HOME

Terror: Deutsche Frau im Irak entführt

Im Irak wurde erstmals seit dem Sturz Saddam Husseins eine Deutsche als Geisel genommen. Die Entführer drohen mit der Ermordung der 43-jährigen Susanne Osthoff, wenn Deutschland die Beziehungen zum Irak nicht abbricht.

Im Irak ist erstmals seit dem Sturz des Diktators Saddam Hussein ein deutscher Staatsbürger entführt worden. Nach Angaben der ARD-"Tagesschau" wurde eine deutsche Frau am vergangenen Freitag zusammen mit ihrem Fahrer im Irak von Unbekannten verschleppt. Ein entsprechendes Video der Entführer sei dem ARD-Büro in Bagdad übergeben worden. Darin forderten die Geiselnehmer die Bundesregierung auf, die Zusammenarbeit mit der irakischen Regierung einzustellen. Ansonsten würde die Geisel getötet. Laut ARD gibt es für die Erfüllung der Forderungen eine "zeitliche Einschränkung".

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die Entführung der Deutschen bestätigt und die Täter zum Einlenken aufgefordert. "Die Bundesregierung verurteilt die Tat auf das Schärfste", sagte sie nach einer Kabinettssitzung in Berlin. "Wir richten einen eindringlichen Appell an die Täter, beide unverzüglich in sichere Obhut zu übergeben." Die Bundesregierung werde alles in ihrer Macht Stehende tun werde, um die Frau und ihren ebenfalls entführten Fahrer "so schnell wie möglich" in Sicherheit zu bringen.

"Alle Bemühungen der Bundesregierung sind darauf gerichtet, die körperliche Unversehrtheit und das Leben der Betroffenen zu schützen", sagte Merkel. Sie stehe in Kontakt mit dem Bundesnachrichtendienst. Im Auswärtigen Amt war ein Krisenstab gebildet worden. Merkel sprach den Angehörigen Mitgefühl aus. "In dieser schweren Stunde sind unsere Gedanken bei den Angehörigen und Freunden der Betroffenen", sagte sie.

Entführte spricht fließend Arabisch

Bei der Geisel handelt es sich laut Fernsehberichten, in denen sich auch die in Rott am Inn lebende Mutter äußerte, um die 43 Jahre alte Archäologin Susanne Osthoff aus Glonn im bayrischen Kreis Ebersberg. Sie lebt demnach schon seit Jahren im Irak und spricht auch fließend Arabisch.

Deutschland ist nicht am Irak-Krieg beteiligt gewesen und hat auch keine engeren politischen Kontakte zur Regierung in Bagdad. Es werden lediglich irakische Polizisten von deutschen Experten außerhalb des Landes ausgebildet. Ansonsten beschränken sich die Beziehungen beider Länder auf wirtschaftliche und kulturelle Zusammenarbeit. Im Irak wurden etwa 200 Ausländer entführt, bisher aber keine Deutschen.

Video zeigt bewaffnete Männer, die auf Geisel zielen

In einer der ARD übergebenen Videoaufzeichnung, von der die "Tagesschau" ein Standbild zeigte, ist eine Frau zu sehen, die neben einem ebenfalls am Boden hockenden Mann kniet. Rechts von den Geiseln stehen zwei vermummte und mit automatischen Gewehren bewaffnete Männer; links ein ebenfalls vermummter Mann mit einer Panzerfaust. Den Geiseln sind die Augen verbunden. Die Frau trägt einen vermutlich deutschen Ausweis an einer Kette um den Hals.

Die Mutter der Entführten setzt ihre Hoffnungen auf die Bundesregierung. Sie hoffe, dass die Bundesregierung eine Lösung finde, sagte die Frau im Nachrichtensender N24. Die Mutter erklärte, die Freilassung dürfe nicht an der Bundesregierung scheitern. Sie selbst habe von der Entführung in der Nacht erfahren.

Krisenstab arbeitet intensiv an Freilassung

"Wir tun alles, um die körperliche Unversehrtheit der Frau sicherzustellen", sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes (AA). Seit dem Wochenende arbeite ein Krisenstab in Berlin unter der Leitung des krisenerfahrenen Staatssekretärs Klaus Scharioth. "Wir arbeiten mit allen relevanten Stellen im Irak zusammen, um das Schicksal (der Frau) zu klären." Oberste Priorität habe das Leben der Betroffenen.

"Lösegeldforderungen zu erwarten"

Nach Ansicht des früheren Geheimdienstkoordinators der Bundesregierung, Bernd Schmidbauer, sind Lösegeldforderungen zu erwarten. In Ausnahmefällen könne es zwar auch ohne Zahlungen gelingen, das Leben der Geisel zu retten, sagte Schmidbauer im Bayerischen Rundfunk: "Aber wenn ich mir diese kriminelle Energie ansehe, dann denke ich, dass man mit allem rechnen muss". Oberste Priorität habe nun die Befreiung der Geisel. "Ich gehe davon aus, dass der Außenminister, wenn er zurückkommt, sehr wohl weiß, was getan werden muss", sagte Schmidbauer unter Verweis auf den USA-Besuch von Außenminister Frank-Walter Steinmeier. Auch der Leiter des Krisenstabs im Auswärtigen Amt, Klaus Scharioth, habe "viel Erfahrung". Der jetzige Vorfall erinnere ihn an die Verschleppung einer italienischen Geisel oder an den Tod deutscher Grenzschützer im Irak. "Das ist eine Serie, die sich jetzt fortsetzt und auch vor der Bundesrepublik Deutschland nicht Halt macht", sagte Schmidbauer. Die Hoffnungen mancher, Deutschland bleibe vor Entführungen im Irak verschont, habe sich nun als Illusion erwiesen. "Das trifft alle Nationen, die nur ein Stück weit beteiligt sind an der Kooperation", sagte Schmidbauer.

Am Wochenende waren im Irak vier weitere westliche Ausländer von Unbekannten verschleppt worden. Dabei handelte es sich um zwei kanadische, einen amerikanischen und einen britischen Mitarbeiter von Hilfsorganisationen, wie ihre Regierungen bestätigten. Die vier Helfer hatten sich am Samstag in einer als gefährlich geltenden Gegend von Bagdad aufgehalten.

DPA / DPA