungsarbeiten zu helfen, wurden nach Angaben des Verteidigungsministeriums in London von protestierenden Irakern behindert. Auch vier Briten wurden bei den Anschlägen verletzt, zwei davon schwer. Der britische Premierminister Tony Blair erklärte, der Terrorakt werde den Wiederaufbau Iraks nicht stoppen. "Die Mehrheit der irakischen Bevölkerung will einen stabilen und demokratischen Irak", sagte Blair.

Waffenruhe in Falludscha gebrochen

In Falludscha wurden bei einem Gefecht zwischen Aufständischen und US-Truppen neun Rebellen getötet. Trotz der am Montag von den Streitkräften angebotenen Waffenruhe hätten rund 40 Männer die Soldaten mit Granaten angegriffen, teilte ein US-Sprecher mit. Einem Aufruf von Lokalpolitikern an die Aufständischen, ihre Waffen abzugeben, sei bislang niemand gefolgt. Zur Strafe hätten die US-Truppen die Rückkehr von Flüchtlingen in die seit zwei Wochen belagerte Stadt gestoppt. Rund 600 Personen wurden abgewiesen.

Vorsitz für Hussein-Prozess bestimmt

In Bagdad wurde unterdessen die Einsetzung eines Tribunals für einen Prozess gegen Expräsident Saddam Hussein bekannt gegeben. Den Vorsitz werde Salem Tschalabi übernehmen, ein Neffe des Führers des Irakischen Nationalkongresses (INC), Ahmed Tschalabi, wie ein INC-Sprecher mitteilte. Ein Komitee des von den USA eingesetzten irakischen Verwaltungsrates habe Tschalabi ernannt, der in Amerika Jura studierte.

Irak-Koalition brökelt weiter

Die USA kämpft währenddessen um den Zusammenhalt der brökelnden Irak-Koalition. Nach Spanien und Honduras kündigte am Dienstagabend auch die Dominikanische Republik an, ihre Truppen aus Irak abzuziehen. US-Außenminister Colin Powell rief die verbleibenden Mitglieder der Irak-Koalition zur Einhaltung ihrer militärischen Verpflichtungen auf. Vertreter von 13 Staaten hätten Powell dies telefonisch zugesichert, sagte Außenamtssprecher Richard Boucher.

US-Präsident George W. Bush hatte am Dienstag vor der Entscheidung der Dominikanischen Republik erklärt, trotz der angekündigten Truppenabzüge Spaniens und Honduras’ sei die Koalition im Irak ungebrochen. "Wir müssen weiter eine Koalition der Willigen aufrechterhalten, um robust und entschlossen zu bleiben", sagte Bush auf einer Wahlkampfveranstaltung seiner Republikanischen Partei. Der Irak-Krieg ist einer der wichtigsten Themen vor der Präsidentenwahl im November.

DPA/AP / AP / DPA